Sport und Bewegung schützen uns vor Depressionen

Alexander Stindt

Können wir uns durch Sport und Bewegung vor Depressionen schützen?

Viele Menschen auf der Welt leiden an psychischen Problemen und Depressionen. Viele der Betroffenen werden mit starken Medikamenten behandelt, welche aber zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können. Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass bereits die kurze Ausübung von körperlicher Aktivität vor Depressionen schützen kann.


Ein internationales Forscherteam mit Experten des King’s College London hat festgestellt, dass körperliche Aktivität gegen das Auftreten von Depressionen schützen kann, unabhängig von Alter und geographischer Region. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The American Journal of Psychiatry“.

Sport und körperliche Aktivität schützen vor der Entstehung von Depressionen. (Bild: Rido/fotolia.com)

Daten aus 49 Studien wurden ausgewertet

Für die aktuelle Untersuchung analysierten das Forscherteam die Daten aus insgesamt 49 einzigartigen Kohortenstudien mit Teilnehmern, welche zu Beginn frei von psychischen Erkrankungen waren. Die Mediziner versuchten herauszufinden, ob die körperliche Aktivität mit einem verringerten Risiko für die Entstehung von Depressionen verbunden ist.

Untersuchung umfasste Daten von über 260.000 Teilnehmern

Insgesamt wurden 266.939 Probanden in die Studie miteinbezogen. Diese bestanden zu 47 Prozent aus Männern und zu 53 Prozent aus Frauen. Im Durchschnitt wurden alle der Teilnehmer über einen Zeitraum von 7,4 Jahren medizinisch überwacht. Als die Daten ausgewertet wurden, stellten die Mediziner fest, dass Probanden mit hoher körperlicher Aktivität eine geringere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Depressionen aufweisen, verglichen mit Menschen, die sich weniger körperlich betätigen. Die körperliche Aktivität hatte eine schützende Wirkung gegen das Auftreten von Depressionen bei Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen, erklären die Experten.

Körperlich aktivere Menschen haben geringeres Risiko für Depressionen

„Dies ist die erste globale Meta-Analyse, die belegt, dass körperliche Aktivität nützlich ist, um die Bevölkerung vor einer Depression zu schützen“, sagt Studienautor Professor Dr. Felipe Barreto Schuch von der Universidade La Salle in Brasilien in einer Pressemitteilung. Die Evidenz ist klar: Körperlich aktivere Menschen haben ein geringeres Risiko Depressionen zu entwickeln. „Wir haben untersucht, ob diese Effekte in verschiedenen Altersgruppen und auf verschiedenen Kontinenten auftreten und die Ergebnisse sind eindeutig. Unabhängig von Ihrem Alter oder Ihrem Wohnort kann körperliche Aktivität das Risiko, später im Leben eine Depression zu bekommen, verringern“, fügt der Experte hinzu.

Körperliche Aktivität führt zu vielen Vorteilen

Die robuste Analyse von über einer Viertelmillion Menschen fand konsistente Belege dafür, dass Menschen, die aktiver sind, in Zukunft seltener Depressionen entwickeln, sagt auch Studienautor Dr. Brendon Stubbs vom Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience des King’s College London. „Angesichts der Vielzahl anderer gesundheitlicher Vorteile von körperlicher Aktivität tragen unsere Daten zu den dringenden Forderungen bei, körperliche Aktivität über die gesamte Lebensdauer zu priorisieren“, erläutert der Mediziner weiter.

Weitere Studien sind nötig

Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass diese überwältigenden Beweise in einen sinnvollen Politikwechsel umgesetzt werden, der Umgebungen und Möglichkeiten schafft, welche alle Menschen der Gesellschaft motivieren sich körperlich mehr zu engagieren, sagen die Wissenschaftler. Weitere Studien sind jetzt nötig, um die erforderlichen Mindestanforderungen an die körperliche Aktivität und die Auswirkungen verschiedener Arten von Aktivitäten und Dosierungen auf das spätere Depressionsrisiko zu bewerten. (as)