Stammzellen-Therapie gegen Rückenmarksverletzung

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Erste Stammzellen-Therapie gegen Rückenmarksverletzung getestet.

Stammzellen als Basis der Medizin von Morgen. Wissenschaftler orakeln bereits seit längerem, dass sich mit Hilfe des Einsatzes von Stammzellen völlig neue Therapiemöglichkeiten für zahlreiche bestehende Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bieten könnten. Bisher wurden jedoch kaum Ansätze einer brauchbaren Therapie entwickelt. Im Rahmen einer Phase-I-Studie haben amerikanische Ärzte jetzt allerdings erstmals die Behandlung eines teilweise gelähmten Patienten mit embryonalen Stammzellen getestet. Der Erfolg bleibt abzuwarten.

Mediziner sehen großes Potential bei embryonalen Stammzellen
Auf Stammzellen ruht schont seit längerem ein enormer Erwartungsdruck der Mediziner. Dabei ist zwischen embryonalen und adulten Stammzellen zu unterscheiden. Generell können Stammzellen sich in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren, wobei embryonale Stammzellen das Potential haben, sich in jegliches Gewebe auszudifferenzieren und adulte Stammzellen nur bestimmte festgelegte Gewebetypen nachbilden können. So basiert die Hoffnung der Mediziner in erster Linie auf den embryonalen Stammzellen, mit deren Einsatz sie sich die Behandlung zahlreicher Krankheiten vorstellen können. Dabei ist ist jedoch die Verwendung embryonaler Stammzellen aufgrund ethischer Bedenken bislang stark umstritten. Die embryonalen Stammzellen werden vor allem aus menschlichen Embryonen gewonnen, die bei einer künstlichen Befruchtungen übrig blieben. Kritiker sehen hier eine Missachtung menschlichen Lebens, da dies ihrer Ansicht nach bereits mit der Befruchtung der Eizelle beginnt.

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Querschnittsgelähmter Patient mit Stammzellen behandelt
Nun ist erstmals eine offiziell genehmigte Behandlung mit embryonalen Stammzellen erfolgt. Der Patient hatte sich eine Rückenmarksverletzung zugezogen und war anschließend teilweise gelähmt. In einer Klinik in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) wurden ihm daraufhin embryonale Stammzellen gespritzt, so die Berichterstattung der „Washington Post". Initiator der Studie ist das kalifornischen Biotechnik-Unternehmen Geron aus Menlo Park. Geron hatte von der US-Arzneimittelbehörde FDA bereits im Januar 2009 die weltweit erste Genehmigung für eine Behandlung mit embryonalen Stammzellen am Menschen erhalten. 21.000 Seiten hatte das Unternehmen damals als Antrag eingereicht und noch zahlreiche weitere Unterlagen nachgeliefert. Nun soll im Rahmen der sogenannten Phase-I-Studie zunächst die Sicherheit und Verträglichkeit der Stammzelltherapie überprüft werden. Dafür müssen sich die Patienten freiwillig zur Teilnahme an der Geron-Studie melden. Dabei kommen nur Patienten mit Querschnittslähmung für die Behandlung in Betracht, bei denen die Verletzung des Rückenmarks noch frisch ist. Bis zu 14 Tagen nach der Verletzung sollen ihnen im Rahmen der sogenannten GRNOPC1 Therapie, die aus embryonalen Stammzellen gewonnenen Zellen, gespritzt werden, wodurch der Theorie nach die geschädigten Nervenzellen repariert werden und die Patienten ihr Gefühl und die Bewegungsfähigkeit zurückgewinnen. Außer der Klinik in Atlanta sind sechs weitere amerikanische Behandlungszentren an der Auswahl der Patienten beteiligt.

Größte Risiko bei der Verwendung embryonaler Stammzellen ist Krebs
Das größte Risiko im Rahmen der Behandlung, könnte nach Ansicht der Experten die Entwicklung von Krebs sein, denn ob die Zellen sich wie gewünscht entwickeln oder unkontrolliert wachsen, ist keinesfalls gewährleistet. So hat sich auch die Sprecherin des Biotechnologie- Unternehmens Geron vorerst nicht über den Ausgang des jetzigen Tests im Shepherd Center geäußert. Trotz aller Zweifel ist die Stammzellenforschung in Amerika momentan in Aufbruchstimmung. Während unter George W. Bush 2001 die staatlichen Förderung der Stammzellforschung auf die damals bestehenden 21 Stammzellenlinien beschränkt wurde, hat der derzeitige amerikanische Präsident Barack Obama, diese Regelung nun wieder aufgehoben. Zudem ist Fortan auch die Nutzung neuer Stammzellenlinien erlaubt, die von Embryonen stammen, welche nach einer Fruchtbarkeitsbehandlungen in Kliniken ohnehin vernichtet worden wären. (fp, 12.10.2010)