Soziale Netzwerke Auslöser für Depressionen?

Heilpraxisnet

Tweets einer an Depressionen leidenden jungen Frau löst große Anteilnahme aus Nutzen und Risiken der sozialen Netzwerke

Nachdem die junge Bloggerin Jana Seelig aus Berlin bei Twitter öffentlich über ihre Depressionen berichtete, waren die Reaktionen im Netz so zahlreich, dass in Kürze der Hashtag #notjustsad entstand. Das berichtet die Ärzte Zeitung. In der Folge äußerten sich Tausende Betroffene via Twitter über ihre eigenen Erfahrungen mit der Krankheit und wie ihre Umwelt damit umgeht. Doch analog zu der überwältigenden Anteilnahme und Diskussion über Depressionen nach dem Tod Robert Enkes, ließ auch in diesem Fall das öffentliche Interesse in den sozialen Netzwerken schnell wieder nach, sodass sich die Frage nach dem Nutzen und den Risiken solcher Hashtags stellt. Können sie Betroffenen wirklich helfen, oder schaden sie ihnen womöglich.

Die junge Bloggerin aus Berlin ist jedenfalls überzeugt, dass viele Betroffene ihren Tweet zum Anlass genommen haben, aus der Versenkung hervorzutreten und sich selber öffentlich zu ihren Depressionen zu äußern. Und einige hätten überhaupt erst durch die Diskussion festgestellt, dass sie nicht nur schlecht drauf, sondern depressiv sind. Über sich selbst sagt sie, sie hätte die Diagnose erst mit 22 erhalten, „weil ich mir einreden ließ, ich sei einfach nur schlecht drauf.“

Angeregte Diskussionen im Netz
Während das Umfeld der Betroffenen in der Realität zunehmend genervt auf sie reagiert, können sie sich in der Anonymität des Netzes frei äußern, die Erfahrung machen, dass sie nicht alleine sind, und erhalten sogar Zuspruch dafür.

Allerdings nicht von allen Diskussionsteilnehmern. Denn es befinden sich auch verletzende Beiträge im Netz. Zudem gibt es eine Abnutzung des Effekts, wie man am Fall Robert Enke deutlich sehen kann. Damals wurde lange und ausgiebig über die Volkskrankheit diskutiert, ohne dass sich an dem Stigma tatsächlich etwas geändert hätte. Für Depressionen gibt es in unserer Leistungsgesellschaft keinen Platz.

Lediglich Depressionen, die als leistungsbedingten Burnout diagnostiziert werden, finden in der Gesellschaft so etwas wie Anerkennung. "Zwischen deprimiert sein und depressiv sein besteht ein sehr großer Unterschied", twitterte Jana Seelig. Sie hatte die Vorwürfe und guten Ratschläge, sich zusammenzureißen satt.

Grundsätzlich könnten die sozialen Netzwerke das Potenzial, eine öffentliche Diskussion am Laufen halten und das Stigma der Betroffenen abbauen, denn schließlich sind 75 Prozent der Bundesbürger in wenigstens einem Netzwerk angemeldet. Die meisten zum Kommunizieren, einige auch nur um sich zu informieren. So haben sich etliche Interessengruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook zusammengeschlossen. Offizielle Organisationen finden sich dagegen kaum in diesen Gefilden. Dabei sollten die wenigen Aufklärungskampagnen genau dorthin verlegt werden, wo die Betroffenen sind: Ins digital web.

Warnung vor öffentlichen Schmähungen
Tatsächlich helfe bei der Frage nach Nutzen und Schaden der Netzwerke nur eine nüchterne Betrachtung der Diskussionen. Über die sozialen Netzwerke hat es in der Vergangenheit schon viele negative Berichterstattungen gegeben. Demnach mache Facebook dick, eifersüchtig, neidisch, dumm, unglücklich, arm und treibe Jugendliche gar in schwerste Depressionen. So warnten auch US Pädiater vor Schmähungen in sozialen Netzwerken, die Jugendliche in den Suizid treiben. In Anbetracht der relativ kurzen Zeitspanne, in der die sozialen Netzwerke gesellschaftlich relevant wurden, gibt es noch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse, die über deren wahren Nutzen Auskunft geben könnten. Risiken für die Nutzer gibt es ohne Frage, vor allem im Bereich des Datenschutzes. Wer jedoch in der Öffentlichkeit effektiv für seine Anliegen einstehen will, wird ohne die Nutzung der Netzwerke nicht auskommen.

Wer allerdings nach konkreter Hilfe jenseits des social web und der konventionellen Behandlungsmethoden mit Antidepressiva und Psychotherapie sucht, kann sie in naturheilkundlichen Behandlungsmethoden finden. So helfen in leichteren Fällen Johanniskraut (Hypericum perforatum), Zitronenmelisse, das indische Basilikum und die Rose. Außerdem helfe die Lichttherapie, um den Mangel natürlichen Lichts auszugleichen. Aus dem Bereich der Entspannungsverfahren, die einer angemessenen Stressverarbeitung dienen, sind Meditation, Yoga, Tai Chi, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder das Erlernen bestimmter Atemtechniken als brauchbare Behandlungsansätze zu nennen. Auch der Einsatz von Homöopathie, Bachblüten, Akupunktur und Kinesiologie konnte schon vielen Menschen helfen. (sb)

Bild: Alexander Klaus / pixelio.de