Starker Alkohol-Konsum erhöht das Demenz-Risiko enorm

Volker Blasek

Starke Trinker setzen sich dem Risiko einer Demenz aus

Wer häufig und viel Alkohol trinkt, der setzt sich einem hohen Risiko aus, frühzeitig eine Demenzerkrankung zu entwickeln. Dies geht aus der bisher größten Studie hervor, die zu diesem Thema durchgeführt wurde. In rund 39 Prozent der 57.000 untersuchten Fälle von früh einsetzender Demenz ging bei den Betroffenen ein starker Alkoholkonsum voraus. Bei 18 Prozent der Fälle lag eine Diagnose von Alkoholproblemen vor. Insgesamt konnten die Wissenschaftler Alkoholprobleme mit einem dreimal höheren Risiko für alle Arten von Demenzerkrankungen assoziieren.


Demenz ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der fünf bis sieben Prozent der Menschen im Alter von 60 Jahren und älter betroffen sind und die weltweit eine Hauptursache für Behinderungen bei Menschen im Alter von über 60 Jahren ist. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Alkoholproblemen und Demenzrisiko zu untersuchen, mit Schwerpunkt auf früh einsetzender Demenz vor dem 65. Lebensjahr. Die Studie wurde von dem Team um Dr. Michaël Schwarzinger vom „Translational Health Economics Network“ in Paris durchgeführt und kürzlich im Fachjournal „The Lancet Public Health“ publiziert.

Eine neue Studie belegt die bereits vermutete Verbindung zwischen erhöhtem Alkoholkonsum und der Entwicklung einer frühzeitigen Demenz. (Bild: Michael Traitov/fotolia.com)

Starkes Trinken in der Allgemeinbevölkerung sollte reduziert werden

Die Forscher analysierten die Krankenhausdaten von erwachsenen Patienten, die zwischen 2008 und 2013 in Frankreich stationär aufgenommen wurden, in Hinblick auf Alkoholkonsum und Demenz. 57.353 Patenten litten an einer früh einsetzenden Demenz. Bei 22.338 Personen, also 38,9 Prozent, wurde ein übermäßiger Alkoholkonsum oder eine Alkoholabhängigkeit festgestellt. Die Wissenschaftler nannten Alkoholkonsumstörungen als signifikanten Risikofaktor für alle Arten der Demenz, zu der auch Alzheimer gehört. Das Forscherteam schlägt vor, dass Patienten stärker auf Trinkgewohnheiten untersucht werden sollten, damit gegebenenfalls eine Behandlung angeboten werden kann. Darüber hinaus sollten andere Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um das starke Trinken in der Allgemeinbevölkerung zu reduzieren.

Ab wann gilt man als starker Trinker?

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt man als starker Trinker, wenn man als Mann mindestens einmal im Monat mehr als 60 Gramm Alkohol an einem Tag zu sich nimmt. Bei Frauen beginne das starke Trinken bereits ab 40 Gramm Alkohol. Diese Menge des einmal konsumierten Alkohols sei für viele akute Folgen wie Alkoholvergiftung, Verletzungen und Gewalt verantwortlich.

Diese Art des Trinkens sei selbst für diejenigen Personen schädlich, deren durchschnittlicher Alkoholkonsum relativ niedrig ist. Über 60 Gramm Alkohol nimmt man zu sich, wenn man beispielsweise fünf Flaschen Bier (je 330 ml) oder sechs Gläser Wein (je 100 ml) trinkt. 40 Gramm Alkohol stecken in etwas mehr als einem Liter Bier oder etwas weniger als einem halben Liter Wein.

Leitlinien für Alkoholmissbrauch

Dr. Sara Imarisio, die Forschungsleiterin bei „Alzheimer’s Research UK“ kommentierte die Studie in einer Pressemitteilung: „Diese gut durchgeführte Studie untersuchte die medizinischen Aufzeichnungen von Tausenden von Menschen und hob einen starken Zusammenhang zwischen schädlichem Alkoholkonsum und Demenzrisiko hervor.“ Dies sei nicht das erste Mal, dass die Forschung einen Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und Demenz aufgedeckt habe und die Ergebnisse würden den Forderungen nach Leitlinien für Alkoholmissbrauch noch mehr Gewicht verleihen.

Nicht nur starke Trinker sind betroffen

„Da in dieser Studie nur die Personen betrachtet wurden, die wegen chronischem starken Alkoholkonsums in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, wird nicht das volle Ausmaß des Zusammenhangs zwischen Alkoholkonsum und Demenzrisiko aufgezeigt“, so Imarisio. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass selbst mäßiger Alkoholkonsum negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns haben kann. Menschen sollen nicht den Eindruck haben, dass nur das Trinken bis zum Krankenhausaufenthalt ein Risiko darstellt.

Wie kann man sich vor Demenz schützen?

„Schritte zur Eindämmung der Menge an Alkohol, die Sie konsumieren, können weitreichende gesundheitliche Vorteile haben und sind nicht auf die Verbesserung der Gehirngesundheit beschränkt“, so Dr. Imarisio. Obwohl es keinen sicheren Weg gibt, Demenz vollständig zu verhindern, seien Maßnahmen wie in Maßen trinken, körperlich und geistig aktiv bleiben, eine gesunde ausgewogene Ernährung essen, nicht rauchen und Gewicht, Cholesterin und Blutdruck halten förderlich, um sein Gehirn im Alter zu unterstützen.

Die Studie trifft auf breite Unterstützung in der Medizinwelt

Professor Clive Ballard von der „University of Exeter Medical School“ in Großbritannien, schrieb in einen Kommentar zu der Studie: „Ihre Studie ist immens wichtig und zeigt das Potenzial von Alkoholkonsumstörungen und Alkoholkonsum als modifizierbare Risikofaktoren für die Demenzprävention auf.“ Auch Dr. James Nicholls, Direktor für Politik- und Forschungsentwicklung bei „Alcohol Research UK“ äußerte sich zu der Studie: „Wenn starker Alkoholkonsum das Risiko von Demenz erhöht, dann gibt es enorme soziale und wirtschaftliche Auswirkungen.“ Weithin zugängliche Alkoholbehandlungen hätten wichtige langfristige Vorteile, einschließlich der Verringerung der Demenz in der Gesellschaft. (vb)