Stiftung Warentest: Auch günstige Kaffee-Kapseln sind meistens „gut“

Sebastian
Aluminiumpäckchen überzeugen geschmacklich, schaden aber der Umwelt
An Kaffee-Kapseln scheiden sich die Geister: Während die einen auf das besondere Aroma und die praktische Handhabung schwören, lehnen andere die kleinen Portionen aus finanziellen und umwelttechnischen Aspekten ab. Nun hat die Stiftung Warentest 14 Kapselmarken näher untersucht. Das Ergebnis: Neben dem teuren Spitzenreiter „Nespresso“ schnitten auch günstigere Produkte gut ab.
Stiftung Warentest untersucht 14 Marken
„Nespresso – what else?“, fragt der Schauspieler George Clooney in dem bekannten Werbespot des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé. Doch sind die kleinen Kaffee-Portionen, die es in zahlreichen „Nespresso-Boutiquen“ zu kaufen gibt, tatsächlich das Nonplusultra auf dem Kapsel-Markt? Antwort gibt nun eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest, bei der 14 Marken näher unter die Lupe genommen wurden.

Kaffeekapseln schneiden bei einem Test eher gut ab. Bild: lenzi63 - fotolia
Kaffeekapseln schneiden bei einem Test eher gut ab. Bild: lenzi63 – fotolia

Kapseln von Aldi Süd schneiden im Test „gut“ ab
Wie die Stiftung berichtet, hatten die Tester den frisch gebrühten Kaffee in Hinblick auf Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl untersucht und dabei außerdem auf Fehler wie z.B. einem Geschmack nach feuchter Pappe geachtet. Es zeigte sich, dass der „Vivalto Lungo“ von Nespresso (37 Cent pro Stück) tatsächlich am besten abschnitt – doch auch andere Marken konnten offenbar mit dem guten Ergebnis mithalten. Demnach erreichten sechs weitere Produkte die Note „gut“, darunter z.B. Dallmayr Capsa Lungo Belluno (30 Cent) und die Kapseln von Aldi Süd (17 Cent pro Stück). Die anderen sieben Marken erhielten laut der Stiftung ein „befriedigend“.

Neben den Aluminiumpäckchen testete die Stiftung Warentest außerdem die dazu gehörigen speziellen Maschinen. Auch hier schnitt das relativ teure Modell „De’Longhi Nespresso U EN 110“ für 106 Euro am besten ab. Dennoch könne laut der Stiftung auch bereits für unter 70 Euro eine gute Maschine wie z.B. „Delica Cremesso Compact One“ erworben werden.

Bequeme Handhabung und stylishes Image machen den Reiz aus
Doch was fasziniert so viele Menschen an den kleinen Kaffee-Portionen? „Es ist bequem in der Zubereitung, man hat immer gleich die richtige Dosis, und sie haben ein stylishes Image“, so Silke Schwartau, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Das Argument, dass für Alleinlebende mit niedrigem Kaffee-Verbrauch Kapseln die bessere Wahl seien, halte der Expertin hingegen nicht Stand. „Man kann ja auch normales Kaffeepulver in kleinen Packungen kaufen, gut dosieren und lange lagern.“

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5000 Tonnen Müll durch Alu-Kapseln im Jahr
Wesentlicher Kritikpunkt an den Kapseln ist der Abfall, der durch sie entsteht. Denn laut der Stiftung Warentest würden durch die knapp drei Milliarden Kaffeekapseln die im Jahr verkauft werden, etwa 5000 Tonnen Müll verursacht. In den meisten Fällen bestehen die Kapseln aus Aluminium oder Kunststoff, jede Portion Kaffee wird dabei von mindestens zwei Materialschichten umhüllt. Einige Kapseln würden sogar in einem Extra-Beutelchen stecken und seien dadurch insgesamt dreifach verpackt, informiert die Stiftung weiter.

„Außerdem ist der Stromverbrauch in der Produktion sehr hoch“, erläutert Expertin Schwartau. Die meisten Produkte könnten jedoch recycelt werden und sollten dementsprechend im gelben Sack bzw. der gelben Tonne entsorgt werden – trotz möglicher Kaffeereste in der Verpackung.

Original-Kapseln oft zu teuer
Neben dem Umweltaspekt kritisieren viele Gegner die Kosten, denn „auf ein Kilogramm gerechnet, ist der Preis bei den Kapseln sehr hoch“, so Schwartau. Auch im Test zeigte sich nach Angaben der Stiftung, dass die geprüften Produkte pro Stück im Mittel zwischen 17 und 38 Cent kosteten. „Der Preis variiert, da wird viel mit der Menge der Kapseln getrickst“, ergänzt die Ernährungsexpertin.

Besitzer einer Nespresso-Maschine, denen die Original-Kapseln zu teuer sind, können auch auf die günstigeren Produkte zurückgreifen. Denn laut Dr. Birgit Rehlender von der Stiftung Warentest waren vier von sechs getesteten Imitate nahezu problemlos mit den Maschinen für das Nespresso-System kompatibel. „Einige Nachahmer-Kapseln machen Nespresso durchaus auch geschmacklich Konkurrenz, aber nur zwei erreichten ein gutes test-Qualitätsurteil“, so die Studienleiterin. (nr)