So macht Alkohol abhängig

Sebastian

Die Sucht wurde durch eine Studie entschlüsselt

13.01.2012

Nach dem Konsum von Alkohol schüttet das Gehirn das Glückshormon Endorphin aus. Was bisher von Seiten der Wissenschaft immer nur vermutet wurde, konnte jetzt durch ein Wissenschaftsteam der University of California in San Francisco entschlüsselt werden. Im Verlauf einer Studie wurde das Konsumverhalten von „moderaten und starken Trinkern“ verglichen und mittels eines speziellen Verfahrens aufgezeichnet. Dabei stellten die Forscher jeweils unterschiedliche Ausschüttungen der Glücksgefühl-Hormone bei den Probandengruppen fest.

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Endorphin-Ausschüttung nach Konsum
Nach dem Konsum werden vom Gehirn Endorphine freigesetzt, das dem Trinker ein angenehmes und wohliges Gefühl verschafft. Zudem entsteht je nach Aufnahme ein Gefühl von Trunkenheit. Bisher wurde von Seiten der Wissenschaft der Kontext nur als Vermutung geäußert, um das Suchtverhalten von Abhängigen zu erklären. Ein Team aus Wissenschaftlern und Medizinern der US-amerikanischen University of California in San Francisco konnte nun während einer Forschungsarbeit den Zusammenhang belegen. „Die Konsumenten fühlen sich nach dem Genuss von Alkohol glücklich, bei Suchtpatienten konnte eine effektvollere Beeinflussung beobachtet werden, wie es im Resümee der Studie heißt. Weil Süchtige sich kontinuierlich hohe Dosen zuführen und der Alkohol durch die Blutbahn strömt, koppelt das menschliche Gehirn bereits den Genuss an das Glücksgefühl. So erleben Alkoholiker schnell das Gefühl von „Betrunken sein“ und Entzugserscheinungen lassen schnell nach.

An der Studie nahmen insgesamt 25 Probanden teil. 13 von ihnen gaben an, zu den „starken Trinkern“ zu gehören und mehr als 19 Einheiten pro Woche zu trinken. 12 Teilnehmer tranken maximal 7 Einheiten. Die zweite Gruppe diente den Forschern als Kontrollgruppe. Eine Einheit entspricht ungefähr 100 Milliliter Wein (0,1 Promille). Bei beiden Teilnehmergruppen wurde jemals nach dem Trinken der Wert der Ausschüttung des Hormons Endorphin im Verhältnis zum Körpergewicht und Geschlecht gemessen. Im Ergebnis zeigte sich, dass bei allen Probanden nach dem Konsum der Einheiten körpereigene Glücksgefühle im Zentrum für Belohnungen des Gehirns ausgeschüttet wurden. Somit konnte der Beweis erbracht werden, dass bei allen nach dem Genuss die Emotionserregung und Stimmungslage deutlich positiv beeinflusst werden konnte. Um das Verfahren durchzuführen, bedienten sich die Forscher eines Positronen-Emissions-Tomographen (PET). Die Anwendung wird häufig auch zur Diagnostik von Krebskrankheiten angewandt. Dabei wird dem Teilnehmer ein minimal radioaktives Serum intravenös verabreicht. Zerfällt das Mittel, können spezifische chemische Prozesse im Körper aufgezeichnet werden.

Bei der Gruppe der regelmäßigen Trinker zeigte sich ein Anstieg des Anteils der Endorphine im Körper und zusätzlich einem Gefühl der Trunkenheit. „So wird die benebelnde Wirkung von Alkohol verstärkt positiv erlebt“ erklärte die Autorin der Auswertung, Jennifer Mitchel. So könne erklärt werden, „wie eine Sucht bei den Betroffenen ausgelöst wird.“

Grundstein für die Erforschung besserer Mittel für den Entzug gelegt
In erster Linie ging es der Forschergruppe darum, die Entstehung von Alkoholabhängigkeit besser zu verstehen, um effizientere Therapien künftig entwickeln zu können. Arzneimittel, die derzeit in der Behandlung eingesetzt werden, zeigten im Behandlungsalltag zum Teil starke unerwünschte Nebenwirkungen, die den Therapieerfolg minderten, wie Studienleiterin Howard Field erläuterte. Zur Entgiftung der Patienten werden in Kliniken Medikamente mit dem Wirkstoff „Naltrexon“ verabreicht. „Viele Patienten setzen das Mittel aufgrund seiner Nebenwirkungen aber wieder ab“ sagt Field. Zudem würde der Wirkstoff gleich mehrere Rezeptoren im Organismus blockieren, weil nicht klar war, welcher Rezeptor für die Sucht verantwortlich ist. Da aber nun klar ist, dass der „µ-Rezeptor“ für Rauschzustände verantwortlich ist, könne nach adäquaten Mitteln weiter geforscht werden. Möglich ist, „dass sich dadurch die Nebenwirkungen reduzieren“, weil nur dieser Rezeptor an seiner Tätigkeit gehindert wird. Ein Grundstein für effizientere Mittel konnte mittels der Studie gelegt werden. (sb)