Stress mindert die Selbstkontrolle

Sebastian
Starker Stress kann unsere Entscheidungsfähigkeit mindern. Nun zeigen Wissenschaftler, dass bereits moderater Stress ausreicht, um unsere Selbstkontrolle herabzusetzen. Die Studie liefert wichtige Hinweise, wie Stress unser Gehirn bei der Entscheidungsfindung beeinflusst.

Selbstverletzendes Verhalten bei Impulsstörungen. Bild: Jürgen Fälchle - fotolia
Bild: Jürgen Fälchle – fotolia

In der Studie wurden 29 Probanden im Labor einer Behandlung unterzogen, die moderaten Stress erzeugt: Sie mussten eine Hand drei Minuten lang in Eiswasser tauchen. Nach dieser Behandlung wählten die Probanden im MRT-Scanner in einer Reihe von Entscheidungen zwischen jeweils zwei Speisen aus. Weitere 22 Probanden wurden einer Kontroll-Behandlung unterzogen. Bei der Auswahl der Speisen standen alle Studien-Teilnehmer vor der Wahl, etwas Schmackhaftes, aber Ungesundes zu essen, oder etwas, das zwar gesund, aber weniger schmackhaft war.

Es zeigte sich, dass jene Personen mit der stressreichen Eisbadbehandlung mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine ungesunde Speise auswählten als jene Probanden ohne Eisbadbehandlung. Die Auswirkungen des Stress’ konnten auch im Gehirn mithilfe von funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (FMRT) belegt werden.

Zwischen den Hirnregionen, die für die Ausübung von Selbstkontrolle wichtig sind – wie dem Mandelkern, dem Striatum und dem für die Entscheidungsfindung wichtigen dorsolateralen und ventromedialen präfrontalen Kortex – zeigten sich bei den gestressten Teilnehmern veränderte neuronale Verbindungsmuster. Das üblicherweise mit Stress in Verbindung gebrachte Hormon Cortisol spielte jedoch nur für einige dieser neuronalen Veränderungen eine Rolle. (pm)