Steigende Zahl der Alkoholvergiftungen bei Kindern

Fabian Peters

Zunahme der Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein

20.08.2012

Immer mehr Heranwachsende in Schleswig-Holstein trinken laut Mitteilung der AOK NordWest „bis zur Bewusstlosigkeit.“ Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei schleswig-holsteinischen Kindern und Jugendlichen ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegen, berichtet die Krankenkasse.

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Den Angaben der AOK NordWest zufolge wurden im Jahr 2011 in Schleswig-Holstein „insgesamt 260 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt.“ Offenbar hat der Alkoholkonsum unter den Heranwachsenden weiter zugenommen, wobei das sogenannte Komasaufen ein besonders besorgniserregendes Ausmaß angenommen hat.

Alarmierende Entwicklung beim Alkoholmissbrauch der Jugendlichen
Die Zunahme der Alkoholvergiftungen bei den Heranwachsenden in Schleswig-Holstein bringt nicht nur erhebliche gesundheitliche Risiken für die Betroffenen mit sich, sondern auch finanzielle Belastungen für die gesetzlichen Krankenkassen. So beliefen sich die „Gesamtkosten für die stationäre Behandlung und den Notfalltransport bei der Gesundheitskasse in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr auf rund 350.000 Euro“, berichtet die AOK NordWest. Die „alarmierende Entwicklung muss dringend gestoppt werden. Komasaufen ist kein Sport oder Wettbewerb, sondern schädigt die Gesundheit der jungen Menschen massiv“, betonte der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch.

Schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen des Alkoholkonsums
Die gesundheitlichen Risiken für die Heranwachsenden durch den Alkoholkonsum sind laut Mitteilung der AOK NordWEst äußerst weitreichend. Da der „Alkohol in jungen Jahren nur sehr langsam abgebaut werden“ kann, drohen bereits bei geringen Mengen „schwere Schädigungen und Vergiftungen“, so die Warnung der gesetzlichen Krankenkasse. „Am stärksten gefährdet sei das Gehirn, weil dessen Entwicklungsprozess bei Jugendlichen noch nicht vollständig abgeschlossen ist“, erläuterte Martin Litsch. Die Zunahme der Alkoholvergiftungen bei den Heranwachsenden um ganze zehn Prozent ist demnach besonders kritisch zu bewerten.

Zehn Prozent der Alkoholvergiftungen bei Kindern unter 14 Jahren
Laut AOK NordWest war bei der Auswertung der Alkoholvergiftungen von Kindern und Jugendlichen auch „das geschlechterspezifische Konsumverhalten“ auffällig. Der Alkoholmissbrauch sei bei Jungen wesentlich stärker verbreitet als bei Mädchen, berichtet die Krankenkasse. Insgesamt 62 Prozent der Jugendlichen, die im Jahr 2011 wegen Alkoholmissbrauchs stationär versorgt werden mussten, waren männliche Versicherte. Erschreckend ist zudem der hohe Anteil besonders junger Patienten. Den Daten der AOK zufolge waren zehn Prozent der Betroffenen erst 14 Jahre oder jünger. Bei Klinikeinlieferung hatten viele Jugendliche laut Mitteilung der Krankenkasse über zwei Promille Alkohol im Blut, was zu lebensgefährlichen Kreislaufzusammenbrüchen und Atemstillständen führen kann.

Alkoholmissbrauch der Jugendlichen eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Der AOK-Chef Litsch erklärte, dass der Kampf gegen das Komasaufen und andere Formen des Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen nicht nur die Krankenkassen betreffe, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung sei. Die AOK NordWest werde unter anderem „ihre Bemühungen für eine aktive Suchtprävention in Schulen konsequent fortsetzen.“ In Zusammenarbeit mit der Landesstelle für Suchtfragen in Schleswig-Holstein (LSSH) und den Suchtberatungsstellen vor Ort sollen zudem Seminaren durchgeführt werden, in denen Kinder, Jugendlichen und deren Eltern „über die Risiken des exzessiven Alkoholkonsums und andere Suchtgefahren informiert“ werden, berichtet die AOK NordWest. (fp)