Somnambulismus: Schlafwandeln ist gefährlich! Betroffene wecken!

Sebastian
Somnambulismus: Schlafwandler sollten geweckt werden – sonst kann es gefährlich werden
Schlafwandler verlassen nachts das Bett, gehen umher oder verrichten in manchen Fällen kompliziertere Tätigkeiten wie Essen zubereiten oder gar Autofahren. Und das alles ohne dabei aufzuwachen. Menschen die an Somnambulismus leiden, können für sich selbst und für andere eine Gefahr darstellen. Experten zufolge sollten sie beim Schlafwandeln unbedingt aufgeweckt werden.

Genetische Veranlagung gepaart mit Stress
Schlafwandeln (Somnambulismus) ist eine Schlafstörung, bei der Betroffene das Bett verlassen, umher gehen, Fenster öffnen oder auch komplexere Tätigkeiten verrichten. Das alles ohne dabei wach zu werden. Es handelt sich dabei keineswegs um ein seltenes Phänomen. Demnach machen bis zu 30 Prozent aller Kinder und zwei Prozent der Erwachsenen gelegentlich solche nächtlichen Ausflüge. Ihr Bewusstsein schläft dabei, ihre Sinne hingegen sind aktiv. Forschern zufolge wird Schlafwandeln durch eine genetische Veranlagung gepaart mit Stress ausgelöst. Somnambulismus kann gefährlich werden, da Betroffene Risiken bei ihren Tätigkeiten nicht einschätzen können. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, man solle die Wandelnden nicht wecken, raten Experten laut „Welt“ genau zum Gegenteil: Schlafwandler sollten unbedingt geweckt werden.

Schlafwandeln gefährdet die Betroffenen und sollte deshalb behandelt werden. Bild: yeehaaa - fotolia
Schlafwandeln gefährdet die Betroffenen und sollte deshalb behandelt werden. Bild: yeehaaa – fotolia

Schlafwandlerin fährt 50 Kilometer mit dem Auto
Schlafwandler entwickeln ihre Tätigkeiten im Tiefschlaf. In diesen Phasen sind bei ihnen die motorischen Zentren aktiv, für das vernünftige Denken und die Urteilsfähigkeit gilt das jedoch nicht. Betroffene können zwar Bewegungen und mitunter komplexe Handlungen ausführen, ihnen fehlt aber die zielgerichtete Intention. Dabei kann es zu außergewöhnlichen Ereignissen kommen. So berichtete Matthias Boentert von der Uni-Klinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen in Münster gegenüber der Zeitung von einer Frau, die als Schlafwandlerin 50 Kilometer mit ihrem Auto gefahren ist. „Das Ganze ging völlig unfallfrei ab“, erklärte Boentert, „aber man weiß natürlich nicht, was passiert wäre, wenn sie in eine knifflige Verkehrssituation gekommen wäre.“ Schlafwandler werden dem Experten zufolge juristisch als schuldunfähig eingestuft.

Meist verschwindet die Schlafstörung nach der Pubertät
Auch wenn es manchmal zu aggressiven Handlungen oder Gefahren kommen kann, bleibt Schlafwandeln in den meisten Fällen harmlos. Oft wandern Betroffen nur im Schlafzimmer umher oder verlassen nicht mal das Bett. Darüber, ob schlechter Schlaf bei Vollmond Somnambulismus fördert, sind sich Experten uneinig. So wurde in vielen Untersuchungen festgestellt, dass Vollmond-Phasen nicht für Schlafprobleme oder gar Schlafwandeln verantwortlich sind. Doch andere, wie etwa eine Studie des Baseler Chronobiologen Christian Cajochen, geben doch Hinweise darauf. Laut „Welt Online“ spielt das Lebensalter aber eine erheblich größere Rolle im Ursachengefüge. Demnach liegt die Schlafwandlerquote bei Schulkindern bei 15 Prozent, bei Zehnjährigen sogar bei 30 Prozent, bei Erwachsenen aber nur bei ein bis zwei Prozent. Schlafmediziner meinen, dass die Zahlen darauf hindeuten, dass diese Aufwachstörung im Zusammenhang mit der Hirnreife steht. Den Angaben zufolge verschwindet die Störung in 70 bis 80 Prozent nach der Pubertät.

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Schlafhygiene muss verbessert werden
Dass auch das Erbgut eine Rolle spielt, zeigt eine kanadische Studie, die von Jacques Montplaisir vom Hôpital du Sacré-Cœur in Montreal geleitet wurde. Derzufolge haben Kinder, bei denen ein Elternteil an Somnambulismus litt oder leidet, ein drei Mal höheres Risiko, ebenfalls Schlafwandler zu werden. Wenn Vater und Mutter betroffen sind, steigt das Risiko sogar auf das Siebenfache. Bei der Störung seien offenbar Gene beteiligt, die den Tiefschlaf regulieren. Wie es heißt, verstärkt sich die genetisch angelegte Neigung zum Schlafwandeln, wenn bestimmte Stressfaktoren wie etwa der Wechsel des Schlafplatzes hinzukommen. Das Risiko könne zudem durch manche Medikamente, Fieber oder eine überfüllte Harnblase erhöht werden. „Alles, was in irgendeiner Weise den Schlaf stört“, sagte Schlafmediziner Boentert, „kann dem Schlafwandler Beine machen.“ Seiner Meinung nach ist es deshalb wichtig, in der Therapie des Schlafwandelns zunächst an der Schlafhygiene zu arbeiten.

Was bei Schlafstörungen helfen kann
Einfache Tipps und Hausmittel die bei Schlafstörungen wirken, sind etwa vor dem Schlafengehen Nikotin, Koffein, Alkohol, schwere Mahlzeiten und Aufregung zum Beispiel in Form spannender Filme, zu meiden. Das Schlafzimmer sollte dunkel gehalten werden. Weil gerade auch psychische Einflüsse wie Ärger, Stress oder psychische Erkrankungen wie Depressionen häufig Auslöser für Schlafstörungen sein können, empfehlen Gesundheitsexperten oft Entspannungsübungen zum Stressabbau wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga. Auch leichtes Gehirntraining gegen Schlafstörungen kann helfen, wie österreichische Forscher kürzlich in einer Studie feststellten. Von Medikamenten raten die meisten Fachleute ab. Boentert erklärte, dass es auch wichtig sei, Balkon- und Terrassentüren abzuschließen und keine spitzen Gegenstände in Griffweite zu belassen. Außerdem sollten Betroffene jemanden zur Seite haben, der sie sofort weckt, wenn das Schlafwandeln beginnen sollte. Wecken sei immer die sicherere Alternative, da während des Schlafwandelns Unfälle passieren können. „Dabei darf man sich nicht davon beeindrucken lassen, dass es eine Weile dauern kann, bis der Schlafwandler wieder normal reagiert“, so der Experte. (ad)