Ständig müde: Immer mehr Menschen in Deutschland von Schlafstörungen geplagt

Alfred Domke
Schlafstörungen der Deutschen steigen deutlich an
Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schlafstörungen. Die Folgen können gravierend sein. Betroffene haben tagsüber nicht nur mit Müdigkeit und Konzentrationsstörungen zu kämpfen. Auch die Gesundheit wird dadurch gefährdet. Doch es gibt einige einfache Tipps um Schlafstörungen zu vermeiden.

Immer mehr Menschen in Deutschland haben Schlafprobleme
Immer mehre Menschen in Deutschland haben Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Wie der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Deutschland schläft schlecht – ein unterschätztes Problem“ zeigt, sind die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren seit 2010 um 66 Prozent angestiegen. Laut der Studie fühlen sich derzeit 80 Prozent der Arbeitnehmer betroffen, berichtet die Krankenkasse in einer Mitteilung. Unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie leidet demnach jeder zehnte Arbeitnehmer. Seit 2010 gab es hier einen Anstieg von 60 Prozent.

Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schlafstörungen. Das gefährdet auch ihre Gesundheit. Einige Tipps können dabei helfen, besser zu schlafen. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Viele Menschen laden ihre eigenen Batterien nicht auf
Das Berliner Iges-Institut hatte für die DAK Gesundheit die Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden etwa 5.200 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren durch das Forsa-Institut repräsentativ befragt.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend. „Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln“, sagte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

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„Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.“

Schwerwiegende gesundheitliche Probleme
Die Beschwerden müssten ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden könne. „Schlafstörungen erhöhen beispielsweise das Risiko für Depressionen und Angststörungen. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit dem starken Anstieg der Krankmeldungen bei den psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren“, so Storm.

Laut Gesundheitsexperten erhöhen Schlafstörungen auch das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt. Zudem schwächen sie das Immunsystem.

Des Weiteren zeigte eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, dass Schlafstörungen das Schlaganfall-Risiko erhöhen können.

Ursachen für Schlafprobleme
Ursache für Schlafprobleme sind laut DAK-Report unter anderem Arbeitsbedingungen. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln.

Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren.

Zudem haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass Unerledigtes in der Nacht zu Schlafstörungen führt. Und US-amerikanische Forscher berichteten, dass es durch das häufige Nutzen von Social Media zu chronischen Schlafstörungen kommen kann.

Laut der DAK-Studie schauen 83 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 68 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone und etwa jeder Achte kümmert sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages.

„Diese Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie unsere Gesellschaft das Thema Schlaf in eine Nebenrolle drängt“, so Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité „Der Körper braucht aber Zeit, um nach einem stressigen Tag abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen. Diese Zeit müssen wir ihm gönnen.“

Tipps für einen besseren Schlaf
Bei Schlafproblemen greifen viele Betroffene zur Selbstmedikation. Jeder zweite von ihnen kauft Schlafmittel ohne Rezept in der Apotheke oder Drogerie, berichtet die Krankenkasse. Knapp jeder Vierte nimmt Schlafmittel länger als drei Jahre ein.

Das kann gefährlich werden: „Heute werden noch immer zu viele Mittel mit Abhängigkeitspotenzial über zu lange Zeiträume eingenommen“, erläuterte Schlafexperte Fietze. „Wichtig ist, die Behandlung mit Schlafmitteln geschulten Ärzten zu überlassen.“

Laut Fachleuten sollte man es ohnehin zunächst mit einigen Tipps zum richtigen Durchschlafen versuchen, bevor man zu Medikamenten greift. Förderlich für einen erholsamen Schlaf ist eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf spätes Essen, Kaffee, Nikotin, Alkohol und intensiven Sport am Abend.

Hilfreich ist zudem, regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten und im Falle von Übergewicht sein Gewicht zu reduzieren. Sinnvoll sind auch verschiedene Hausmittel bei Schlafstörungen.

Bewährt hat sich hier beispielsweise ein Beruhigungs-Tee aus Passionsblume oder Kamille, um Anspannungen zu lösen. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können ebenfalls wirksam sein.

„Schlafprobleme werden oft unterschätzt. Wir müssen lernen, dass Schlaf für unser Leben ein entscheidender Faktor ist, um ausgeglichener, leistungsfähiger und gesünder zu sein“, so Vorstandschef Andreas Storm. (ad)