Stottern ein weit verbreitetes Phänomen

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Stottern ist ein weit verbreitetes Phänomen: Auch Prominente sind betroffen.
Heute ist „Welttag des Stotterns“. Seit 1998 wird der 22. Oktober jährlich genutzt um über die Sprachstörungen zu informieren, Vorurteile abzubauen und die Betroffenen auf bestehende Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

800.000 Deutsche betroffen
Stottern ist ein relativ verbreitetes Phänomen von dem in Deutschland über 800.000 Menschen betroffen sind. Auch zahlreiche Prominente litten an einer entsprechenden Sprachstörung. Bruce Willis, Hamit Altintop oder Rowan Atkinson alias Mr. Bean, sind nur einige der Namen auf der fast endlos wirkenden Liste prominenter Stotterer. Über die Ursachen für die Sprachstörungen herrscht dabei auch i der Fachwelt bis heute keine Einigkeit. Viele Experten gehen davon aus, dass eine Fehlfunktion in der der Zusammenarbeit der linken und rechten Gehirnhälfte, welche vermutlich genetisch bedingt wird, das Stottern verursacht.

Andere sind hingegen der Auffassung, dass Stottern als Folge organischer Störungen oder Wahrnehmungsstörungen zu betrachten ist. Zudem kann Stottern auch als Folge seelischer und sozialer Probleme auftreten.

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Stottertherapie kann helfen
Während auf der Suche nach den Ursachen bisher keine durchbrechenden Erfolge erzielt wurden, sind nach Angaben der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe jedoch auf dem Gebiet der Therapie einige Erfolge zu verzeichnen. So kann „eine seriöse Stottertherapie (…) bei Kindern und Erwachsenen nachhaltige Erfolge erzielen", erklärte Dr. Matthias Kremer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS). Viele Stotterer haben jedoch Angst vor dem fehlerhaften Sprechen und vor der Reaktion Mitmenschen, was die Ausprägung der Krankheit jedoch verschlimmere. „Um sich vor schiefen Blicken zu schützen bestellt jemand beim Bäcker lieber vier statt der benötigten zwei Brötchen, weil er ‚vier‘ besser aussprechen kann", erläuterte Dr. Kremer das häufige Verhalten der Betroffenen. Andere hingegen vermeiden das Sprechen in der Öffentlichkeit so gut es geht und geraten unweigerlich immer weiter ins soziale Abseits, ergänzte der Experte. Daher steht der diesjährige Welttag auch unter dem Motto "Stotternde redet! Ihr bewegt viel!"

Unsicherheit bei den Zuhörern
Doch nicht nur bei den Betroffenen sondern auch auf Seiten der Zuhörer besteht oft Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit. So sind Zuhörer häufig irritiert durch das krampfhafte Wiederholen von Satzteilen, Wörtern oder Wortteilen bzw. die rasch aufeinander folgende Wiederholung von Lauten. Dabei gelten „im Gespräch mit einem Stotternden (…) die gleichen Regeln, wie für jedes gute Gespräch", erklärte Dr. Kremer. Als die drei wesentlichsten Punkte benennt der Experte dabei:"Unverkrampften Blickkontakt halten, Zeit zum Aussprechen geben und jeden seine Sätze selbst zu Ende bringen lassen. Auch wer stottert weiß genau was er sagen will – er kann es nur nicht flüssig aussprechen". Die vom Zuhörer oft gut gemeinte Vervollständigen von Wörtern und Sätzen sei kontraproduktiv und wirke auf die Stotterer wie eine Bevormundung, betonte Dr. Kremer. So erhöhe sich für die Betroffenen das Gefühl, nicht respektiert zu werden, was die Stottersymptomatik sogar verstärken könne. Auch sollten die Zuhörer davon Abstand nehmen den Stotternden fälschlicherweise Schüchternheit, eine psychische Störung oder mangelnde Intelligenz zu unterstellen.

Kinder und Jugendliche häufig betroffen
Stottern tritt in allen Kulturkreisen und Gesellschaftsschichten auf, wobei junge Menschen weit häufiger betroffen sind als Erwachsene. Während ein bis vier Prozent der Erwachsenen unter den Sprachstörungen leiden, sind es bei Kindern und Jugendlichen vier bis fünf Prozent. Dabei sind Jungen rund viermal häufiger betroffen als Mädchen. Da die bestehenden Therapien bei Kindern jedoch besonders erfolgversprechend sind, sollte mit ihnen dringend ein Logopäde aufgesucht werden. Etwa 80 Prozent der stotternden Kinder legen mit professioneller Hilfe die Sprachstörung bis zum zehnten Lebensjahr wieder ab. (fp, 22.10.2010)