Spinalkanalstenose und Gartenarbeit?

Heilpraxisnet

Spinalkanalstenose und Gartenarbeit? Auf die richtige Haltung kommt es an!

31.10.2013

Bäume stutzen, Laub rechen, Unkraut zupfen – die Gartensaison neigt sich dem Ende und viele machen nun ihre Grünflächen winterfest. Manche Hobbygärtner verlieren jedoch die Lust am Gärtnern, wenn damit unerträgliche Rückenschmerzen einhergehen. Gerade Menschen mit Verengungen im Wirbelkanal – Mediziner sprechen von Spinalkanalstenose –, bei denen jede Bewegung auf die Nerven drückt und sich Schmerzen bis in die Füße ausbreiten, sollten auf die richtige Haltung achten. Darauf weist Dr. Thomas Bierstedt, Wirbelsäulenchirurg und Facharzt für Neurochirurgie aus dem Orthopädisch-Neurochirurgischen Zentrum in Datteln und Recklinghausen, hin. Bringen konservative Maßnahmen keine Erleichterung, lindert bei anhaltend starken Beschwerden, die sich trotz rückenschonender Gartenarbeit verschlimmern, manchmal nur noch eine Operation dauerhaft Schmerzen.

Betroffene berichten oft von einer sofortigen Besserung ihrer Symptome, sobald sie sich nach vorne beugen. Somit erweitern sie den Platz im Rückenmark und verringern den Druck auf die Nerven im verengten Wirbelkanal. Bei allen Gartenarbeiten lautet das wichtigste Gebot jedoch: Rücken gerade halten. „Wer beispielsweise mit gebeugten Knien arbeitet, hält den Rücken in einer gesunden Position und stärkt zugleich die Bauchmuskulatur, die wie ein körpereigenes Korsett die Wirbelsäule stützt“, erklärt Dr. Bierstedt. Zudem liegt in gebückter Haltung der untere Rücken oft frei. Durch kühle Zugluft verspannt sich die Rückenmuskulatur und Symptome einer Spinalkanalstenose verschlimmern sich. Außerdem wichtig: Die Körperhaltung immer wieder ändern und Pausen sowie Dehn- und Lockerungsübungen einlegen. Bemühen sich Hobbygärtner dagegen ständig, den Rücken besonders gerade zu halten, verkrampfen sie ebenfalls. Regelmäßig verändernde Haltungen stellen ein natürliches Training für den Körper dar und stärken damit den Rücken. „Zusätzlich dient sportliche Aktivität wie Radfahren oder Spazierengehen als optimaler Ausgleich für beanspruchte Muskeln nach einem Tag im Garten“, ergänzt Dr. Bierstedt.

Wer trotz rückenschonender Gartenarbeit dauerhaft über starke Rückenschmerzen klagt und bereits Lähmungserscheinungen und Empfindungsstörungen bemerkt, leidet unter einer hochgradigen Verengung im Wirbelkanal. Erleichterung verspricht in solchen Fällen eine Operation, bei der Chirurgen störende Gewebestrukturen entfernen und dem eingeklemmten Nerv wieder Platz verschaffen. „Je nach Umfang kann anschließend eine Stabilisierung der Wirbelsäule notwendig werden“, bemerkt Dr. Bierstedt. Da dies häufig durch eine Versteifung der betroffenen Wirbel geschieht, scheuen sich viele Patienten vor dem Eingriff aus Angst vor damit einhergehenden Bewegungseinschränkungen. Eine Alternative bietet die flexible Wirbelsäulenstabilisierung: Statt Wirbelkörper statisch zu verschrauben, sorgt ein dynamisches Implantat – das sogenannte TOPS-System – dafür, dass der Patient wie gewohnt in alle Richtungen beweglich und dauerhaft schmerzfrei bleibt. Denn gerade Gartenarbeit setzt die volle Beweglichkeit der Wirbelsäule voraus: Gärtner strecken sich zum Schneiden der Äste, beugen sich zum Unkraut zupfen oder drehen und neigen sich beim Rechen von Laub. (pm)

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