So den Haarausfall stoppen

Heilpraxisnet

Frühzeitig gegen Haarausfall angehen

20.11.2014

Bis zu hundert Haare verliert jeder Mensch natürlicherweise am Tag, wobei sich die Haarfollikel praktisch von innen heraus erneuern und das Haar anschließend wieder gleichmäßig nachwächst. Viele leiden jedoch unter verstärktem Haarausfall, wodurch sich das Kopfhaar mit der Zeit bis hin zur Glatze lichten kann. Mit dem Haarverlust gehen oftmals erhebliche psychische Probleme der Betroffenen einher. Wer frühzeitig handelt, kann den Haarausfall jedoch deutlich bremsen und mitunter sogar aufhalten, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“.

Volles, glänzendes Haar ist ein weit verbreitetes Schönheitsideal. Entsprechend stark leidet das Selbstbewusstsein, wenn plötzlich die Haarpracht schwindet. Fallen die Haare gleich büschelweise aus, empfiehlt es sich einen Facharzt aufzusuchen, um die Ursache des Haarverlustes zu ermitteln und gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten. Verschiedene Methoden, mit denen der Haarwuchs stimuliert und der Haarausfall gebremst werden soll, stehen hier zur Verfügung. Helfen die verfügbaren Mittel nicht, kann zudem eine sogenannte Haartransplantation in Erwägung gezogen werden.

Begrenzter Haarausfall ist normal
Der Verlust von bis zu 100 Haaren am Tag fällt angesichts der 80.000 bis 150.000 Haare, die jeder Mensch laut Mitteilung der „dpa“ unter Berufung auf den Bremer Hautarzt Uwe Schwichtenberg auf dem Kopf hat, kaum ins Gewicht. Die Anzahl der Kopfhaare stehe dabei zum Beispiel auch im Zusammenhang mit der Haarfarbe. So hätten Blonde die meisten Haare auf dem Kopf und Rothaarige die wenigsten. „Brünette und Schwarzhaarige liegen dazwischen“, zitiert die „dpa“ den Bremer Hautarzt. Von den Haaren, die ausfallen, verbleiben normalerweise zudem die Haarwurzeln in der Kopfhaut, so dass anschließend neue Haare nachwachsen können und der Verlust ausgeglichen wird, erläutert die Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf Nusret Cikotic vom Bundesverband Deutscher Apotheker.

Ausgefallene Haare zählen
Sollte der Verdacht bestehen, dass mehr Haare ausfallen, als nachwachsen, rät Friseurmeister Thomas Vetterlein,Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Zweithaarspezialisten, laut Angaben der „dpa“, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum genau zu beobachten. „Eventuell kann es auch helfen, ausgefallene Haare im Einzelnen zu zählen“, zitiert die Nachrichtenagentur den Fachmann. Dabei stelle sich nicht selten heraus, dass der Haarverlust nicht so stark ist, wie anfangs befürchtet. Ergibt die Zählung, dass deutlich mehr als 100 Haare am Tag verloren gehen, lassen sich zudem frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen.

Auch Frauen betroffen
Bei der geschlechtsspezifischen Betrachtung scheinen auf den ersten Blick Männer stärker betroffen als Frauen, doch „das ist nur bedingt richtig“, so Nusret Cikotic gegenüber der „dpa“. Zwar zeige sich bei Männern manchmal schon in jungen Jahren Haarausfall mit verstärkten Geheimratsecken oder der Bildung einer Teilglatze, was bei Frauen kaum zu beobachten ist. Doch im späteren Alter leiden viele Frauen ebenfalls an Haarausfall. Sie werden in der Regel allerdings schneller aktiv als Männer, berichtet die „dpa“ unter Berufung auf Thomas Vetterlein. „Für Männer ist der Haarverlust ebenfalls eine psychische Belastung, aber sie neigen dazu, darüber zu schweigen“, wird Vetterlein von der Nachrichtenagentur zitiert.

Ursachen oft unklar
In Bezug auf die möglichen Ursachen des Haarausfalls erläutert der Hautarzt Uwe Schwichtenberg gegenüber der „dpa“, dass dieser erblich bedingt sein könne, aber auch andere Ursachen diskutiert werden. Beispielweise gehe kreisrunder Haarausfall, bei dem eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen in der Kopfbehaarung auftreten, vermutlich auf eine Autoimmunkrankheit zurück. Der sogenannte diffuse Haarausfall kann indes laut Thomas Vetterlein durch eine Schilddrüsenerkrankung oder durch Stress hervorgerufen werden, so die Mitteilung der „dpa“. Des Weiteren zeige sich Haarausfall vermehrt infolge von radikalen Schlankheitskuren, aber auch bei starken hormonellen Schwankungen wie beispielsweise nach der Schwangerschaften oder in den Wechseljahren.

