Speziell an unsere individuellen Gene angepasste Diätprogramme?

Fabian Peters
Sogenanntes „Fettleibigkeitsgen“ lagert Fett ein anstatt es zu verbrennen
Wie funktioniert eine erfolgreiche Diät? Wieso gibt es Diäten, die bei manchen Menschen wirken und bei anderen nicht? Wäre die beste Diät individuell auf jede einzelne Person ausgerichtet? Welche Rolle spielen unsere Gene bei der Gewichtsabnahme? Diese Fragen versuchten nun Forscher der „University of Texas“ in ihrer Studie zu beantworten.

Ein erfolgreiches Diätprogramm umfasst meist eine persönliche Beratung, die sich speziell auf die Probleme und Ernährungsgewohnheiten des Einzelnen bezieht. In Zukunft könnten Diäten aber noch viel weiter gehen. Individuelle Gewichtsmanagementpläne könnten die Gene der Betroffenen mit einbeziehen, um perfekt abgestimmt auf den Körper zu wirken und somit bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Künftige werden Diätprogramme uch genetische Faktoren verstärkt berücksichtigen. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Künftige werden Diätprogramme uch genetische Faktoren verstärkt berücksichtigen. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Genetik kann helfen, Diäten zu revolutionieren
Diätpläne könnten in naher Zukunft viel effektiver werden. Es sei zu vermuten, dass in etwa fünf Jahren Ernährungspläne Faktoren wie die Genetik mit einbeziehen werden, erklärte die Professorin Molly Bray von der „University of Texas“. Experten sagen voraus, dass bald vielen übergewichtigen Menschen geholfen werden kann, eine gesünderes Gewicht zu erreichen. Die genetischen Daten der betroffenen Person würden dann verwendet werden, um perfekt zugeschnittene Ernährungs- und Bewegungspläne zu entwickeln. Die größte Herausforderung für die Verwirklichung dieses Traumes ist die Notwendigkeit verbesserte Analyse-Tools zu entwickeln. Diese seien dringen notwendig, um die Beziehungen zwischen Genetik, Verhalten und Gewicht im Zusammenhang mit Krankheiten zu verstehen, erläuterten die amerikanischen Experten in ihrer Studie.

Computer errechnet aus Umweltfaktoren und Genen perfekten Diätplan
Ein Artikel, der in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Obesity“ erscheint, fasst zusammen, was die Wissenschaftler derzeit über Faktoren wissen, die die Gewichtsabnahme und Gewichtszunahme beeinflussen. Der Bericht zeigt, wie die genetischen Informationen und die gesammelten Daten von nicht-invasiven, tragbaren Geräten möglicherweise bald in die Forschung einbezogen werden. Somit könne die Behandlung von Übergewichtigen revolutioniert werden. In Zukunft wird es für Patienten möglich sein, Speichelproben für die Gen-Sequenzierung einzureichen. Zusätzlich könnten durch automatisierte Sensoren Informationen über Faktoren, wie beispielsweise Umwelt, Ernährung, Aktivität und Stress gesammelt werden. Dann würde ein Computeralgorithmus diese Informationen auswerten und Patienten mit spezifischen Empfehlungen helfen, ihr Zielgewicht zu erreichen.

Werkzeuge benötigt, um gesammelte Datenmassen auszuwerten
Die sinkenden Kosten der Genom-Sequenzierung sowie tragbare Monitore, die helfen das Verhalten und die Einflüsse der Umwelt auf einzelne Menschen zu verfolgen, ermöglichen es den Forschern, alle Daten zu sammeln, die sie für ihre Grundlagenforschung zum Thema Präzisionsgewichtsverlust benötigen. Laut der aktuellen Studie, ist die eigentliche Herausforderung für die Forscher jetzt, die Werkzeuge zu entwickeln, um die gesammelten Datenmassen zu analysieren. Im Moment sind wir in der Lage, Menschen erfolgreich zu helfen Gewicht zu verlieren, aber leider nur kurzfristig, erklärte Prof. Bray. Betrachten wir aber die Statistiken zur langfristigen Gewichtsabnahme, sehen diese ziemlich trostlos aus. Wissenschaftler würden immer noch nicht genau verstehen, wie der Prozess abläuft, der bei vielen Menschen nach einer Diät einen Wiederanstieg des Körpergewichts bedingt, fügte die Medizinerin hinzu.

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Fettleibigkeit weltweit auf dem Vormarsch
Forscher entdeckten jetzt die genetischen Basis für viele durch das Gewicht bedingte Krankheiten. Sie fanden ein Gen, das Fett nicht verbrennt sondern stattdessen einlagert. Einige Medien hätten dieses Gen schon als das „Fettleibigkeitsgen“ bezeichnet, aber so einfach sei die Sache dann doch nicht, erklärte Prof. Bray. Die Fettleibigkeit ist eine große Belastung für das Gesundheitssystem und erhöht das individuelle Risiko für eine Reihe anderer Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Auf der ganzen Welt nimmt die Fettleibigkeit mit alarmierender Geschwindigkeit zu. Die Fettleibigkeit bilde eines der ernsthaftesten Probleme unserer Zeit, so Prof. Bray in der Studie. Offensichtlich sei Prävention der beste Ansatz, aber es gebe Millionen von Personen, die derzeit übergewichtig sind und dringend weitere wirksame Strategien zum langfristigen Gewichtsverlust benötigen, fügte die Medizinerin hinzu. Mehrere Forschungsprojekte hatten gezeigt, dass etwa die Hälfte der Faktoren, die den Body Mass Index (BMI) beeinflussen, genetische Faktoren sind. Die restlichen Einflussgrößen umfassen beispielsweise Bewegung und Ernährung. Abhängig von den persönlichen Genen könnte Bewegung also für einige Menschen weniger effektiv bei der Reduktion von Gewicht sein.

Wirksame Behandlungsmethoden müssen entwickelt werden
Menschen sollten aber nicht denken, dass nur die Gene eine Rolle spielen und sie selber nichts mehr tun müssen, um abzunehmen, mahnen die Forscher. Für einige Menschen sei es durch ihre Gene zwar schwieriger abzunehmen, aber gerade diese sollten jetzt noch stärker motiviert sein, sich zu ändern, erläuterte Prof. Bray. In den letzten Jahren haben wir große Fortschritte in unserem generellen Verständnis von Fettleibigkeit gemacht.Was treibt unser Essverhalten an, wie werden Fettzellen gebildet und wie verändert sich unser Stoffwechsel vor und nach dem Auftreten von Übergewicht? Die Wissenschaft ist diesen Fragen umfassend nachgegangen und nun sei die Zeit reif, um die Fülle von Daten auszuwerten und Wege zu finden, um Menschen in Not effektiver zu behandeln, erläuterte Prof. Bray. (as)

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