Statt Eier ausblasen lieber Ostereier aus Holz?

Sebastian

Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor dem Ausblasen von Ostereiern. Kritiker halten die Warnmeldung für reichlich übertrieben

08.04.2012

Heute hat das Osterfest begonnen. In vielen Gärten hängen an den Sträuchern oder an Pflanzen in Wohnungen Bunte Eier. Nach alter Tradition werden die Eier selbst ausgeblasen und bemalt. Und am Besten mit Kindern gemeinsam. Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor den gesundheitlichen Gefahren des „Ausblasen von Eiern“ gewarnt. Es drohen bakterielle Erkrankungen und in Folge Durchfall. Die Warnung hat für viel Aufsehen gesorgt. Sollen am Besten nur noch Plastikeier in den heimischen Gärten hängen? Ist das gemeinsame Basteln mit natürlichen Zutaten nun eine Gefahr für die Gesundheit? Kritiker bezeichnen die Warnmeldung für reichlich übertrieben und bemängeln sogar fehlende Schutzmaßnahmen, die wirklich sinnvoll sind.

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Pünktlich zum Osterfest gab das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin eine merkwürdig anmutende Pressemitteilung heraus. Die Experten wiesen daraufhin, dass die kunstvoll bemalten Eier in Eigenproduktion eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit darstellen könnten. Die Gefahr lauert nicht etwa in den künstlichen Farben, die zum Verzieren der Ostereier gedacht sind. Auch die Eierschalen gelten allgemein nicht als Risiko. Vielmehr das Herstellen, also das ausblasen der Ei-Flüssigkeit, könne den Verbrauchern gefährlich werden. Denn im Eierdotter und Eiweiß können sich allerlei Keime versammeln, die zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall führen.

Eltern pusten die Ostereier mit den Kindern gemeinsam aus. Aber eben jene sollen laut BfR großen Abstand halten. So stand in der Mitteilung: "Da Kinder besonders gefährdet sind, sollten sie möglichst gar nicht mit rohen Eiern umgehen.". Die Behörde forderte auf, den Kindern „jeglichen Kontakt“ mit den frischen Eiern zu unterbinden. Stattdessen sollen „Holzeier“ zur Anwendung kommen. Auch Styropor sei nach Meinung der Risikofachleute eine gute Alternative?

"Wer auf das Auspusten von Ostereiern nicht verzichten möchte", schreibt die Behörde denjenigen anscheinend „unverbesserlichen Eltern“, die sollen die Schale wenigstens nicht mit „Rouladen-Nadeln“ picken. Der Chef der Risikobehörde, Professor Dr. Dr. Hensel, gab zur Empfehlung, zum Ausblasen der Eier zum Beispiel „Einwegspritzen mit möglichst dicken Kanülen" oder Strohhalme zu verwenden.

Katrin Teichert, Mutter von vier Kindern aus Hannover, fragt angesichts dieser Warnmeldung nicht nur nach dem tieferen Sinn. Nein, sie versteht auch nicht, „wie ich mit dicken Strohhalmen oder medizinischen Spritzen einen notwendigen Druck erzeugen kann, um die zähe Flüssigkeit am anderen Ende des Ei´s heraus zu pusten?“ Sie selbst habe es ausprobiert und sei kläglich gescheitert.

Die Sicherheitswarnungen in Deutschland scheinen immer neue Blüten zu tragen. Statt die Eier so auszublasen, wie es schon vor Jahrhunderten der Brauch war, sollen diese nun mit „Injektionsnadeln“ und Spritzen bearbeitet werden. Und auch nur dann, wenn Eltern statt Holzspielzeug richtige Eier verwenden wollen. Irgendwann soll Gemüse nur noch mit medizinischem Werkzeug bearbeitet werden, das natürlich zuvor klinisch gereinigt wurde. Schließlich handelt es sich dabei um einen Vorgang, bei dem zig Bakterien einfach so auf den menschlichen Körper überspringen können. Und sowieso, Risikogruppen wie Kinder und ältere Menschen sollten am Besten nur noch Mundschutz tragen. Vor, während und nach dem Essen.

Ist der Vorgang des Auspusten beendet, sollen laut Risikobehörde alle Reste des rohen Ei´s mit lauwarmen Wasser und Spülmittel gründlich entfernt werden. "Sollen Eigelb und Eiweiß noch verwendet werden," mahnen die Experten, "sollten sie in geschlossenen Behältern aufbewahrt werden, um eine Keimübertragung zu vermeiden".

Nach Meinung des Lebensmittelchemiker Udo Pollmer gegenüber dem Deutschlandfunk trifft die Gefahr der Keimübertragung gleichermaßen auch auf frisches Obst und Gemüse zu. Doch sollen deshalb Gemüserohkost und Obst vor Kinderhänden geschützt werden?

Statt des „offiziellen Sechspunkteplans“ hätte es auch gereicht, als erstes die Hände der Kinder zu waschen, bevor mit den Lebensmitteln hantiert wird. Dieser Ratschlag fehlt aber in der Mitteilung des Risikoinstituts. „Vor dem Ausblasen sollte man die Eier abwaschen, gern auch mit Spülmittel. Und wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann in diesem Falle auf Bio- bzw. Freilandeier verzichten, einfach deshalb, weil sie naturgemäß häufiger mit Keimen belastet sind. Damit wäre alles Nötige gesagt und getan.“ erklärte Pollmer. (sb)