Stiftung Warentest: Quecksilber und Mineralöle in allen Thunfisch-Sorten

Die Stiftung Warentest hat 20 Thunfischprodukte untersucht und in allen Schadstoffe gefunden. Vor allem die Quecksilberfunde sind erschreckend. (Bild: HandmadePictures/fotolia.com)
Alfred Domke
Quecksilber und Co: Kein Thunfischprodukt erhält von Stiftung Warentest „sehr gut“
Die Lebensmittelprüfer von Stiftung Warentest hatten 16 Thunfisch-Konserven in Öl und vier tiefgekühlte Steaks auf verschiedene Schadstoffe geprüft. 18 Produkte bekamen die Note »gut« oder »befriedigend«. Bedenklich ist vor allem der Gehalt an Quecksilber.

Keine Probe war frei von Schadstoffen. Die Quecksilbermengen lagen jedoch unter dem EU-Grenzwert von 1 Milligramm pro Kilogramm Thunfisch. Andere Fischarten dürfen maximal die Hälfte enthalten, aber auch diese Schwelle wurde von keinem Produkt überschritten. In zwei Dosen mit Öl in Bio-Qualität fanden die Tester allerdings kritische Mineralölkonzentrationen, die aus verunreinigten Speiseölen oder während des Verarbeitungsprozesses in das Produkt gelangt sein könnten. Eine Gefahr für die Gesundheit war nicht gegeben.

20 Thunfischprodukte im Test
Thunfisch ist bei den Bundesbürgern äußerst beliebt. Nach Alaska-Seelachs, Hering und Lachs ist er der meistverkaufte Speisefisch in Deutschland. Die Stiftung Warentest hat nun 20 Thunfischprodukte einem Schadstoff-Check unterzogen, darunter Dosenthunfisch in Öl sowie tiefgefrorene Steaks („test“, 9/16). Die Ergebnisse machen nicht gerade Appetit auf den Fisch.

Die Stiftung Warentest hat 20 Thunfischprodukte untersucht und in allen Schadstoffe gefunden. Vor allem die Quecksilberfunde sind erschreckend. (Bild: HandmadePictures/fotolia.com)
Die Stiftung Warentest hat 20 Thunfischprodukte untersucht und in allen Schadstoffe gefunden. Vor allem die Quecksilberfunde sind erschreckend. (Bild: HandmadePictures/fotolia.com)

Kein Produkt erhielt „sehr gut“
„Thunfische schwärmen durch die warmen und gemäßigten Zonen aller Ozeane. Dabei können die Raubfische viel giftiges Quecksilber aus erbeuteten Fischen aufnehmen – es reichert sich erst in Plankton an, dann in planktonfressendem Fisch“, schreiben die Tester auf ihrer Webseite. Und in der Tat wurden sie bei den untersuchten Produkten fündig.

Nicht ein einziges Produkt erhielt das Prädikat „sehr gut“. Der Test zeigte, dass in allen Fischwaren Schadstoffe, vor allem Quecksilber, enthalten waren. „Zu viel Quecksilber kann das Nervensystem schädigen, vor allem bei Ungeborenen“, schreiben die Experten. Fachleute empfehlen daher immer wieder: Schwangere sollten keinen Thunfisch essen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät Schwangeren und Stillenden, „vorsorglich den Verzehr von Thunfisch einzuschränken“.

Quecksilber gehört zu den gefährlichsten Schadstoffen
Quecksilber gehört zu den sechs gefährlichsten Schadstoffen, die im letztjährigen Giftreport der Schweizer Umweltorganisation Green Cross und Organisation Pure Earth aus New York aufgelistet werden. Das Schwermetall kann bei Ungeborenen und Kleinkindern zu Schäden bei der Gehirnausbildung führen.

Und bei Erwachsenen können Vergiftungen mit Quecksilber unter anderem zu Nieren-, Leber- und Nervenschäden führen. Zudem steht das giftige Schwermetall im Verdacht, die Risiken für Herzinfarkt und Alzheimer-Erkrankungen zu erhöhen. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko durch Quecksilber wird angenommen.

Quecksilber-Grenzwerte bei Speisefischen
In der Europäischen Union muss bei großen Raubfischen wie dem Thunfisch ein Grenzwert für Quecksilber von einem Milligramm je Kilogramm eingehalten werden. Andere Fischarten dürfen maximal halb so viel Quecksilber aufweisen. Die Werte sind ohnehin umstritten. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte im vergangenen Jahr die geplante Anhebung der Quecksilber-Grenzwerte bei Thunfisch und Co scharf kritisiert.

Mineralöle aus verunreinigten Speiseölen
Alle 20 Produkte, die von der Stiftung getestet wurden, lagen unter dem Limit. Im Vergleich erhielten die Produkte von Followfisch, Deutsche See und Rewe den größten Anteil Quecksilber, doch laut den Testern könnten selbst Schwangere und Stillende diese und alle anderen Produkte der Testwahl essen.

Die Stiftung Warentest untersuchte den Fisch aber noch auf weitere kritische Schadstoffe und wurde fündig „bei Mineralölen, die aus verunreinigten Speiseölen oder aus dem Verarbeitungsprozess in Produkte gelangen können. Einige Mineralverbindungen können sich dauerhaft im menschlichen Körper anreichern, andere wirken möglicherweise krebserregend“, heißt es in ihrem Bericht.

Auch Bioprodukte belastet
Auch Biofisch ist nicht frei von Belastungen. In „Fontaine“ und „Pan do Mar“ aus dem Biohandel wurden bedenkliche Konzentrationen an Mineralölen gefunden. Die beiden Markenprodukte erhielten lediglich die Note „ausreichend“.

Testsieger wurde die Konserve von Aldi Süd/Armada „Thunfischfilets in Sonnenblumenöl“. Auf dem zweiten Platz landete die Dose der Kaiser’s/Tengelmann-Hausmarke Starmarke Sorte „Thunfisch-Filets in Sonnenblumenöl“. Auf den ersten Platz der Tiefkühlprodukte schaffte es das Thunfischsteak von Edeka. (ad)

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