Stiftung Warentester: Stilles Mineralwasser oft schlechter als Leitungswasser?

Stilles Mineralwasser verspricht eine besondere Qualität, doch ist Leitungswasser den angebotenen Produkten oftmals überlegen.  (Bild: v.poth/fotolia.com)
Fabian Peters
Stiftung Warentest untersucht Qualität von Leitungs- und Mineralwasser
Mineralwasser ist mit Abstand das beliebteste Getränk der Deutschen, weit vor Fruchtsaft, Bier, Cola, Kaffee oder Tee. Immer neue Mineralwasser kommen hier auf den Markt, die mit besonders wertvollen Inhaltsstoffen werben und so ihren mitunter sehr hohen Preis rechtfertigen. Die Stiftung Warentest hat sich daher in einer aktuellen Untersuchung der Qualität der Mineralwässer gewidmet und diese mit der Trinkwasserqualität verglichen. Das Trinkwasser konnte in diesem Vergleich beachtlich punkten.

2015 erreichte der Konsum von Mineralwasser in Deutschland ein neues Rekordhoch. Im Schnitt wurden 147 Liter pro Kopf getrunken,während es im Jahr 1970 noch durchschnittlich 12,5 Liter waren, berichtet die Stiftung Warentest. Am stärksten sei das Segment der stillen Mineralwässer gewachsen, obwohl doch Wasser ohne Kohlensäure auch aus jedem Wasser­hahn zu haben sei, so die Stiftung Warentest weiter. In ihrem aktuellen Test haben die Experten 30 stille Mineralwässer und Trinkwasserproben aus 28 deutschen Städten und Gemeinden untersucht, um einen Qualitätsvergleich zu ermöglichen.

Stilles Mineralwasser verspricht eine besondere Qualität, doch ist Leitungswasser den angebotenen Produkten oftmals überlegen.  (Bild: v.poth/fotolia.com)
Stilles Mineralwasser verspricht eine besondere Qualität, doch ist Leitungswasser den angebotenen Produkten oftmals überlegen. (Bild: v.poth/fotolia.com)

Trinkwasser von hoher Qualität
Erneut hat die Untersuchung der Stiftung Warentest bestätigt, dass die Trinkwasserqualität hierzulande ein hohes Niveau erreicht. „Der Test von Trink­wasser­proben aus ganz Deutsch­land belegt: Leitungs­wasser hat eine gute Qualität“, so die Mitteilung der Stiftung. Hinzu komme der unschlagbar günstige Preis. „Für einen Liter wird inklusive Abwasser­kosten rund ein halber Cent fällig“, berichtet die Stiftung Warentest.. Mit diesem Preis könne Mineral­wasser nicht mithalten: Hier habe das güns­tigste im Test 24 Cent pro Liter gekostet und das teuerste 70 Cent pro Liter. Auch die Schlepperei mit den Flaschen entfalle beim Leitungswasser und die Umwelt profitiere, da Wasser aus dem Hahn nicht abge­füllt, verpackt und trans­portiert werden muss.

Strenger Vorschriften bei Leitungswasser
In Bezug auf die Qualitätsvorgabe sind die Ansprüche an Trinkwasser laut Mitteilung der Stiftung Warentest teilweise deutlich höher als bei Mineralwasser. So seien die Wasser­versorger verpflichtet, ihr Wasser regel­mäßig zu unter­suchen. Bei großen Betrieben erfolge die Untersuchung auf Keimbelastungen sogar mehr­mals täglich.Trinkwasser bilde das „am strengsten kontrollierte Lebens­mittel in Deutsch­land“ und müsse „von so guter Qualität sein, dass jemand es sein Leben lang täglich trinken kann, ohne davon krank zu werden.“ So gelten für Wasser aus der Leitung deutlich mehr Vorschriften als für Mineral­wasser, beispielsweise in Bezug auf die Grenz­werte für Pestizide und Uran, berichtet die Stiftung Warentest.

