Stottern endet meist mit der Pubertät

Alfred Domke

Bundeskongress stotternder Menschen

06.10.2013

Noch einschließlich des heutigen Sonntags findet in Bielefeld der Bundeskongress stotternder Menschen statt. In verschiedenen Seminaren und Diskussionen sollen Themen wie Akzeptanz, Integration, Migration und Inklusion thematisiert werden.

Stotternde sollten sich nicht verstecken
In Deutschland leben rund 800.000 erwachsene stotternde Menschen. Noch einschließlich des heutigen Sonntags findet unter dem Motto: „Die StottererWelt trifft sich in Bielefeld“ der Bundeskongress der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. statt. Deren Vorsitzender, Professor Martin Sommer hat aus diesem Anlass dazu aufgerufen, offen mit der Behinderung umzugehen. Der Nachrichtenagentur dpa gegenüber sagte er, Stotternde sollten sich nicht verstecken, denn das führe nur zu einer eingeschränkten Lebensqualität. Das Stottern offen anzusprechen könne hilfreich sein, dadurch entfalle der Druck, die Behinderung zu verbergen.

Bei Kindern verschwindet Stottern oft in der Pubertät
In Deutschland ist starkes Stottern als Behinderung anerkannt. Rund fünf Prozent aller Kinder hierzulande haben Phasen, in denen sie stottern. Bis zur Pubertät hört dies jedoch bei drei Viertel der Betroffenen von selbst wieder auf. Annähernd doppelt so viele Jungs wie Mädchen stottern zeitweilig und außerdem legt es sich bei Mädchen häufiger. Daraus ergibt sich auch später das Verhältnis stotternder Männer und Frauen von etwa 4 zu 1. Wenn das Stottern bis zur Pubertät nicht aufhört, verliert es sich danach nur noch in wenigen Fällen.

Ursachen des Stotterns nicht ausreichend erforscht
Bislang sind die Gründe für das Stottern nicht ausreichend erforscht. Es entsteht nach Ansicht von Experten durch Fehler bei der Zusammenarbeit von linker und rechter Gehirnhälfte. Studien haben ergeben, dass das Stottern in 70 Prozent der Fälle genetisch bedingt sei. Stotternde Menschen hätten dreimal häufiger Verwandte, die ebenfalls stottern. Vermutet wird, dass nur eine Veranlagung vererbt wird, also müssten die Nachkommen nicht zwangsläufig stottern. Sommer erklärt: „Der Bereich im Gehirn, der die Zunge ansteuert, ist bei Menschen ohne Sprachstörung aktiver.“ Ganz grundsätzlich erläutert er: „Stottern ist eine Redeflussstörung mit drei Kernsymptomen: Wiederholungen, Dehnungen und Sprechpausen.“

Verschiedene Therapiemöglichkeiten
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Stottern umzugehen. Viele Betroffene wissen in Alltagssituationen, wie sie mit ihrer Sprechstörung umgehen. Treten Stress oder Kummer auf, können viele aber ihr Sprechen nicht mehr kontrollieren. Sprachtherapeuten behandeln die Behinderung manchmal mithilfe von Computerprogrammen, mit denen die Betroffenen Sprechtechniken üben können. Von einer weiteren Methode berichtet Sommer: „Es gibt eine radikale Stottertherapie von Breitenfeld aus Amerika. Die machen sozusagen ein Ankündigen des Stotterns. Die sagen also, wenn sie ein Brot kaufen gehen: „Ich heiße Martin, ich stottere und ich hätte gern ein Brot.“ Er erklärte weiter, dass es paradox sei, dass wenn das Stottern offen auf dem Tisch liege und offen angesprochen worden ist, dann sei der ganze Druck und die ganze Vermeidungstendenz raus. (ad)

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