Gestresste Pfleger: Beeinflussung der Sterberate

Sebastian

Sterberate durch Stress der Pfleger beeinflusst

03.03.2014

Einer Studie zufolge beeinflussen Arbeitsbelastung, Stress und Ausbildung des Pflegepersonals die Sterberate in Krankenhäusern. Auch wenn Deutschland bei der Untersuchung nicht berücksichtigt wurde, sieht es bei beiden Punkten bundesweit eher schlecht aus.

Hochschulabschluss beeinflusst Sterberate
Patienten sind in einem Krankenhaus um so besser aufgehoben, je mehr Krankenschwestern und -pfleger dort einen Hochschulabschluss innehaben. Dort sterben nach gängigen Operationen deutlich weniger Patienten als in Kliniken mit weniger gut ausgebildeten Krankenschwestern. Dies geht aus der Auswertung von Daten aus 300 Krankenhäusern in neun europäischen Ländern hervor, welche im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Der Studie zufolge beeinflusst auch die Zahl der von einer einzelnen Schwester betreuten Patienten die Klinik-Sterberaten.

Todesraten grundsätzlich niedrig
Das internationale Forscherteam um Linda Aiken hatte Angaben von insgesamt mehr als 420.000 Patienten im Alter von über 50 Jahren ausgewertet, die für einen chirurgischen Eingriff im Krankenhaus waren. Es ging dabei um Patienten, die etwa einen Knie- oder Hüftersatz, eine Blinddarmoperation oder einen gefäßchirurgischen Eingriff hinter sich hatten. Die Todesraten waren mit eins bis 1,5 Prozent in den untersuchten Ländern grundsätzlich niedrig. Allerdings gab es zwischen einzelnen Kliniken eines Landes teilweise extreme Schwankungen.

Forscher bekamen keine Daten aus Deutschland
Wie die Erstautorin Linda Aiken von der University of Pennsylvania School of Nursing (Philadelphia/US-Staat Pennsylvania) laut Presseberichten berichtete, gehörte Deutschland nicht zu den untersuchten Ländern, da die Wissenschaftler keine Angaben zur Sterberate in den Kliniken bekommen konnten. Daten kamen aus Belgien, Großbritannien, Finnland, Irland, Norwegen, Spanien, Schweden, der Schweiz und den Niederlanden.

Je mehr Patienten pro Schwester desto höher die Sterberate
Bei der Untersuchung verknüpften die Forscher die Sterberaten mit der Ausbildung der Krankenschwestern und -pfleger und ihrer Arbeitsbelastung. Sie berücksichtigten dabei das individuelle Sterberisiko der Patienten, welches unter anderem durch Alter, Geschlecht, Art des Eingriffs und zugrunde liegenden Erkrankungen beeinflusst werden kann. Außerdem bezogen sie Angaben zu den jeweiligen Kliniken in ihre Analyse mit ein, etwa die technische Ausstattung des Krankenhauses. Die Wissenschaftler kamen dabei zu dem Ergebnis, dass mit jedem Patienten, den eine Krankenschwester mehr betreuen muss, das Risiko eines Patienten, innerhalb von 30 Tagen nach der Einlieferung zu sterben, um sieben Prozent steigt. Auf der anderen Seite sinkt das Sterberisiko um sieben Prozent, wenn der Anteil von Krankenschwestern mit einem Hochschulabschluss um zehn Prozent steigt.

Deutsche Krankenschwestern ohne Hochschulabschluss
Auch für Deutschland seien die Ergebnisse hochrelevant, meint Linda Aiken. Eine frühere Untersuchung in 49 deutschen Kliniken habe gezeigt, dass keine Krankenschwester einen Hochschulabschluss besitze und somit sei Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen und anderen entwickelten Ländern ein echter Ausreißer. Außerdem kämen hierzulande auf jede Krankenschwester mehr Patienten als in den meisten anderen Nationen. Veröffentlicht wurde diese Studie im vergangenen Jahr im „International Journal of Nursing Studies.“

Veränderte Anforderungen an Klinikpersonal
„Die Daten der aktuellen Studien überraschen uns nicht“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DbfK), Franz Wagner, laut Presseberichten. „Wir glauben, dass es einen vergleichbaren Trend auch in Deutschland gibt.“ Heutzutage würden durch die demografische Entwicklung ganz andere Anforderungen an das Personal in Krankenhäusern gestellt. Die vielen chronisch kranken Patienten würden eine intensivere Betreuung und eine Beratung für den Umgang mit ihrer Erkrankung brauchen. Krankenschwestern seien viel eher in der Lage, Komplikationen oder auch Strukturfehler in der Betreuung zu erkennen, wenn sie akademisch ausgebildet wären. In der Regel werden Krankenpfleger in Deutschland an Berufsfachschulen oder Krankenpflegeschulen ausgebildet. Bislang gibt es hierzulande keine rein universitäre Ausbildung, doch auf Modellebene gibt es derzeit in Kooperationen mit einigen Hochschulen duale Ausbildungsgänge.

Chronischer Pflegemangel in Deutschland
Dass in deutschen Krankenhäusern nicht alles rund läuft, zeigt sich inzwischen auch an dem chronischen Pflegemangel, der durch den massiven Stellenabbau mitverursacht wurde. Dieser führt nicht nur zu einer Überbelastung der Beschäftigten, sondern er wird offensichtlich auch zunehmend zum Risiko für die Patienten. Dabei sind die Probleme hausgemacht, denn seit 1996 wurden trotz zunehmender Arbeitsverdichtung und kontinuierlich steigenden Patientenzahlen in deutschen Krankenhäusern 50.000 Vollzeitstellen abgebaut. (sb)

Bild: Gerda Mahmens / pixelio.de