Studie: Bauchfett erhöht bei älteren Frauen das Krebs-Risiko

Alexander Stindt
Wirkt es sich auf das Krebsrisiko aus, wenn Frauen besonders viel Bauchfett haben?
Ein zu hohes Körpergewicht kann negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und die Entwicklung von Krebs haben. Forscher fanden jetzt heraus, dass es für das Krebsrisiko von postmenopausalen Frauen wichtiger ist, wo sich das Körperfett angesammelt hat, verglichen mit den Auswirkungen von einem generell erhöhten Körpergewicht.

Die Wissenschaftler von Nordic Bioscience stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Körperfettverteilung mehr Einfluss auf das Krebsrisiko von postmenopausalen Frauen hat, als da Körpergewicht an sich. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie, welche beim ESMO 2017 Kongress in Madrid vorgestellt wurden.

Wenn Frauen besonders viel Fett am Bauch ansammeln, kann dies zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von einige Krebsarten beitragen. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Die Verteilung der Fettmasse spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Krebs
Die Erkenntnis sollte einen großen Einfluss auf das Gewichtsmanagement von postmenopausalen Frauen haben, welche anfällig für eine Gewichtszunahme am Bauch sind, erläutert Autorin Linie Mærsk Staunstrup von Nordic Bioscience. Bei der Beurteilung des Krebsrisikos seien Messungen des Body-Mass-Index (BMI) und des im Körper enthaltene Prozentsatzes von Fett möglicherweise nicht die angemessenen Maßnahmen, weil sie nicht die Verteilung der Fettmasse berücksichtigen.

Mediziner untersuchen für ihre Studie 5.855 Frauen
Die aktuelle Untersuchung umfasste insgesamt 5.855 Frauen, welche ein durchschnittliches Alter von 71 Jahren aufwiesen. Die Experten verwendeten eine Methode mit der Bezeichnung Dual Energy X-ray Absorptiometry (DXA), um Körperfett und Körperfettzusammensetzung der Teilnehmerinnen zu beurteilen. Die Frauen wurden danach über einen Zeitraum von 12 Jahren weiter medizinisch überwacht. Durch die Verwendung von Informationen aus nationalen Krebsregistern stellten die Experten fest, dass das Verhältnis von Bauchfett zu peripherem Fett ein signifikanter unabhängiger Prädiktor für die Krebsdiagnose ist. Weder der BMI noch der Fettanteil waren hierbei von großer Bedeutung, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Welche Arten von Krebs traten besonders häufig während der Untersuchung auf?
Es wurden 811 Fälle von Krebs bei den weiblichen Probanden festgestellt. Es gab 293 Fälle von Brust-und Eierstockkrebs, 345 Fälle von Lungenkrebs und Magen-Darm-Krebs und noch 173 andere Krebsarten. Die Mediziner stellten außerdem fest, dass nur Lungen- und Magen-Darm-Krebs mit hohen abdominalen und peripheren Fettverhältnissen assoziiert waren.

Welche Faktoren erhöhen das Krebsrisiko?
Zusätzliche Risikofaktoren für Krebs waren ein gehobenes Alter, eine Hormonersatztherapie und Rauchen. Aber auch nach der Berücksichtigung dieser Risikofaktoren blieb das Fettverhältnis ein unabhängiger Risikofaktor. Für die meisten älteren Frauen könnten diese Informationen sehr wichtig sein, weil die Menopause eine Verschiebung des Körperfetts in Richtung des zentralen Bereichs einleitet, berichten die Wissenschaftler. Deshalb sollten ältere Frauen besonders auf ihren Lebensstil achten, wenn sie sich dem Alter vor der Menopause nähern, erklärt Autorin Mærsk Staunstrup weiter.

In vielen Krankenhäusern gibt es DXA-Scanner
Mediziner können die Informationen außerdem für eine präventive Konversation mit Frauen verwenden, welche ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen. In den meisten Krankenhäusern sind tragbare DXA-Scanner verfügbar, mit denen eine regionale Knochen- und Fettabtastungen möglich ist.

Welche Auswirkungen hat Insulin auf das Krebsrisiko?
Während Fettleibigkeit zuvor schon mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden wurde, ist die Verbindung zu Lungenkrebs neu und überraschend, sagen die Wissenschaftler. Eine Erhöhungen des Insulins, welche sich durch den Konsum von einfachen Kohlenhydraten wie Kartoffeln, Weizen, Reis und Mais ergibt, führe zu einer Fettansammlung, die speziell viszeral und abdominal ist, erklären die Experten weiter. Zudem habe das Insulin nachteilige Auswirkungen auf die Hormonproduktion und die Zellen im Fettgewebe führen zu einer chronischen Entzündung im ganzen Körper, was ein weiterer Risikofaktor für mehrere Krebsarten ist.

Die Daten der neuen Untersuchung geben Medizinern die Möglichkeit eine Reihe von Interventionen bei übergewichtigen Patienten zu entwickeln. Neben dem Fettabbau durch Ernährung und Bewegung könnten auch Diabetes-Medikamente (beispielsweise Metformin) die Insulin-Effekte senken und so zur Prävention von Krebs beitragen. (as)