Stress wirkt unmittelbar aufs Gehirn

Fabian Peters

Forscher der Universität entdeckten direkte Wirkung des Stresshormons Kortisol

24.01.2012

Stress wirkt offenbar deutlich schneller auf die Informationsverarbeitung im Gehirn als bisher angenommen. Wissenschaftler der Universität Trier haben eine Wirkung des Stresshormons Kortisol auf den Thalamus entdeckt, die unmittelbare nach dem Stress einsetzt.

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Bisher galt die Annahme, dass die Wirkung des Kortisols erst 20 Minuten nach dem Stress auftritt. Doch das Stresshormon wirkt deutlich schneller als erwartet, berichten die Forscher um den Psychobiologen Prof. Dr. Hartmut Schächinger von der Universität Trier. Damit könnte sich Stress „beim Menschen weitaus umfassender auf die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung auswirken als bisher angenommen“, so die Mitteilung der Universität Trier am Dienstag.

Stresshormon mit unmittelbarem Einfluss auf die kognitive Verarbeitung
In Zusammenarbeit mit dem Brüderkrankenhaus Trier ist den Forschern der Universität Trier erstmals der Nachweis „einer raschen Wirkung des Stresshormons Kortisol auf den Thalamus gelungen“, erklärte Prof. Dr. Hartmut Schächinger. Der Thalamus ist für viele kognitive Prozesse wie die Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung zuständig, so dass sich auch eine unmittelbare Wirkung des Stress auf diese kognitiven Prozesse erwarten lässt. Das psychobiologische Phänomen Stress wird von verschiedenen physiologischen und kognitiven Reaktionen begleitet, wobei bisher zwar bekannt war, dass durch eine Stressreaktion innerhalb von Minuten Kortisol in den Blutkreislauf ausgeschüttet wird, doch die Annahme vorherrschte, diese Ausschüttung wirke nur relativ langsam im Gehirn. So kamen frühere Studien zu dem Ergebnis, dass die durch „Kortisol ausgelösten molekularbiologischen Prozesse frühestens nach 20 Minuten zu spezifischen Funktionsänderungen der Zellen führen können“, erklärten die Forscher der Universität Trier. Daher galt ein Einfluss des Stresshormons Kortisol auf die unmittelbare kognitive Verarbeitung des Stress auslösenden Ereignisses als ausgeschlossen.

Kortisol verursacht binnen Minuten Funktionsänderungen im Gehirn
Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Hartmut Schächinger fanden nun jedoch heraus, dass Kortisol schon innerhalb weniger Minuten Funktionsveränderungen im Gehirn auslöst. Dies habe Einfluss auf die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit der Menschen. In mehreren unabhängigen Untersuchungen konnte belegt werden, dass Kortisol binnen Minuten Funktionsänderungen im Thalamus hervorruft, wodurch der Stress erheblich schneller auf die Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn wirke, als bisher angenommen, erklärten die Psychobiologen der Universität Trier. Der Thalamus habe einen wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung fast aller Wahrnehmungen und bestimme auch die Regulation von Wachheit und Aufmerksamkeit, erläuterten die Forscher. So werde durch die Wirkung des Kortisols eine vorteilhafte Anpassung des Individuums an die Stresssituation begünstigt. Dabei habe das Stresshormon sehr wohl einen unmittelbaren „Einfluss auf die kognitive Verarbeitung des Stress auslösenden Ereignisses“, betonten die Trierer Wissenschaftler. (fp)