Staatsanwaltschaft ermittelt wegen millionenschwerem Rezeptbetrug von Apothekern

Einem Medienbericht zufolge ermitteln Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern in millionenschweren Betrugsverfahren gegen Apotheker. Es gehe dabei um sogenannte "Luftrezepte". (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)
Alfred Domke
Medienbericht: Staatsanwälte ermitteln wegen millionenschwerem Apothekerbetrug
Vor kurzem wurde bekannt, dass unseriöse Pflegedienste die Krankenkassen prellen, indem sie Gelder für Leistungen einfordern, die gar nicht erbracht wurden. In manchen Apotheken scheint es ähnlich zu laufen. Einem Medienbericht zufolge werden die Kassen mit sogenannten „Luftrezepten“ in Millionenhöhe betrogen.

Betrug mit sogenannten „Luftrezepten“
Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ ermitteln Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern in millionenschweren Betrugsverfahren gegen Apotheker. Wie die Zeitung berichtete, gehe es dabei um sogenannte „Luftrezepte“. In einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP heißt es dazu, dass Apotheker tausende Verschreibungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechneten, obwohl die verschriebenen Medikamente nie über ihre Ladentheken gegangen seien. Sie hätten dabei gemeinsame Sache mit Ärzten oder Patienten gemacht.

Einem Medienbericht zufolge ermitteln Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern in millionenschweren Betrugsverfahren gegen Apotheker. Es gehe dabei um sogenannte "Luftrezepte". (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)
Einem Medienbericht zufolge ermitteln Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern in millionenschweren Betrugsverfahren gegen Apotheker. Es gehe dabei um sogenannte „Luftrezepte“. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Gesundheitsökonomen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus
Dem Bericht zufolge sind die Schadenssummen, die gesetzlichen Krankenkassen durch betrügerische Apotheker entstehen, teilweise deutlich höher als bei jeder anderen Berufsgruppe im Gesundheitswesen. So habe allein die Kaufmännische Krankenkasse 2015 eine knappe halbe Million Euro von Pharmazeuten zurückgefordert und damit etwa doppelt soviel wie von den Pflegediensten. Weil das Entdeckungsrisiko außergewöhnlich niedrig sei, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer beim Abrechnungsbetrug aus. Der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske erklärte: „Es gibt in diesen Konstellationen von krimineller Energie einzelner Personen üblicherweise nur wenige Mitwisser, und so lange diese zusammenhalten und sich nicht gegenseitig verpfeifen, gibt es kaum eine Chance, dass es auffliegt.“

Schaden durch Betrug möglicherweise in Milliardenhöhe
Von der Organisation Transparency Deutschland wird der Schaden durch Betrug und Korruption mit Arzneimitteln auf insgesamt 680 Millionen bis 2,72 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Wie es in der Agenturmeldung heißt, wären das zwei bis acht Prozent der knapp 35 Milliarden Euro Ausgaben der gesetzlichen Kassen im vergangenen Jahr für Arzneimittelverordnungen. Von Apothekern veruntreute Gelder seien darin ebenso enthalten wie Zuwendungen, die Ärzte für die umstrittenen Anwendungsbeobachtungen erhalten.

Abrechnungsbetrug bei Pflegediensten
Korruption und Betrug im Gesundheitswesen sind aber nicht wirklich neu. Waren es früher vor allem Hinweise auf Abrechnungsbetrug bei sogenannten Heilmitteln wie Physiotherapie, Krankengymnastik oder Massagen, wurden in den letzten Jahren vor allem auch Mauscheleien im Bereich der Pflege untersucht. So wurde erst kürzlich über einen Schaden in Milliardenhöhe durch Abrechnungsbetrug bei der Pflege berichtet. Laut Medienberichten haben russische Pflegedienste mit gefälschten Pflegeprotokollen nicht erbrachte Leistungen abgerechnet und damit einen Schaden von mindestens einer Milliarde Euro verursacht. (ad)

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