Leitungswasser in Rinteln mit besonders vielen Mineralstoffen
Die Mineralwässer versprechen oft einen einen besonders hohen Gehalt an Mineralstoffen, doch ist dieser laut Aussage der Tester häuig ein Mythos. Zwar enthielten die Trink­wasserproben im Test durchschnittlich nur rund 380 Milligramm Mineralstoffe pro Liter, während die Mineralwässer auf rund 790 Milligramm kamen. Doch beim Vergleich des besten Leitungswassers mit den Mineralwässern zeigte sich, dass nur wenige Produkte einen höheren Mineralstoffgehalt erreichten. In der Harz­stadt Goslar wurde mit 78 Milligramm pro Liter der geringste Mineralstoffgehalt im Trinkwasser festgestellt, im niedersächsischen Rinteln im Weser­berg­land mit 786 Milligramm pro Liter der höchste.

Hoher Mineralstoffgehalt beim Mineralwasser ein Mythos?
Den Wert des Leitungswassers aus Rinteln konnten in dem Test nur acht der 30 stillen Mineralwässer über­treffen, berichtet die Stiftung Warentest. Den höchsten Wert habe das Mineralwasser „Ensinger Sport“ mit Mit 2.606 Milligramm Mineralstoffen pro Liter erreicht. Das Wasser konnte vor allem mit seinem hohen Gehalt an Magnesium, Kalzium und Sulfat punkten. Andere Mineralwässer schnitten noch schlechter ab, als das Leitungswasser mit dem geringsten Mineralstoffgehalt. Im Test erreichte beispielsweise das Wasser „Black Forest“ mit 57 Milligramm Mineralstoffen pro Liter einen noch geringeren Wert, als die Wasserprobe aus Goslar. Die Mineralstoffe im Mineral­wasser seien in doppelter Hinsicht ein Mythos: „Zum einen, dass sie in hohen Mengen drin sind, zum anderen, dass sie eine wesentliche Mineral­stoff­quelle für den Menschen darstellen“, so die Mitteilung der Stiftung Warentest.

Geringe Belastungen mit Pestizidrückständen
Bezüglich möglicher Belastungen stellten die Tester fest, dass in drei Mineralwässern Rück­stände von Ampa (Amino­methylp­hosphonsäure), einem Haupt­abbau­produkt des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, auftraten. Allerdings könne Ampa auch aus Phosphonaten von Wasch­mitteln entstehen, berichtet die Stiftung Warentest. Rückstände weiterer Pestizide und ihrer Metabolite wurden laut Mitteilung der Stiftung „in rund jeder zweiten Trink­wasser­probe, aber nur in drei Mineralwässern“ gefunden. Alle gemessenen Werte seien so gering, dass sie kein gesundheitliches Risiko darstellen. Auch bei dem Nitrat-Gehalt schnitten die Mineralwässer leicht besser ab, als das Leitungswasser. Ebenso konnten in dem Leitungswasser durchaus Rückstände von Arzneimitteln nachgewiesen werden, wohingegen keines der Mineralwässer solche Spuren von Medikamenten enthielt.

Wasser für Säuglings­nahrung abkochen
Die Qualität des Leitungswassers ist nach Einschätzung der Tester prinzipiell auch ausreichend für die Zubereitung von Baby­nahrung. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, könne jedoch auch Mineral­wasser verwenden, das laut Etikett für die Zubereitung von Säuglings­nahrung geeignet ist. Solche Mineralwässer müssen besonders strenge Anforderungen beispielsweise an den Nitratgehalt erfüllen. Die Stiftung Warentest rät allerdings, auch solches Wasser abzukochen, denn steril seien alle geprüften Wasser­arten nicht. „Zum Schutz vor Keimen empfehlen wir, sie vor der Zubereitung von Baby­nahrung abzu­kochen“, so die Mitteilung der Stiftung. Dies sei auch wichtig für immunschwache Menschen wie Krebs­patienten.

Geschmack ein Argument
Ein Argument, dass möglicherweise für das Mineralwasser sprechen kann, ist der Geschmack. Denn tatsächlich schmeckt Wasser nicht immer gleich und der Geschmack des heimischen Leitungswasser lässt sich nicht ändern. „Wem das Trink­wasser an seinem Wohn­ort nicht schmeckt, der kann es nicht wechseln – das Mineral­wasser schon“, betont die Stiftung Warentest. Auch könne das Mineralwasser mitunter für eine gezielte Versorgung mit bestimmten Mineralstoffen eingesetzt werden. „So kann kalziumreiches Mineral­wasser zum Beispiel laktos­eintolerante Menschen und Milchmuffel mit Kalzium versorgen“ oder Mineralwasser mit viel Sulfat könne Menschen mit Verstopfung helfen, berichtet die Stiftung Warentest. (fp)

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