Studie: Alternative Krebsmedizin bedingt doppeltes Sterberisiko

Dr. Utz Anhalt
Studie: Kürzeres Leben mit alternativer Krebstherapie
Eine amerikanische Studie kommt zu dem Ergebnis: Krebspatienten, die sich mit Alternativmedizin behandeln lassen, sterben zu jedem markierten Zeitpunkt in den nächsten Jahren durchschnittlich doppelt so häufig wie bei konventioneller Behandlung. Bei Brust- oder Darmkrebs liegt die Todesrate der „alternativ“ Behandelten sogar noch höher.

Konventionelle Therapie
Eine konventionelle Therapie wäre, abhängig vom Verlauf und Stadium des Krebses eine Chemotherapie, eine Bestrahlung, eine Operation oder Hormontherapie.

Meist bilden sich die Tumore bei Darmkrebs im Dickdarm und nur sehr selten ist der Dünndarm betroffen. Die Todesrate bei alternativ Therapierten liegt wesentlich höher als bei konventionellen Behandlungen (Bild: Henrie/fotolia.com)

Alternativmedizin
Unter Alternativmedizin laufen diverse Methoden, die sich oft gegen die etablierte Medizin richten und für die in der Regel kein Wirkungsnachweis vorliegt. Darunter fallen zum Beispiel Homöopathie, Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin oder sogar Aprikosenkerntherapie, Reiki, Hilfe durch Engel oder Geister.

Längeres Leben mit konventionellen Therapien
Eine Studie der Yale-Universität in New Haven Connecticut ergab jetzt: Wer sich einer konventionellen Therapie unterzieht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit länger leben als Patienten, die auf alternative Behandlungen setzen.

Wo wurde die Studie veröffentlicht?
Die Wissenschaftler Skyler B. Johnson, Henry S. Park, Cary P. Gross, James B. Yu veröffentlichten ihre Studie „Use of Alternative Medicine for Cancer and Its Impact on Survival“ im „Journal of the National Cancer Institute“ im August 2017, nachlesbar unter https://news.yale.edu/2017/08/10/using-only-alternative-medicine-cancer-linked-lower-survival-rate

Wie gingen die Forscher vor?
Die Wissenschaftler suchten im amerikanischen Krebsregister nach Patienten mit Darm-, Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs. Das sind die häufigsten Krebsarten. Dann nahmen sie die unter die Lupe, die sich einer „unerprobten Krebstherapie unterzogen haben, die von nicht-medizinischem Personal durchgeführt wurde“.

Vergleich
Sie fanden 281 Fälle und verglichen diese mit Patienten, die bei weitgehend gleicher Diagnose und vergleichbaren Bedingungen wie Alter, Geschlecht oder Einkommen eine konventionelle Therapie hinter sich hatten.

Wer wurde nicht bewertet?
Aus der Untersuchung fielen Patienten, deren Krebs zu Beginn der Behandlung bereits Metastasen gebildet hatte, im Endstadium war oder deren Datenlage unklar blieb.

Eindeutige Ergebnisse
Die Ergebnisse waren eindeutig. Norbert Aust om Informationsnetzwerk Homöopathie schreibt: „Zu jedem Zeitpunkt ist die Anzahl der Todesfälle unter der Alternativtherapie etwa doppelt so hoch wie bei den konventionell behandelten Menschen. Nach sieben Jahren waren unter der Alternativtherapie etwa die Hälfte der Patienten gestorben, unter der konventionellen Therapie nur gut ein Viertel.“

Bei bestimmten Krebsarten sind die Unterschiede enorm
Bei Brustkrebs war das Sterberisiko bei einer Behandlung mit Alternativmedizin fünfmal, und bei Darmkrebs viermal so hoch wie bei konventionellen Methoden.

Lungen- und Darmkrebs
41 Prozent der Lungenkrebs-Patienten überlebten die folgenden fünf Jahre mit konventionellen Therapien; bei Patienten, die Alternativmedizin nutzten, waren es 20 %. Darmkrebspatienten überlebten die ersten 5 Jahre mit konventionellen Methoden zu 79 %, mit Alternativmedizin lediglich zu 33 %.

Zu früher Tod
Norbert Aust kommt zu dem Schluss: „Das Vertrauen auf Alternativmedizin hat hier bei 67 von 280 Menschen einen zu frühen Tod verursacht! Dabei wurde nicht notwendigerweise der Krankheitsverlauf negativ beeinflusst – aber weil den Patienten vorgegaukelt wurde, es gäbe eine wirkungsvolle Alternativmedizin, haben sie die offensichtlich wirkungsvollere konventionelle Behandlung nicht wahrgenommen.“

Weitergedacht
In die Zukunft übertragen, würde das laut Norbert Aust bedeuten: 13 Jahre nach Beginn der Therapie wären alle Patienten, die Alternativmedizin den Vorzug gaben, gestorben, während die Hälfte der konventionell Behandelten am Leben wäre.

Unterschiedliche Methoden?
Die Wissenschaftler unterschieden zwar nicht zwischen den einzelnen Alternativtherapien, diese Verfahren glichen sich aber alle insofern, dass kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.

Was folgt?
Norbert Aust nennt als Faustregel: „Wer sich als Krebskranker auf die Alternativmedizin verlässt, hat weniger Chancen, die nächsten fünf Jahre zu überleben. Und zwar liegen diese Chancen um das 2,5-Fache tiefer.“ (Dr. Utz Anhalt)