Studie: Augenschäden durch Aspirin

Fabian Peters

Regelmäßige Aspirin-Einnahme kann den Augen schaden

22.01.2013

Die regelmäßige Einnahme von Aspirin über einen längeren Zeitraum kann zu Schäden am Auge führen. Wissenschaftler der University of Sydney haben im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ eine Studie veröffentlicht, die das Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration durch die Einnahme von Aspirin untersucht. Die Augenerkrankung bedingt einem Verlust der Netzhaut-Funktion, der zur Abnahme der Sehschärfe und letztlich zum Erblinden führen kann.

Die Wissenschaftler um Gerald Liew von der Universität Sydney haben in ihrer „prospektiven Analyse“ die Daten einer bevölkerungsbasierten australischen Kohortenstudie ausgewertet, um möglichen Zusammenhängen zwischen der Aspirin-Einnahme und dem Auftreten von Augenerkrankungen auf die Spur zu kommen. Die Ausgangsstudie ging über einen Zeitraum von 15 Jahren und umfasste vier Zwischenuntersuchungen, bei denen auch die Augen überprüft wurden. Zu Studienbeginn füllten die Teilnehmer einen detaillierten Fragebogen aus, der auch die Aspirin-Einnahme, den Status vorliegender Herz-Kreislauferkrankungen und andere Risikofaktoren einer altersbedingten Makuladegeneration erfasste. Das Ergebnis ist beunruhigend: Die regelmäßige Einnahme des Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) über einen langen Zeitraum geht mit einem deutlich erhöhten Risiko der Augenerkrankung einher.

Erhöhtes Risiko einer Makuladegeneration durch Aspirin
Insgesamt werteten die Forscher im Rahmen ihrer Studie zu den Auswirkungen der Aspirin-Einnahme auf die Augen die Daten von 2.389 Patienten aus. 257 Probanden (10,8 Prozent der Stichprobe) nahmen laut Aussage der Wissenschaftler im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine" über einen längeren Zeitraum regelmäßige Aspirin (mindestens einmal pro Woche) ein. Von ihnen entwickelte knapp jeder Vierte (63 Probanden) eine neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration (feuchte Makuladegeneration). Nach Bereinigung der Daten um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, kardiovaskuläre Erkrankungen, den systolischen Blutdruck und den Body-Mass-Index, lag das Risiko einer feuchten altersbedingten Makuladegeneration bei den regelmäßigen Aspirin-Nutzern in dem 15-jährigen Untersuchungszeitraum bei 9,3 Prozent. Von den Probanden, die auf Aspirin verzichteten, erkrankten indes lediglich 3,7 Prozent, berichten die australischen Forscher. Die „regelmäßige Aspirin-Einnahme ist mit einem deutlich erhöhten Risiko altersbedingter Makuladegeneration verbunden, unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder dem Rauchen, so das Fazit von Liew und Kollegen.

Weitreichende Bedeutung für den Praxisalltag
Die Ergebnisse des australischen Forscherteams haben im Praxisalltag einen durchaus weitreichenden Effekt, da viele Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. Arterienverkalkung oder koronare Herzkrankheit) den Aspirin-Wirkstoff erhalten. Denn dieser hat einen blutverdünnende Wirkung, kann so Gefäßverschlüssen (Thromben) vorbeugen und letztlich auch das Herzinfarkt-Risiko reduzieren. In mehreren Studien wurden allerdings bereits erhebliche Risiken der regelmäßigen Einnahme des Aspirin-Wirkstoffs festgestellt, so dass die Verschreibung bei Herzpatienten heute sehr viel kritischer bewertet wird, als noch vor einigen Jahren. Dennoch beurteilen die australischen Forscher das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei bestimmten Patienten durchaus positiv. Dies gelte jedoch nicht für alle Herzpatienten. Hier sollte nach Ansicht von Liew und Kollegen künftig eine Differenzierung erfolgen und bei lediglich geringer beziehungsweise nicht eindeutig belegter vorbeugender Wirkung des Aspirins sowie einem hohen individuellen Risiko für feuchte Makuladegeneration unter Umständen auf die vorbeugende Aspirin-Einnahme verzichtet werden. (fp)

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