Stillkommission: Ungestörtes Stillen in der Öffentlichkeit muss stets möglich sein

Bei Weitem nicht alle Frauen empfinden das Stillen in der Öffentlichkeit als Selbstverständlich. (Bild:Vitaliy Hrabar/fotolia.com)
Fabian Peters
Nationale Stillkommission: Ungestörtes Stillen in der Öffentlichkeit sollte kein Problem darstellen
Manche Mütter haben keine Hemmungen, jederzeit ihr Kind zu Stillen, sobald es Hunger hat – egal an welchem Ort. Viele Frauen empfinden jedoch das Stillen in der Öffentlichkeit als Problem, nicht zuletzt aufgrund der Blicke ihrer Mitmenschen. Eine aktuelle Petition fordert daher, „dass das Stillen von Säuglingen und Kleinkindern einen besonderen gesetzlichen Schutz bekommt und dass Stillen überall möglich ist, insbesondere in der Öffentlichkeit.“ Die Nationale Stillkommission hat in einer Pressemitteilung zu der Petition Stellung genommen und unterstützt die Forderung.

Nach Einschätzung der Stillkommission „ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Anteil der stillenden Mütter es nach Möglichkeit vermeidet, öffentlich zu stillen.“ Es sollte ihnen jedoch ohne Probleme möglich sein, auch in der Öffentlichkeit ihre Kinder zu stillen, so die Nationale Stillkommission weiter. Denn Stillen habe viele Vorteile, und Muttermilch bleibe die beste Nahrung für Säuglinge. Daher sollten Maßnahmen entwickelt werden, „mit denen das Stillen in der Öffentlichkeit geschützt sowie die Akzeptanz hierfür in der Öffentlichkeit gestärkt werden können“, fordern die Experten.

Bei Weitem nicht alle Frauen empfinden das Stillen in der Öffentlichkeit als Selbstverständlich. (Bild:Vitaliy Hrabar/fotolia.com)
Bei Weitem nicht alle Frauen empfinden das Stillen in der Öffentlichkeit als Selbstverständlich. (Bild:Vitaliy Hrabar/fotolia.com)

Stillen ist für Babys optimal
Muttermilch ist laut Angaben der Nationalen Stillkommission optimal für die Ernährung von Babys geeignet. „Sie ist gut verdaulich und so zusammengesetzt, dass sie im ersten Lebenshalbjahr alleine und später zusammen mit Beikost den Bedarf an Nährstoffen und Flüssigkeit deckt“, erläutern die Experten. Zudem würden mit der Muttermilch schützende Abwehrstoffe an das Kind weitergegeben, die Infektionskrankheiten verhindern. Gestillte Kinder seien daher seltener krank als nicht gestillte Kinder. Auch für die Mutter bringe das Stillen gesundheitliche Vorteile mit sich. So fördere dies die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt und könne „langfristig zur Verringerung des Risikos von Brust- und Eierstockkrebs beitragen.“ Gleichzeitig werde das Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung gedeckt und die Mutter-Kind-Bindung gefördert.

Negative Reaktionen von Mitmenschen
Darüber hinaus ist Muttermilch immer verfügbar, hygienisch einwandfrei, richtig temperiert und muss nicht zubereitet werden, so die Mitteilung der Stillkommission. Dies erleichtert die Ernährung des Kindes enorm, insbesondere außerhalb der eigenen vier Wände. Doch gilt das nur theoretisch, da viele Mütter es meiden, in der Öffentlichkeit zu stillen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, allerdings meist im Zusammenhang mit möglichen Reaktionen der Mitmenschen zu sehen. Zwar liegen laut Angaben der Nationalen Stillkommission keine wissenschaftlichen Untersuchungen zum Stillen in der Öffentlichkeit in Deutschland vor, doch sei in den Medien wiederholt über negative Reaktionen gegenüber einzelnen Müttern berichtet worden. Die Reaktionen reichten dabei von schiefen Blicken bis hin zum Rauswurf aus Restaurants, berichtet die Stillkommission. Für die Mütter seien solche Situationen beschämend, kränkend, belästigend und/oder auch diskriminierend.

Viele Frauen stillen ungern oder überhaupt nicht in der Öffentichkeit
Eine aktuelle Internet-Umfrage mit 270 Frauen ergab laut Angaben der Stillkommission, dass nur etwa die Hälfte (46 %) der Frauen es als völlig selbstverständlich empfanden, ihr Baby in der Öffentlichkeit anzulegen. Die andere Hälfte tat dies nur, „wenn es unbedingt sein muss“ (42 %) oder „überhaupt nicht“ (13 %), so die Mitteilung der Stillkommission. Hier zeige sich, dass für einen hohen Anteil von Frauen öffentliches Stillen nicht selbstverständlich ist. Dies könne ein Stillhindernis sein, das Mütter möglicherweise davon abhält, ihr Kind entsprechend der geltenden Empfehlung in den ersten 4 bis 6 Monaten ausschließlich zu stillen. Des Weiteren könne die Sorge vor möglichen negativen Reaktionen beim öffentlichen Stillen bei manchen Müttern zu einem zusätzlichen Stressfaktor werden, der unter Umständen zu einer Beeinträchtigung der Milchbildung beitrage.

Rechtlicher Schutz des Stillens erforderlich
Die Stillkommission spricht sich für einen rechtlichen Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit aus, wie er zum Beispiel in den USA heute bereits besteht. Hier könne eine positive Formulierung gewählt werden wie: „Eine Mutter hat das Recht, ihr Kind zu jeder Zeit und an jedem privaten oder öffentlichen Ort zu stillen.“ Alternativ wäre allerdings auch ein gesetzliches Verbot der Diskriminierung von Müttern, die ihr Kind stillen, möglich, wie es beispielsweise in Australien umgesetzt wurde. „Auch wenn ein rechtlicher Schutz nicht das Denken und Fühlen von Menschen ändern kann, die sich stillenden Müttern gegenüber negativ äußern oder verhalten, kann dies den stillenden Frauen mehr Sicherheit geben und ihnen im Fall von Behinderungen und Diskriminierungen auch die Möglichkeit geben, sich juristisch zu wehren“, so die Nationale Stillkommission. Die Experten forderten außerdem eine begleitende Kampagne, um langfristig die allgemeine Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Spezielle Räume einrichten
Da auch in einer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft, in der öffentlich stillende Mütter sich nicht vor negativen Reaktionen fürchten müssen, davon auszugehen sei, „dass sich nicht alle Mütter beim Stillen in der Öffentlichkeit wohl fühlen, beispielsweise weil sie das Stillen als eine sehr intime Situation erleben“, sei außerdem die Einrichtung von speziellen Räumen angebracht, die durch entsprechende Piktogramme gekennzeichnet werden könnten, erläutert die Stillkommission. Beispiele für eine breite Umsetzung und Propagierung dieser Maßnahme seien die Städte Gelsenkirchen und Viechtach. „Solche Räume dürfen jedoch nicht als Argument dienen, um stillende Mütter aus der Öffentlichkeit zu verbannen“, warnen die Experten. Nicht zuletzt sei auch eine Aufnahme des Themas „Stillen“ in die Lehrpläne der Schule zu empfehlen, um hierdurch eine größere Selbstverständlichkeit und Akzeptanz zu schaffen. (fp)

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