Streptokokken durch OP: Arzt vor Gericht

Astrid Goldmayer

Arzt aus Fulda steht wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht

24.11.2011

Einem 63 Jahre alten Arzt aus Fulda wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Trotz des schweren Vorwurfs schwieg der Mediziner am Donnerstag im Gerichtssaal. Drei Patienten, die am gleichen Tag von ihm operiert wurden, erlitten eine folgenschwere Streptokokkeninfektion.

Mehr zum Thema:

Hygienemängel im OP
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner vor, trotz schwerwiegender Hygienemängel in seinem OP-Zentrum, die Operationen durchgeführt zu haben. Einige der Geräte und Instrumente sollen verrostet und verschmutzt gewesen seien. Dafür spricht, dass die drei Patienten alle am selben Tag von dem Arzt operiert wurden und kurze Zeit später mit einer schweren Streptokokkeninfektion ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Schwerwiegende Folgen
Einer Patientin musste ein Bein amputiert werden, um sie vor dem Tod zu bewahren, nachdem sie drei Wochen im Koma gelegen hatten. Bei einem anderen Patienten wurde nach der Behandlung im OP-Zentrum des angeklagten Mediziners akutes Nierenversagen diagnostiziert. Alle betroffenen Patienten mussten mehrmals operiert werden – insgesamt wurden 27 Operationen durchgeführt, um das Leben der drei Patienten zu retten. Die Gesundheitsbehörden haben umgehend reagiert und die Praxis geschlossen. Im August 2011 wurde der OP-Saal jedoch wieder freigegeben.

Der Mediziner bestreitet alle Vorwürfe, zeigte sich gegenüber dem Hessischen Rundfunk aber betroffen: „ Es ist erschütternd. Eine Erklärung habe ich nicht." (ag)