Stark allergene Pflanze: Ambrosia verlängert die jährliche Allergiesaison

Alfred Domke
Pollen von Ambrosia sorgen für noch längere Allergiesaison
Ambrosia zählt zu den stärksten allergenen Pflanzen der Welt. Auch hierzulande breitet sie sich immer weiter aus. Ihre Pollen fliegen noch länger als die anderer Pflanzen und verlängern so die Allergiesaison. Experten zufolge ließe sich die eingeschleppte Pflanzenart hierzulande auch wieder ausrotten.

Eingeschleppte Pflanze verlängert die Leidenszeit für Allergiker
Schon seit einigen Jahren haben sich Allergiker in Deutschland darauf eingestellt, dass sie nach Birke, Hasel und Gräsern immer wieder auch von Pollen neuer, eingewanderter Arten gepeinigt werden. Vor allem Ambrosia macht vielen Heuschnupfen-Geplagten das Leben schwer. Die aus Amerika eingeschleppte Pflanze wächst aggressiv und verlängert die Allergiezeit. Laut Fachleuten könnte sie wieder ausgerottet werden. Doch es werde zu wenig unternommen.

Ambrosia, eine der stärksten allergenen Pflanzen der Welt, breitet sich auch hierzulande immer weiter aus. Für Allergiker verlängert sich dadurch die Leidenszeit. (Bild: Ewald Fröch/fotolia.com)

Starke Ausbreitung der Ambrosia-Pflanze
Schon seit Jahren wird auf die massive Ausbreitung der Ambrosia-Pflanze hingewiesen.

„Eine Ambrosia-Pflanze kann zwischen 3000 und 60.000 Samen in ihrem einjährigen Lebenszyklus abwerfen“, erklärte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. „Außerdem kann sie bis zu eine Milliarde Pollen in die Luft entlassen.“

Die aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Aufrechtes oder Beifußblättriges Traubenkraut genannt, wurde vermutlich über Vogelfutter nach Europa eingeschleppt. Mittlerweile findet das Kraut auch hierzulande geeignete Wachstumsbedingungen vor.

Zehn Pollen pro Kubikmeter Luft genügen
Experten zufolge zählt Ambrosia zu den stärksten allergenen Pflanzen der Welt. Etwa 80 Prozent aller Allergiker sind demnach auch gegen Ambrosia allergisch. Darüber hinaus kann das Kraut auch bei bis dato unempfindlichen Personen ohne Allergie eine Überempfindlichkeit provozieren.

„Bereits zehn Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um bei Pollenallergikern Symptome wie Tränen, Augenjucken, Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Heuschnupfen auszulösen“, heißt es in einem Faltblatt der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Und weiter: „Ein außergewöhnlich hoher Anteil der Betroffenen leidet zudem unter Atembeschwerden bis hin zu Asthma.“

Vor allem in wärmeren Städten zu finden
Nach Angaben von Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst ist Ambrosia hierzulande vor allem im wärmeren Süden vertreten.

Allein das Gesundheitsministerium in Bayern zählte zuletzt 393 größere Bestände im Freistaat. Laut Werchan gebe es aber etwa in Brandenburg ebenfalls große Bestände.

Das bis zu 1,80 Meter hohe Unkraut blüht erst ab etwa Mitte Juli, der Pollenflug reicht von August bis Oktober. Das hat zur Folge, dass sich für manche Allergiker die Leidenszeit um rund zwei Monate verlängert.

Die eingeschleppten Pflanzen wachsen an Straßenrändern besonders aggressiv. Denn durch das Stickstoffdioxid (NO2) aus Abgasen verändert sich die Protein-Zusammensetzung der Pollen, wie Forscher des Helmholtz-Zentrums in München herausgefunden haben.

Pflanzen mit Handschuhen und Mundschutz ausreißen
Außerdem gibt es Werchan zufolge gerade an Straßenrändern, wo die Pollen aggressiver werden, ein weiteres Problem: „An den Autobahnen werden regelmäßig die Grünstreifen gemäht. Dann werden die Pflanzen mitgezogen und die Samen verteilen sich im Boden.“ Dort könnten sie selbst noch Jahre später auskeimen.

Vom Gesundheitsministerium in München – wie auch von anderen Experten – wird daher empfohlen, die Pflanze auszureißen und in einer Plastiktüte mit dem Hausmüll zu entsorgen. Dies sollte nur mit Handschuhen und bei blühenden Pflanzen sogar mit Mundschutz geschehen.

Bei Beständen ab rund 100 Pflanzen sollten die zuständigen Behörden eingeschaltet werden.

Das Julius Kühn-Institut geht seit 2007 bundesweit und der Freistaat bayernweit mit Aktionsprogrammen gegen die Ambrosia vor.

„Insgesamt konnte bislang eine unkontrollierbare Ausbreitung wie in anderen Staaten verhindert werden“, sagte Ministerin Huml laut dpa.

In der Schweiz ist Ambrosia fast wieder ausgerottet
Werchan und Durner sind jedoch der Meinung, in Deutschland werde zu wenig gemacht. In der gesamten Republik gebe es gerade einmal knapp 40 Messstationen, um den Pollenflug zu erfassen.

Werchan verwies in der Agenturmeldung zudem auf die Schweiz, die gesetzlich verankert habe, dass Ambrosia bekämpft werden muss. „Da ist die Pflanze fast wieder ausgerottet“, so der Experte.

Hierzulande gebe es nur lokale Aktionen. „Dabei ist die Bekämpfung deutlich günstiger als abzuwarten.“ Huml erläuterte: „Wir beobachten in Bayern, ob eine gesetzliche Melde- und Bekämpfungspflicht für Ambrosia-Pflanzen auch bei uns notwendig werden könnte.“

Professor Jörger Durner, Leiter des Instituts für Biochemische Pflanzenpathologie am Helmholtz-Zentrum in München kann der Ambrosia allerdings doch etwas Gutes abgewinnen: Laut dpa meinte er: „Das ist ein super Modell für die Forschung, weil eine einzelne Pflanze so viele Pollen entwickelt.“ (ad)