Spanier verliert erneut beide Beine

Fabian Peters

Nach doppelter Beintransplantation müssen die Beine erneut amputiert werden

12.06.2013

Doppelte Beinamputation nach doppelter Beintransplantation. Vor zwei Jahren wurden in dem Hospital La Fe in Valencia erstmals einem Patienten zwei Beine transplantiert. Die zunächst gefeierte medizinische Sensation hat nun ein trauriges Ende genommen. Dem Patienten mussten beide Beine wieder amputiert werden.

Den Angaben des Hospitals La Fe in Valencia zufolge musste der Mann aufgrund einer nicht näher benannten Erkrankung die Immunsuppressiva absetzten, welche eine Abstoßung der transplantierten Beine verhindern sollten. In derartigen Fällen sei es vorgesehen, dass transplantierte Organ aus dem Patienten zu entfernen, wenn dies kein lebenswichtiges Organ ist, „um die Behandlung der Krankheit, die ernster und dringender ist zu ermöglichen“, berichtet das Klinikum in einer Stellungnahme zu der doppelten Beinamputation.

Erkrankung verhindert weitere Einnahme von Immunsuppressiva
In einer über zehnstündigen Operation im Jahr 2011 hatte das 50-köpfige Team um den Chirurgen Pedro Cavadas am Hospital La Fe einem Mann, dem die Beine oberhalb des Knies bei einem Verkehrsunfall abgetrennt wurden, zwei Beine transplantiert. Nerven, Blutgefäße, Muskeln, Sehnen und Knochen wurden neu verbunden, um dem Patienten ein Leben im Rollstuhl zu ersparen. Das ehrgeizige Vorhaben der Mediziner schien zunächst wie ein voller Erfolg. Die Beine wurden nicht abgestoßen und der Patient hätte theoretisch mit der Zeit wieder ein halbwegs normales Leben mit Beinen führen können. Lediglich die Einnahme von sogenannten Immunsuppressiva, die eine Abstoßung der transplantierten Beine dauerhaft verhindern sollen, war unumgänglich. Doch konnte der Patient die Medikamente offenbar nicht länger einnehmen, weshalb sich Cavadas und Kollegen nun zu einer Amputation der Beine entschieden.

Doppel-Beinamputation Konsequenz der Medikamentenabsetzung
Eine mit der ursprünglichen Transplantation nicht im Zusammenhang stehende Erkrankung habe die weitere Einnahme der Immunsuppressiva für den Patienten unmöglich gemacht, berichtet das Krankenhaus ohne die Erkrankung jedoch näher zu benennen. Die Amputation sei bereits vor einiger Zeit erfolgt, allerdings erst jetzt publik geworden, da der Patient sein Einverständnis zu einer Bekanntgabe zuvor verweigert hatte. Trotz des Misserfolges hält sich die Kritik an dem ehrgeizigen „Wunderdoktor“, wie Cavadas von den spanischen Medien zum Teil bezeichnet wird, bislang in Grenzen. Mit seinen spektakulären Eingriffen hatte Cavadas bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt. So zum Beispiel auch bei der weltweit ersten Doppel-Handtransplantation im Jahr 2006. (fp)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de