Enormer Anstieg des Gewichts nach erfolgter Stuhltransplantation

Fabian Peters
Rätselhafte Patientin: Übergewicht nach Fäkalientransplantation
Eine Patientin in den USA, die immer wieder unter Durchfall leidet, bekommt nach zahlreichen anderen Therapieversuchen schließlich eine Fäkalientransplantation. Schon seit längerem werden solche Stuhltransplantationen bei schwerem Durchfall eingesetzt. Auch bei der 32-Jährigen gelingt die Therapie. Doch rätselhafter Weise kommt es danach zu einer starken Gewichtszunahme.

Kot-Kapseln gegen Darmerkrankungen
Die Bedeutung von Darmbakterien für die menschliche Gesundheit ist seit Jahren gut belegt. Aus der Erkenntnis, dass eine größere Vielfalt der Bakterien ein gesundheitlicher Vorteil sein kann, wurde auch eine medizinische Therapie entwickelt, die sogenannte Fäkaltransplantation. Dabei bekommen Patienten Kot-Kapseln gegen Darmentzündungen und andere Darmerkrankungen. Manche Mediziner setzen eher auf diese Methode statt auf Antibiotika, da die Behandlung mit den Medikamenten häufig Symptome wie stechende BauchschmerzenDurchfall und Fieber hervorruft.

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Mit der Stuhltransplantation kann eine positive Beeinflussung der Darmflora erfolgen. (Bild: rob3000/fotolia.com)

Beschwerden nach Antibiotika-Therapie
Die Patientin, eine 32-jährige US-Amerikanerin, wendet sich demnach zunächst mit einer bakteriellen Scheideninfektion an ihren Arzt. Dieser gibt ihr ein Antibiotikum, womit die Beschwerden schnell verschwinden. Allerdings bekommt die Frau nach einiger Zeit Durchfall und Bauchschmerzen. Als die Beschwerden auch drei Wochen später noch anhalten, vermutet der Mediziner, dass die Antibiotika-Therapie den Darm der Frau möglicherweise für ein bestimmtes Bakterium, das sogenannte Clostridium difficile (C. Difficile), anfällig gemacht hat. Das Stäbchenbakterium ist für gesunde Menschen in der Regel harmlos, kann aber vor allem geschwächten und älteren Menschen gefährlich werden. Allein in Europa gibt es jedes Jahr über 39.000 unentdeckte Clostridium-difficile-Infektionen.  Wenn die Behandlung mit Antibiotika Bakterien der normalen Darmflora verdrängt, kann es infolge davon bei Patienten zu schwerem Durchfall kommen.

Patientin erhält monatelang unterschiedliche Medikamente
Die Patientin ist mit ihren 68 Kilogramm sowie mit einem Body-Mass-Index von 26 nur leicht übergewichtig und auch die körperliche Untersuchung ist unauffällig. Zehn Tage lang nimmt sie ein Antibiotikum gegen die Infektion, danach geht es ihr noch schlechter und die Beschwerden kehren zurück. Daraufhin weist der Arzt in ihrem Stuhl C. difficile nach und findet auch das Magen-Bakterium Helicobacter pylori. Er verschreibt eine 14-tägige Therapie mit anderen Antibiotika, doch wenige Wochen später verstärken sich die Beschwerden erneut und wieder kann C. difficile nachgewiesen werden. Darauf folgt eine 12-wöchige Antibiotika-Therapie, aber auch diese kann nicht verhindern, dass die Erreger zurückkehren, ebenso wenig wie der Wechsel des Medikaments.

Stuhltransplantation erfolgreich durchgeführt
Schließlich bieten ihr die Ärzte im Miriam Hospital in Providence (US-Bundesstaat Rhode Island) eine sogenannte Fäkaltransplantation an, wie sie im „Open Forum Infectious Diseases“ berichten. Der verpflanzte Stuhl von einem gesunden Menschen enthält Milliarden nützlicher Darmbakterien, die den Empfänger wieder gesund machen sollen. Die Methode wird seit Jahren erfolgreich angewandt. So haben etwa Amsterdamer Ärzte in einer Untersuchung beim Vergleich zweier Patientengruppen mit C. difficile festgestellt, dass vier von 13 mit Antibiotika behandelten Probanden gesund wurden, die Fäkaltherapie hingegen 15 von 16 Patienten heilte. Die Transplantation, für die sich ihre 16-jährige gesunde Tochter als Spenderin zur Verfügung stellt, wird erfolgreich durchgeführt, die Bauchschmerzen und Durchfälle der US-Patientin nehmen ab und C. difficile ist nicht mehr nachweisbar.

Patientin nimmt nach Behandlung stark zu
Allerdings meldet sich die Frau 16 Monate später wieder beim Arzt. Diesmal wegen starkem Übergewicht (Adipositas). Trotz verschiedener Diätversuche, Bewegungsprogrammen und medizinisch überwachter, flüssiger Protein-Nahrung hat sie 17 Kilogramm zugenommen. Mit einem Gewicht von 85 Kilogramm und mit einem BMI von 33 ist sie nun adipös. Die Mediziner können eine hormonelle Störung der Cortisolproduktion oder der Schilddrüse ausschließen. Die Patientin leidet jetzt unter Völlegefühl, Übelkeit und Verstopfung. Wie mitgeteilt wird, halten es die Internisten um Neha Alang, die die Patientin behandelt haben, für möglich, dass die Stuhltransplantation die Verdauung und die Darmflora der Frau so durcheinander gebracht haben, dass sie unweigerlich zunimmt. Die Tochter war zwar zum Zeitpunkt der Transplantation mit 63 Kilo und einem BMI von 26,4 nur leicht übergewichtig, nahm jedoch in der Folgezeit 13 Kilo zu, womit sie dann eindeutig adipös war.

Künftig nur noch Stuhlspenden von Normalgewichtigen
Den Autoren zufolge habe man in Tierversuchen schon beobachtet, dass Stuhltransplantationen zu Übergewicht beitragen können. Die Ärzte diskutieren in der Fachzeitschrift, ob möglicherweise die erfolgreiche Therapie gegen die Clostridien den Appetit der Frau stark angeregt haben oder ob die Helicobacter pylori-Behandlung Schuld sein könnte. Sie schreiben: „Es ist bekannt, dass es eine Verbindung gibt zwischen einer Helicobacter-pylori-Therapie und Gewichtszunahme.“ Man führe diese auf die steigenden Konzentrationen von Ghrelin, einem appetitanregenden Hormon, zurück. Doch auch genetische Faktoren sowie das Alter kommen als Auslöser in Frage. Die Mediziner machen sich für die Zukunft zum Ziel, bei Stuhltransplantationen nur noch Material von normalgewichtigen Spendern zu verwenden. Für ihre rätselhafte Patientin konnten sie aber weder den Auslöser festmachen noch ihr helfen: Die Frau hat 20 Monate später weitere 3,5 Kilogramm zugenommen. (ad)