Stress im Job: Hunderttausende werfen Pillen ein

Heilpraxisnet

Stress im Job: Hunderttausende werfen Pillen ein

15.04.2015

Die Arbeitsbelastung ist für viele Menschen in Deutschland intensiver geworden. Immer mehr Arbeitnehmer greifen wegen Stress und Leistungsdruck im Job zu verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Medikamente gegen Stress und Leistungsdruck
Derzeit greifen fast 100.000 Baden-Württemberger gegen Stress und Leistungsdruck im Job regelmäßig zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, haben nach einer Studie der Krankenkasse DAK 7,5 Prozent der Erwerbstätigen im Südwesten schon einmal Aufputschmittel eingenommen, um ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz zu erhöhen. DAK-Landeschef Markus Saur teilte bei der Vorlage des DAK-Gesundheitsreports 2015 am Dienstag in Stuttgart mit, dass sich inklusive einer Dunkelziffer ein Wert von bis zu 13,5 Prozent oder 746.000 Arbeitnehmern ergebe. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal.“

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Zahlreiche Nebenwirkungen und Abhängigkeitsgefahr
Saur warnte vor Nebenwirkungen und der Gefahr der Abhängigkeit. Experten zufolge können die verschiedenen „Wachmacher“ oder Antidepressiva Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Angstzustände, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder gefährliche Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen oder Herzstolpern zur Folge haben. „Wer sich immer wieder hochpusht, überfordert sich selbst und entwickelt möglicherweise am Ende eine Erschöpfungsdepression.“ Zudem hätten Antidepressiva keinerlei Nutzen, wenn keine Depression vorliege. Dem Bericht zufolge werden neben Wachmachern, Antidepressiva und Betablockern auch häufig ADHS-Pillen eingenommen. Bei vielen Medikamenten besteht eine Abhängigkeitsgefahr und bei manchen steigt anfangs sogar das Suizidrisiko. Entgegen landläufiger Meinung haben Erwerbstätige mit einfachen Jobs und einem unsicheren Arbeitsplatz der DAK zufolge ein erhöhtes Dopingrisiko – und nicht die Topmanager.

Pillen vom Arzt oder Bekannten
Grundlage der Studie waren Daten von rund 320.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten, wobei die Ergebnisse auf alle Arbeitnehmer in Baden-Württemberg hochgerechnet wurden. Außerdem wurden bundesweit über 5.000 Beschäftigte zwischen 20 und 50 Jahren befragt, davon 670 im Südwesten. Auch auf ganz Deutschland bezogen hatte der DAK-Gesundheitsreport gezeigt, dass immer mehr Doping im Job stattfindet. Laut dem Report werden zum Hirndoping am häufigsten (60,6 Prozent) Medikamente gegen Angst, Nervosität und innere Unruhe missbraucht. 34 Prozent der Arbeitnehmer schlucken Mittel gegen Depressionen. Den Angaben zufolge bekommt mehr als jeder Zweite die Tabletten von seinem Arzt, jeder Siebte von Bekannten und Familienangehörigen und jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet. (ad)

>Bild: I-vista / pixelio.de