Haare färben als Ursache für den Haarverlust?
In Bezug auf häufiges Haare waschen und färben als mögliche Auslöser für Haarausfall, erklärt Vetterlein in der Mitteilung der „dpa“, dass vom Waschen keinerlei Gefahr ausgehe. Beim Färben bestehe ebenfalls kein Risiko, solange die Gebrauchsanweisung genau befolgt und nicht zu häufig oder zu extrem gefärbt werde. Allerdings könne es zum Beispiel zu Haarausfall führen, wenn „jemand von dunkelhaarig auf Platinblond wechseln will und für dieses Ziel in kurzer Zeit häufig das Haar färbt“, zitiert die „dpa“ den Friseurmeister. Des Weiteren können verstärkte Beschwerden beim Haare färben auftreten, wenn die Kopfhaut durch ein Ekzem geschädigt ist. Bei ohnehin juckender Kopfhautsollte daher auf das Färben verzichtet werden, da ansonsten laut Aussage des Hautarztes Uwe Schwichtenberg ebenfalls mit Haarverlust zu rechnen ist.

Umstrittene Haarwuchsmittel
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall sind vielschichtig und zahlreiche Mittel versprechen Abhilfe, doch tatsächlich wirken diese meist nur sehr eingeschränkt. Liegt dem Haarverlust eine Erkrankung zu Grunde, wird die Therapie hieran ausgerichtet und oft lässt sich der Haarverlust auf diese Weise vollständig stoppen. Können keine offensichtlichen Ursachen des Haarausfall festgestellt werden, bleibt die Möglichkeit, sogenannte Haarwuchsmittel einzusetzen. In dem Beitrag der „dpa“ bewerten die Experten die Wirkung von Mitteln wie speziellen Shampoos und Koffein-Tinkturen jedoch eher skeptisch. Hier würden die verfügbaren Studien oft wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht, berichtet die „dpa“. Allerdings seien zwei Mittel – Finasterid und Minoxidil – verfügbar, bei denen tatsächlich eine Wirkung nachweisbar sei.

Zwei wirksame Mittel verfügbar
Finasterid hemme die sogenannte 5-Alpha-Reduktase, also jenes Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt und auf diese Weise werde im Körper weniger von dem Sexualhormon gebildet, wodurch der Haarausfall zurückgeht, berichtet die „dpa“. Aufgrund der zu erwartenden Nebenwirkungen ist der Einsatz von Finasterid jedoch nicht unumstritten. So ist laut Angaben der „dpa“ in seltenen Fällen zum Beispiel ein Nachlassen der Libido festzustellen. Bei der Alternative Minoxidil drohen weniger Nebenwirkungen, da dies nicht nicht oral eingenommen, sondern als Tinktur auf die Kopfhaut aufgetragen und einmassiert wird, so die Mitteilung der „dpa“. Bei beiden Mitteln führe eine möglichst frühzeitige Anwendungen zu besseren Erfolgen. Vor dem Einsatz sollte generell „aber erst mit einem Arzt die Behandlung durchgesprochen werden“, zitiert die „dpa“
Nusret Cikotic. Je nach Bedarf könne dieser Tabletten oder Tinkturen verschreiben.

Perücke oder Haartransplantation als letzte Option
Sind die Haare bereits deutlich durch größere kahle Stellen gelichtet oder zeigt sich eine Glatze, bietet sich im Zweifelsfall eine Perücke an. Die Kosten beziffert Thomas Vetterlein auf 380 bis 3.000 Euro. Hier spiele zum Beispiel das Resthaar sowie der Beruf und das Hobby der Kunden eine Rolle. Allerdings gibt es laut Uwe Schwichtenberg auch Patienten, die mit einer Perücke psychisch nicht klarkommen. Für sie biete die Haartransplantation eine allerdings nicht ganz risikofreie Option. Im Rahmen des Eingriffs werden die Haarwurzeln von einer noch bewachsenen Stelle auf die kahlen Bereiche verpflanzt. Den Kostenrahmen für den Eingriff beziffert der Experte mit 1.500 bis 8.000 Euro – je nach Ausmaß der kahlen Bereiche. Allerdings sollte „ein solcher Eingriff nur von wirklich erfahrenen Transplanteuren durchgeführt werden“, zitiert die „dpa“ Thomas Vetterlein.

Haarausfall vorbeugen
Vorbeugend lässt sich laut Mitteilung der „dpa“ auf verschiedenen Wegen die gesunde Haarpracht stärken. Beispielweise helfe eine ausgewogene Ernährung. „Wer wegen Übergewicht auf Diät ist, sollte sich vom Arzt gegebenenfalls Vitamin- und Mineralstoffpräparate verschreiben lassen“, wird der Hautarzt Schwichtenberg von der „dpa“ zitiert. Der Friseurmeister Vetterlein empfiehlt darüber hinaus, die Haare ausschließlich mit mildem Shampoo zu Waschen und die Haare nur bei gesunder Kopfhaut zu färben. Allgemein gelte es zudem den Haarwuchs genau zu beobachten und bei Veränderungen den Rat von Fachleuten zu suchen, so Vetterlein in dem Beitrag der „dpa“. (fp)

Bild: duxschulz / pixelio.de