Spontane Menschen handeln großzügiger

Fabian Peters

Spontane Entscheidungen sind kooperativer, längere Bedenkzeiten fördern den Egoismus

20.09.2012

Spontan handelnde Menschen sind weniger eigennützig und eher bereit Geld zu spenden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der US-Eliteuniversitäten Havard und Yale in einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde. Sorgfältig abgewogene Entscheidungen waren demnach grundsätzlich egoistischer als ein spontaner Entschluss der Probanden.

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„Kooperation steht im Zentrum des menschlichen Sozialverhaltens“, schreiben David G. Rand, Joshua D. Greene und Martin A. Nowak in ihrem aktuellen Beitrag. Allerdings sei die Entscheidung zur Kooperation "in der Regel mit individuellen Kosten für die Entscheidungsträger verbunden". Die US-Wissenschaftler stellten sich daher die Frage nach den kognitiven Grundlagen kooperativer Handlungen. Sie überprüften im Rahmen ihrer aktuellen Studie, „ob Menschen prädisponiert für Selbstsucht sind und sich nur durch aktive Selbst-Kontrolle kooperativ verhalten, oder ob sie intuitiv kooperativ“ handeln. Das durchaus überraschende Ergebnis: Selbstloses Handeln entspricht offenbar unserer Intuition, längere Bedenkzeiten führen zu egoistischeren Entscheidungen.

Kooperatives Verhalten bei mehr als 2.000 Probanden untersucht
In zehn unterschiedlichen Tests hatten die US-Wissenschaftler der Havard-Universität in Cambridge und der Yale-Universität in New Haven das Sozialverhalten von über 2.000 Probanden analysiert. Zum Beispiel sollten die Studienteilnehmer in einem Experiment Geld in einen Topf spenden. Alle Teilnehmer wussten, dass der Betrag anschließend vom Spielleiter verdoppelt und gleichmäßig zwischen den Spielern aufgeteilt wird. Dennoch spendeten die Probanden in der Regel nicht die vollständigen 50 Cent, die ihnen zur Verfügung standen, obwohl die Ausschüttung für alle somit am höchsten gewesen wäre. Die Forscher bemerken außerdem einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Bedenkzeit, die die einzelnen Teilnehmern benötigten, und der Höhe der gespendeten Beträge.

Längere Abwägungszeiten fördern egoistisches Verhalten
Entschieden sich die Studienteilnehmer in weniger als zehn Sekunden, spendeten sie im Durchschnitt rund 66 Prozent ihrer 50 Cent. Bei einer Bedenkzeit über zehn Sekunden sank die Spendenbereitschaft auf durchschnittlich 53 Prozent des Gesamtguthabens. In den Tests habe sich kein Fall ergeben, bei dem die Probanden nach längerer Abwägungsdauer großzügiger entschieden, als bei einer spontanen Entscheidung, schreiben Rand, Greene und Nowak. Ihrer Ansicht nach ist kooperatives Verhalten der erste natürliche Reflex, der jedoch bereits nach relativ kurzer Bedenkzeit durch egoistische Verhaltensmuster ersetzt wird. Dieser Zusammenhang zwischen der Abwägungsdauer und der abnehmenden Bereitschaft zur Kooperation, stehe auch im Einklang mit früheren Studien, die zu einem ähnlichen Ergebnis kamen.

Kooperatives Verhalten als erste Intuition
Nach Ansicht der US-Wissenschaftler ist das selbstlose Handeln bei spontanen Entscheidungen beziehungsweise die intuitive Neigung zur Kooperation darauf zurückzuführen, dass im Alltag der eigene gesellschaftliche Ruf durch eigennütziges Verhalten gefährdet und die Betroffenen unter Umständen sozial geächtet werden könnten. Je gründlicher die Betroffenen abwägen, desto mehr tritt dieser Aspekt offenbar in den Hintergrund. Rationale Überlegungen können dazu führen, das der erste kooperative Impuls überwunden wird, so die Aussage der Forscher. „Wenn man Entscheidungsträger ermutigt, komplett rational zu entscheiden, kann das den unbeabsichtigten Nebeneffekt haben, dass sie eigennütziger handeln“, schreiben Rand und Kollegen. „Unsere Ergebnisse liefern konvergente Beweise dafür, dass die Intuition die Kooperation in sozialen Dilemmata unterstützt und dass Reflexion diese kooperativen Impulse untergraben kann“, so das Fazit der US-Wissenschaftler. (fp)

Bild: Bernhard Pixler / pixelio.de