Studie belegt: Schmerzmittel-Einnahme führt zu Übergewicht

Alexander Stindt

Mediziner untersuchen die Auswirkungen der Einnahme von Schmerzmitteln

Von einer regelmäßigen Verwendung von häufig verschriebenen Schmerzmitteln wird generell abgeraten. Diese führen beispielsweise zu Magenbeschwerden, können aber auch weitaus gefährlichere Nebenwirkungen wie einen Herzinfarkt hervorrufen. Forscher fanden jetzt heraus, dass die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln auch das Risiko der Entwicklung von Fettleibigkeit verdoppeln kann. Außerdem führt die Nutzung zu Schlafproblemen.

Die Wissenschaftler der Newcastle University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass eine häufige Einnahme von Schmerzmitteln das Risiko an Fettleibigkeit zu erkranken verdoppelt. Zusätzlich führt die Verwendung auch zu einem generell schlechteren Schlaf. Die Experten veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Der Missbrauch von Schmerzmitteln bringt große Gefahren mit sich. Forscher fanden heraus, dass die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln auch das Risiko für die Entstehung von Fettleibigkeit verdoppelt. (Bild: Rido/fotolia.com)

Verschreibung von Opioiden und einigen Antidepressiva hat sich stark erhöht

In den letzten zehn Jahren ist die Verschreibung von Medikamenten wie Opioiden und einigen Antidepressiva zur Behandlung chronischer Schmerzen stark angestiegen. Die Wissenschaftler haben bei ihrer Untersuchung die schwerwiegenden Auswirkungen dieser Medikamente aufgezeigt und unterstrichen damit die Notwendigkeit, dass die Verwendung solcher Schmerzmittel unbedingt reduziert werden muss.

Experten analysierten die Daten von mehr als 133.000 Probanden

Bei ihrer Studie konnten die Mediziner feststellen, dass zur Behandlung von Schmerzen eingesetzte Medikamente, wie beispielsweise Gabapentinoide und Opiate das Risiko für die Entstehung von Fettleibigkeit verdoppeln. Zusätzlich wirkt sich die Einnahme negativ auf unseren Schlaf aus. In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler die Wechselbeziehung zwischen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei mehr als 133.000 Probanden, deren Daten in der sogenannten UK Biobank vorlagen.

Mediziner maßen BMI, Taillenumfang und den Blutdruck

Die Experten verglichen den Body Mass Index (BMI), den Taillenumfang und den Blutdruck von regelmäßig Schmerzmittel gegen chronische, nicht-krebsbedingte Schmerzen und kardiometabolischen Medikamenten einnehmenden Menschen mit den Daten von Personen, welche nur Schmerzmittel für eine kardio-metabolische Behandlung einnahmen. Ein solche Behandlung erhalten beispielsweise Menschen mit Migräne, diabetischer Neuropathie und chronischen Rückenschmerzen, erklären die Forscher.

Verschreibungen von Opiaten haben sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt

Im Jahr 2016 wurden alleine in Großbritannien 24 Millionen Opiate verschrieben, genau doppelt so viel wie im Jahr 2006. Vor zwei Jahren wurden dann schon bereits 11.000 Patienten wegen einer Opiatüberdosis ins Krankenhaus eingewiesen, sagen die Wissenschaftler.

Chronische Schmerzmittel sollten nur für kürzere Zeiträume verschrieben werden

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 95 Prozent der Opiate und kardiometabolische Medikamente einnehmende Menschen an Fettleibigkeit leiden. 82 Prozent hatten einen sehr hohen Taillenumfang und 63 Prozent der Betroffenen litten unter Bluthochdruck, im Gegensatz zu Teilnehmern, die ausschließlich Herz-Kreislauf-Medikamente erhielten. Die Ergebnisse legen nahe, dass chronische Schmerzmittel für kürzere Zeiträume verschrieben werden sollten, um so ernsthafte gesundheitliche Komplikationen zu begrenzen.

Wenn Menschen Opiate nehmen, leidet die Gesundheit

„Dies ist die größte Studie, die sich mit den Verbindungen zwischen häufig verschriebenen Schmerzmitteln und der kardio-metabolischen Gesundheit befasst. Wir wussten bereits, dass Opiate zur Abhängigkeit führen, aber die Studie fand auch heraus, dass Opiate einnehmende Menschen unter einer sehr schlechten Gesundheit leiden. Die Raten von Adipositas sind viel höher und Patienten berichten über einen schlechten Schlaf“, erklärt Sophie Cassidy von der Newcastle University in der Pressemitteilung.

Langzeitanwendung von Opioiden kann zur Sucht führen

Opioide gehören zu den gefährlichsten verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln, da sie süchtig machen, was zu Missbrauch führen kann, sagen die Forscher. Dann können Patienten eine kontinuierliche Einnahme dieser Medikamente benötigen, um sich normal zu fühlen und Entzugssymptome zu vermeiden. Die Langzeitanwendung solcher Medikamente ist umstritten, weil diese Schlafstörungen, eine Sedierung am Tage und versehentliche Überdosierungen verursachen können. (as)