Sonnencreme kann Hautkrebs nicht verhindern

Heilpraxisnet

Auch Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor kann Hautkrebs nicht verhindern

12.06.2014

Wissenschaftler der Universität Manchester haben die molekularen Mechanismen untersucht, welche der Entstehung von Hautkrebs zu Grunde liegen. Wie die Forscher um Martin Cook und Richard Marais in dem Fachmagazin „Nature“ berichten, sind sie dabei zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, dass selbst Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor (LF) nicht vor den besonders aggressiven malignen Melanomen schützt.

Zwar ist durch zahlreiche Studien belegt, dass Hautkrebs epidemiologisch in Zusammenhang mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) steht, „aber die molekularen Mechanismen blieben bisher unklar“; begründen die Wissenschaftler ihre aktuelle Studie. Sie untersuchten daher, welche Rolle Veränderungen des Wachstumsgens BRAF bei der Entwicklung der Melanome spielen. Dieses Gen zeige die „häufigsten somatischen Mutationen in Melanomen.“ Die Forscher führten entsprechende Mutationen in den sogenannten Melanozyten bei Mäusen künstlich herbei und überprüften, welche Wirkung die UV-Strahlung anschließend bei den Tieren entfaltete.

Sonnenschutzmittel könne Hautkrebs lediglich verzögern
Die genmanipulierten Mäuse wurden im Rahmen der Studie auf dem Rücken rasiert und gezielt einer UV-Strahlung ausgesetzt, die „milden Sonnenbrand beim Menschen“ verursachen würde, schreiben Marais und Kollegen. Die Haut der Mäuse wurde dabei zum Teil mit Sonnenschutzmittel (LF 50) und mit Stoff abgedeckt. Die einmalige Bestrahlung habe auch in der vermeintlich durch Sonnencreme geschützten Haut eine „klonale Expansion der Melanozyten induziert und wiederholte Dosen von UV-Strahlung führten zu einer erhöhten Melanom-Last“, berichten die Wissenschaftler. Die Untersuchung habe gezeigt, dass Sonnenschutzmittel zwar das Auftreten von UV-strahlungsbedingten Melanomen verzögern können, diese jedoch lediglich einen Teilschutz bieten. Vollständig verhindern ließ sich die Entwicklung des bösartigen schwarzen Hautkrebs mit ihrer Hilfe nicht.

Besseres Verständnis der Entstehung des schwarzen Hautkrebs
Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die gebildeten Tumore „eine erhöhte Anzahl von Einzel-Nukleotid-Varianten“ aufwiesen und sie beobachteten „Mutationen in dem Tumorsuppressor Trp53 bei etwa 40 Prozent der Fälle.“ Dieses Gen dient in seiner gesunden Form zur Unterdrückung der Krebszellen. Bislang sei die Wissenschaft nicht davon ausgegangen, dass Trp53 eine wichtige Rolle in Melanomen spiele. „Wir zeigen jedoch, dass Mutationen von Trp53 die BRAF-bedingte Tumorentwicklung antreiben und das TP53-Mutationen verbunden sind mit den UV-strahlungsinduzierten DNA-Schäden in menschlichen Melanomen“, schreiben Marais und Cook. Die Wissenschaftler ermöglichen damit einen neuen Einblick in die molekular-genetischen Grundlagen der Entstehung maligner Melanome.

Empfehlungen zum Sonnenschutz bestätigt
Mit ihrer Studie bestätigen die Wissenschaft der Universität Manchester im Prinzip die Empfehlungen der Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG) und anderer Fachverbände zum Sonnenschutz. Hier gilt die Regel: meiden, kleiden, cremen – und zwar in dieser Reihenfolge. „Si cher ge schützt ist nur, wer die UV-Strah lung auf ein für die Haut ver träg li ches Maß re du ziert und die Son ne vor al lem in Zei ten mit sehr ho her UV-In ten si tät mei det“, berichtet die DDG. Da zwischen 11.00 und 15.00 Uhr knapp 80 bis 90 Pro zent der ge fähr li chen UV-Strah lung niedergehen, sollte in die ser Zeit der Aufenthalt in der direkt Sonnen möglichst vermieden beziehungsweise minimiert werden. Zudem gilt es beim Aufenthalt in der Sonne auf angemessene, schützende Kleidung zu achten. Nicht nur Kinder sollten unbedingt eine Kopfbedeckung (Sonnenhut) tragen. Für Kleinkinder gilt allerdings ohnehin, dass sie „gar nicht der di rek ten Son ne aus ge setzt sein“ sollten, warnt die DDG. Denn ge ra de in den ers ten Le bens jah ren werde „das Ri si ko, im Lau fe des spä te ren Le bens Haut krebs zu ent wi ckeln, in ent schei den dem Maße de fi niert.“ Hier sei es zum Beispiel im mer ein Warnsignal, wenn sich in der frü hen Kind heit Le ber fle cke ent wi ckeln.

Fehler beim Sonnenschutz – Kein Verlass auf Sonnencreme
Professor Eck hard Wil helm Breit bart von der Ar beits ge mein schaft Der ma to lo gi sche Prä ven ti on (ADP) erläuterte, dass sich vie le Men schen beim UV-Schutz im mer noch falsch verhalten. Hier seien „die grö ß ten Feh ler, dass die Auf ent halts dau er in der Son ne falsch be rech net wird und man sich zu erst auf ein Son nen schutz mit tel ver lässt.“ Die angegebene Schutz wir kung der Sonnencreme lasse sich zum Beispiel nur erreichen, wenn circa zwei Mil li gramm Son nen schutz mit tel pro Quadrat zen ti me ter Haut aufgetragen werden. Damit wäre laut Angaben des Experten für eine drei- bis vier köp fi ge Fa mi lie bei ei nem Strand spaziergang in der Sonne lo cker eine Fla sche Son nen schutz creme pro Tag erforderlich. „Ich ken ne nie man den, der sich dar an hält“, betonte Breitbart. So dürfte der unzureichende Sonnenschutz einen maßgeblichen Anteil an der immer noch wachsenden Anzahl bösartiger Hautkrebserkrankungen in Deutschland haben. Besonders gefährdet sind dabei Personen mit hel ler Haut, sehr gro ßen an ge bo re ne Mut ter ma len so wie einer gro ßen An zahl er wor be ner Le ber fle cke. (fp)

Bild: William Veder / pixelio.de