Stichprobe: Fäkalkeime an Restaurant-Trinkgläsern

Fabian Peters

Mehr als die Hälfte der Gläser in Restaurants mit Krankheitserregern kontaminiert

09.09.2013

Oftmals werden mit dem Getränk in einem Restaurant auch Fäkalkeime beziehungsweise Darmkeime und andere Krankheitserreger aufgenommen. Bei einem entsprechenden Test hat das Verbrauchermagazin „Markt“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zahlreiche unterschiedliche Keime und Bakterien an den „Wasser-, Wein- und Biergläser in kleinen Restaurants und großen überregionalen Gastronomie-Ketten“ nachgewiesen.

Das Fäkalkeime und Eitererreger an den Trinkgläsern in Restaurants haften, ist für Verbraucher nicht nur eine ekelerregende Vorstellung, sondern auch unter gesundheitlichen Aspekten bedenklich. In mehr als der Hälfte der getesteten Restaurants wurden laut Mitteilung des NDR „Krankheitserreger gefunden, die am Glas nichts zu suchen haben.“ Ursache seien vermutlich Nachlässigkeiten bei der Personalhygiene und mangelnde Sorgfalt beim Reinigen der Gläser. Nach Auffassung der befragten Verbraucherschützer zeigen die Ergebnisse der Stichprobe, dass dringend strengere Kontrollen der Lebensmittelüberwachung erforderlich sind.

Darmkeime und Eitererreger am Trinkglas
Bei der Untersuchung des Verbrauchermagazins „Markt“ lieferten nur zwei von sechs getesteten Restaurants in Hamburg saubere Trinkgläser an den Tisch. Die übrigen Gläser waren mit potentiellen Krankheitserregern kontaminiert. So seien beispielsweise bei den großen Ketten „Sausalitos“, „Alex“ und „Schweinske“ Keime und Bakterien nachgewiesen worden. „Bei Sausalitos waren es Darmkeime. Bei den Gastronomie-Ketten Alex und Schweinske fand das Labor Darmkeime und zusätzlich Eitererreger (Staphylococcus aureus)“, berichtet der NDR. Professor Matthias Maaß, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie an dem unabhängigen Regionallabor, das die Proben untersucht hat, erläuterte: „Es hat mich schon überrascht, wie viele von diesen Gläsern mit Fäkalkeimen, Bakterien und Eitererregern verunreinigt waren.“ Angesichts des hiermit verbundenen Gesundheitsrisikos gehören diese Erreger laut Prof. Maaß keinesfalls an ein Glas. Werden derartige Erreger auf den vermeintlich sauberen Trinkgläsern nachgewiesen, sei dies „in der Regel darauf zurückzuführen, dass Gläser nicht richtig gespült werden, zu niedrige Temperaturen genommen werden, kein Desinfektionsmittel genutzt wird und keine richtige Personalhygiene stattfindet“, so der Experte weiter.

Verbraucherschützer fordern Hygiene-Ampel
Auch die Verbraucherzentrale Hamburg reagierte laut Mitteilung des NDR auf die Ergebnisse der Stichprobe besorgt. Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sprach sich angesichts der offensichtlichen Hygienemängel erneut für eine Hygiene-Ampel aus, „die eindeutig vorne an jedem Restaurantbetrieb zu erkennen sein sollte“ und „zeigt, wie das Restaurant geprüft wurde, ob die Hygiene in Ordnung ist oder ob hier Mängel vorhanden sind.“ Jeder Verbraucher könnte so erkennen, wie es um die Hygiene in dem jeweiligen Betrieb steht, noch bevor er einen Schritt ins Restaurant macht, erläuterte Valet.

Nicht alle negativ getesteten Betriebe einsichtig
Das ein objektiver Hinweis auf die Hygiene in den Restaurants durchaus angebracht wäre, verdeutlicht auch die wenig einsichtige Antwort einzelner Unternehmen, nachdem sie vom NDR mit den Ergebnissen der Stichprobe konfrontiert wurden. So hatte beispielsweise „Schweinske“ laut NDR sämtliche erhobenen Vorwürfe als „ebenso unqualifiziert wie unseriös“ zurückgewiesen. Indes erklärte „Sausalitos“, dass die eigenen Hygienevorschriften „sehr hoch“ seien, man jedoch äußerst dankbar für den Hinweis des NDR sei und „bereits operative Schritte eingeleitet“ wurden. Eine ähnliche Antwort gab das „Alex“ auf die Nachfrage des Senders: „Unsere Gäste können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Wir sind es auch nicht. Wir haben bereits Maßnahmen eingeleitet, um den Vorfall zu untersuchen.“ Bleibt nur zu hoffen, dass die Untersuchung des NDR in der Branche insgesamt eine möglichst hohe Resonanz findet, damit künftig mit dem Getränk im Restaurant keine Fäkalkeime oder andere Krankheitserreger mehr aufgenommen werden. (fp)

Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de