Starker Rückgang der Müttersterblichkeitsrate

Fabian Peters
Ziel bis 2030 die Müttersterblichkeit zu besiegen noch lange nicht erreicht
Die Müttersterblichkeitsrate ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Im Jahr 1990 starben noch rund 532.000 Mütter während der Geburt oder kurz darauf, im letzten Jahr waren es etwa 303.000 Frauen. Die entspricht einer geschätzten Müttersterblichkeitsrate von 216 Fällen pro 100.000 Lebendgeburten. Zum Vergleich dazu lag der Wert 1990 noch bei 330 Fällen im Jahr. Unter Müttersterblichkeit versteht man, dass eine Mutter während der Geburt oder maximal sechs Wochen danach verstirbt.

Dr. Flavia Bustreo, stellvertretender Generaldirektor für Familie, Frauen- und Kindergesundheit bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, dass in den vergangenen 25 Jahren das Risiko für Frauen, während der Geburt oder kurz danach zu versterben, nahezu halbiert wurde. Dies werde als großer Fortschritt gewertet, aber sei noch lange nicht genug. In einer aktuellen Studie der WHO wurde virtuell errechnet, dass es möglich ist, diese Todesfälle bis zum Jahr 2030 fast vollständig zu vermeiden, erklärte der Mediziner in einer Stellungsnahme.

Komplikationen bei der Geburt können leicht das Leben der Mutter gefährden, wenn die medizinische Versorgung nicht angemessen ist. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Komplikationen bei der Geburt können leicht das Leben der Mutter gefährden, wenn die medizinische Versorgung nicht angemessen ist. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)

Müttersterblichkeit wird in fünfzehn Jahren in manchen Ländern kaum reduziert sein
Das Ziel einer drastischen Reduzierung der Müttersterblichkeit zu erreichen, erfordert aber noch viel Aufwand, betont Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des United Nations Population Fund (UNFPA). Es gäbe viele Länder mit einer hohen Müttersterblichkeitsrate, die in den nächsten fünfzehn Jahren kaum merkbare Fortschritte machen werden, warnte der Mediziner. Es wäre dringend nötig, in solchen Ländern die Anzahl an verfügbaren Hebammen und anderen Gesundheitsfachkräften zu erhöhen, so Osotimehin weiter.

Mütter sollten global durch hochwertige Gesundheitsdienstleistungen geschützt werden
Die Sicherstellung des Zugangs zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen während der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes hilft, Leben zu retten. Zu den wesentlichen Gesundheitsmaßnahmen zählen beispielsweise, dass besser auf Hygiene geachtet wird, denn nur so kann das Infektionsrisiko gesenkt werden. Das Einspritzen von Oxytocin unmittelbar nach der Geburt könne helfen, dass Risiko von schweren Blutungen zu verringern, berichten die Experten weiter. Eine schnellere Identifizierung und Bewältigung von schweren Blutungen könne bewirken, dass potenziell tödlichen Erkrankungen wie Schwangerschaftshypertonie stark verringert würden, so die Forscher der Studie.

Nur neun Länder erreichen geplantes Ziel
Trotz allgemeiner globaler Verbesserung zum Thema Müttersterblichkeit erreichten nur neun Länder das Ziel, die Sterblichkeitsrate von Müttern während oder kurz nach der Geburt um 75 Prozent bis zum Jahr 2015 zu senken. Zu diesen Ländern zählen Bhutan, Cabo Verde, Kambodscha, Iran, Laos, Malediven, Mongolei, Ruanda und Timor-Leste. Trotz des starken Rückganges liegt in einigen dieser Ländern die Müttersterblichkeitsrate immer noch weit über dem weltweiten Durchschnitt, sagte der stellvertretende Exekutivdirektor des Kinderhilfswerks UNICEF Geeta Rao Gupta in einer Stellungsnahme.

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Um das Überleben von Müttern zu sichern, müssten gerade Frauen und Mädchen besser über das Thema informiert werden. Eine Weiterbildung versorge Frauen mit dem Wissen, das sie benötigen, um traditionelle Praktiken anzuzweifeln, die eine Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind darstellen können. Etwa 99 Prozent der gesamten Fälle von Müttersterblichkeit fanden im Jahr 2015 in Entwicklungsländern statt. Die größte Verbesserung aller Regionen war in Ost-Asien zu erkennen. Dort sank die Müttersterblichkeitsrate von etwa 95 Todesfällen auf 27 Tode pro 100.000 Lebendgeburten. Dies entspricht einer Reduktion um 72 Prozent. In besser entwickelten Regionen sank, zum Vergleich, die Sterblichkeitsrate bei Müttern um 48 Prozent, von 32 Todesfällen auf 12 Fälle pro 100.000 Lebendgeburten.

Neue Strategie im Kampf gegen Müttersterblichkeit
Eine neue globale Strategie für Frauen, Kinder- und Jugendgesundheit wurde durch den UN-Generalsekretär im September 2015 ins Leben gerufen. Diese hat als Ziel, dass die Müttersterblichkeit auf weniger als 70 Todesfälle pro 100 000 Lebendgeburten weltweit reduziert wird. Um das ehrgeizige globale Ziel zu erreichen, muss die Reduktion von Todesfällen während oder kurz nach der Geburt pro Jahr mehr als verdreifacht werden. Dies entspräche einer Verringerung um 7,5 Prozent pro Jahr. Zwischen dem Jahr 1990 und dem Jahr 2015 lag die Reduktion pro Jahr allerdings nur bei etwa 2,3 Prozent. Die Strategie unterstreicht unter anderem die Notwendigkeit, generell die Gesundheitssysteme zu stärken. Eine Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren muss gefördert werden und die Qualität von Pflege und Behandlung sollte verbessert werden. Die Strategie betont, dass besondere Aufmerksamkeit gerade bei humanitären Krisen zwingend notwendig ist. Die Müttersterblichkeitsrate wird durch solche Umstände stark beeinflusst.

Weiter viel Arbeit nötig
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die globale Müttersterblichkeit in den letzten Jahren enorm reduziert hat. Eine Erhebung von Daten aus vielen verschiedenen Ländern brachte gute und genaue Ergebnisse. Aus diesen Werten lies sich dann die weltweite Reduktion der Müttersterblichkeit in Zahlen bestimmen. Die Überprüfung der Müttersterblichkeit muss nach Auffassung der Experten weiter ausgebaut werden, um zu verstehen wo, warum und wann Mütter sterben. Nur so könne festgestellt werden, was genau getan werden muss, um ähnliche Todesfälle zu verhindern. Es sei noch viel zu leisten, um vollständige und genaue globale Zivil- und Vitalregistrierungssysteme zu entwickeln, die alle Geburten, Todesfälle und Todesursachen erfassen. (as)