Studie: ADHS auch bei jungen Männern

Sebastian

Auch junge Männer leiden an Aufmerksamkeitsstörung

05.03.2014

Eine neue Studie zeigt, dass junge Männer mit Depressionen, gestörtem Sozialverhalten oder übermässigem Alkoholkonsum oft an einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Demnach sei diese Störung bei Erwachsenen beinahe so häufig wie bei Kindern und Jugendlichen.

ADHS bei Erwachsenen fast so häufig wie bei Kindern
Eine neue Studie habe gezeigt, dass junge Männer mit einer Depression, gestörtem Sozialverhalten oder übermässigem Alkoholkonsum oft an einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Demnach seien in der Schweiz vier von 100 Männern davon betroffen. Wie es in der Studie der Uni Zürich und der Unispitäler Zürich sowie Lausanne heißt, sei damit ADHS bei Erwachsenen beinahe so häufig wie bei Kindern und Jugendlichen. In der Schweiz leiden rund sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen an dieser Störung.

Bei Erwachsenen nur wenig erforscht
Bei ADHS, umgangssprachlich auch Zappelphilipp-Syndrom genannt, kommt es bei den Betroffenen zu verminderter Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Da Experten lange davon ausgingen, dass die Störung nur Kinder und Jugendliche betrifft, sei die Erkrankung bei Erwachsenen nur wenig erforscht. Das Team um Natalia Estévez vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich hat nun einen wichtigen Beitrag für diese Forschung geleistet. Sie haben in einer repräsentativen Studie 5.656 junge Männer mit einem speziellen Fragenkatalog auf ihre ADHS-Symptome befragt.

Geringer Bildungsstand der Eltern ist ein Risikofaktor
Es zeigte sich dabei, dass eine beträchtliche Zahl der an ADHS leidenden Männer zudem psychische Störungen wie starke Depressionen, gestörtes Sozialverhalten und Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit aufwies. Die Forscher schreiben im Fachblatt „PLOS ONE“: „Unsere Resultate beleuchten die erheblichen psychischen Beeinträchtigungen, an denen junge Männer mit ADHS leiden können.“ Eine Rolle spiele auch die Familiengeschichte. So würde das Auftreten von ADHS begünstigt, wenn schon die Eltern an Alkohol- oder psychischen Problemen gelitten haben. Auch ein geringer Bildungsstand der Eltern sei ein Risikofaktor. Wie die Wissenschaftler mutmaßen, könnten bereits die Eltern der Betroffenen an ADHS gelitten haben, denn dies Störung sei ein häufiger Grund für schulische Probleme.

ADHS häufiger bei französischsprachigen Männern
Dir Auswertung der Fragebögen ergab zudem, dass Männer über 20 Jahren häufiger ADHS-Symptome angaben als jüngere. Laut den Forschern könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Älteren diese eher wahrnehmen, da sie zunehmend Schwierigkeiten im Alltag bereiten. Es zeigte sich ferner, dass auch unter den französischsprachigen Männern ADHS häufiger war, was auf kulturelle Hinweis hindeute.

ADHS bei Erwachsenen eine schwerwiegende Krankheit
Wie der Freiburger Psychiater Christophe Kaufmann vor einiger Zeit in der „Schweizerischen Ärztezeitung“ schrieb, heilt ADHS nur bei einem geringen Teil der Betroffenen vor dem Erwachsenenalter vollständig aus. Oft hätten unbehandelte ADHS-Patienten massive Probleme im Arbeitsalltag, bei Beziehungen und sie lebten oft gefährlich und ungesund. „ADHS bei Erwachsenen ist eine schwerwiegende Krankheit“, so der Experte.

Bei Jungen häufiger als bei Mädchen
In Deutschland leiden etwa eine halbe Million Kinder und Jugendliche unter ADHS. Die Zahl der Diagnosen habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und so gehen Schätzungen davon aus, dass bundesweit etwa zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen sein könnten. Die psychische Störung komme bei Jungen etwa drei- bis viermal häufiger vor als bei Mädchen. Im vergangenen Jahr berichtete die Techniker Krankenkasse (TK), dass auch die Anzahl der jungen Erwachsen, die wegen ADHS medikamentös behandelt wurden, deutlich angestiegen war. So sei deren Zahl zwischen 2011 und 2012 um zwölf Prozent gestiegen. (sb)

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