Stechen in der Brust: Mehr spezielle Notaufnahmen

Heilpraxisnet

Stechen in der Brust: Experten wollen mehr spezielle Notaufnahmen

14.01.2015

Bei plötzlich auftretenden Brustschmerzen kann jede Minute zählen. Auch wenn die Schmerzen verschiedene Ursachen haben können, denken die meisten Menschen dabei schnell an einen Herzinfarkt. Experten wollen mehr spezielle Notaufnahmen, um Patienten mit unklarem Brustschmerz schneller behandeln zu können.

Ist es ein Herzinfarkt?
Bei einem plötzlichen Stechen in der Brust denken die meisten Menschen automatisch an einen Herzinfarkt. Allerdings können die Schmerzen auch andere Ursachen haben. So können sich beispielsweise Verspannungen, Erkrankungen der Atemwege, des Magens und der Speiseröhre als Schmerzen in der Brust bemerkbar machen. Mögliche Auslöser der Beschwerden sind zudem Lungenkrankheiten wie Tuberkulose, Lungenembolie sowie Lungenkrebs oder auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie eine Arterienverkalkung und die Koronare Herzkrankheit. Um Menschen mit unklarem Brustschmerz schneller richtig behandeln zu können, wollen Experten mehr spezielle Notaufnahmen aufbauen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Erhöhte Überlebenschancen für Patienten
In solchen Einrichtungen klären Kardiologen mögliche Ursachen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr ab. Wie der Kardiologe Thomas Münzel (Uniklinik Mainz) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag sagte, fehlen die sogenannten Brustschmerz-Zentren bislang vor allem in den östlichen Bundesländern und strukturschwachen Regionen. Von der Notfallbehandlung in solchen Ambulanzen versprechen sich Experten weniger Folgeschäden und erhöhte Überlebenschancen für Patienten.

Zahl der Zentren weiter ausbauen
Münzel zufolge sei das Ziel, die Zahl der von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierten Zentren auf etwa 270 auszubauen. Dies dauere noch zwei bis drei Jahre. Es gibt bislang rund 200 anerkannte Ambulanzen, vor allem an Kliniken. Im Internet ist eine Übersicht der bereits bestehenden Ambulanzen zu finden. In diesen Einrichtungen sind Patienten mit akutem und plötzlich auftretendem Schmerz in der Brust richtig. Es wird darauf hingewiesen, dass solche Beschwerden aber nicht nur bei Herzerkrankungen auftreten, sondern auch Lunge, Speiseröhre oder schlicht Muskelverspannungen die Ursache sein können.

Patienten müssen kürzer im Krankenhaus liegen
Die Ambulanzen müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, um von der DGK anerkannt zu werden. So dürfen sie beispielsweise nicht mehr als 15 Minuten von einem Herzkatheter-Labor entfernt sein: Mediziner können mit Hilfe eines dünnen, flexiblen Schlauchs, der in Blutgefäße eingeführt wird, gezielt Herz und Herzkranzgefäße genauer untersuchen. Bereits seit 2008 zertifiziert die DGK Brustschmerz-Zentren. Erste internationale Daten deuten ihren Angaben zufolge darauf hin, dass in Spezialzentren behandelte Patienten im Schnitt etwas kürzer im Krankenhaus bleiben müssen. Demnach würden mit gezielter Diagnose und Therapie auch die Kosten sinken. Das Modell stammt ursprünglich aus den USA. Daher werden sie auch hierzulande oft als „Chest Pain Units“ (CPU) bezeichnet. (ad)

Bild: Martin Jäger / pixelio.de