Spiegel-Therapie gegen Phantomschmerzen

Astrid Goldmayer

Studie: Spiegeltherapie gegen Phantomschmerzen erfolgreich

21.02.2012

Eine Spiegeltherapie kann Menschen nach Amputationen helfen, um Phantomschmerzen zu lindern. Dies fanden Forscher der Medizinischen Universität Wien (MedUni) heraus, in dem sie acht Beinamputierte so vor einem Spiegel positionierten, so das nur das vorhandene Bein sichtbar war.

Mehr zum Thema:

Amputiertes Körperteil wird im Gehirn weiterhin wahrgenommen
Experten gehen davon aus, dass etwa 50 bis 80 Prozent der Menschen nach Amputationen unter sogenannten Phantomschmerzen leiden. Obwohl ein Körperteil – in der Regel handelt es sich um die Gliedmaßen – nicht mehr vorhanden ist, fühlt der Betroffene das amputierte Körperteil noch immer. Häufig wird es als verkürzt oder schmerzhaft verdreht wahrgenommen. In einigen Fällen verschlimmert sich der Schmerz durch Stress, Angst oder Änderungen der Witterung.

Phantomschmerzen treten gelegentlich nicht nur nach Amputationen der Gliedmaßen sondern auch nach der Entfernung von Organteilen oder Brustamputationen auf. Menschen, die mit fehlenden Körperteilen geboren werden oder unter Lähmungen leiden, berichten ebenfalls von Phantomschmerzen, die jedoch in der Regel anders ausgeprägt sind.

Spiegeltherapie überlistet das Gehirn
Nun gelang es einem Forscherteam der "MedUni Wien" anhand von acht Probanden das Gehirn von Betroffenen mittels Spiegeltherapie zu überlisten und den Phantomschmerz zu lindern. Dafür absolvierten die Beinamputierten zwölf Sitzungen der Spiegeltherapie. Dafür wurden sie so vor dem Spiel positioniert, dass nur das vorhandene Bein zu sehen war. Der Stumpf des amputierten Beins war nicht im Spiegel sichtbar. Durch Bewegungen des vorhandenen Beins wurde dem Gehirn der Probanden vorgetäuscht, dass das im Spiegel gezeigte Bein das zweite eigentlich amputierte Bein ist. Das Gehirn ging so davon aus, dass noch beide Beine vorhanden waren.

Jeweils vor der ersten und nach der letzten Spiegeltherapiesitzung erfolgten Messungen des Gehirns mittels funktioneller Magnetresonanztomographie. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich der Phantomschmerz durch die Spiegeltherapie deutlich reduzierte. Die Probanden zeigten darüber hinaus erhöhte Aktivität im Stirn- und Schläfenlappen.

Studienautor Stefan Seidel von der Wiener Universitätsklinik für Neurologie berichtet: „Diese Zentren sind eigentlich nicht primär für die Motorik zuständig.“ Demnach aktiviere das Gehirn nach einer Amputation ein "Motor-Netzwerk", das das eigentliche Motorikzentrum der amputierten Extremität ersetzt. „Das Gehirn hat nach einiger Zeit umgelernt“, fasst Seidel zusammen. (ag)

Bild: Peter Smola / pixelio.de