Studie: Bestimmte Killerzellen verursachen das erhöhten Diabetes-Risiko bei Übergewicht

Fabian Peters
Spezielle Killerzellen erhöhen bei Übergewicht das Risiko für Diabetes
Übergewicht wirkt auf vielen Wegen negativ auf die menschliche Gesundheit. In Bezug auf das Diabetes-Risiko stellten Wissenschaftler der Uniklinik Köln und des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung nun fest, dass eine spezielle Untergruppe von Immunzellen bei übergewichtigen Patienten zu einem deutlich erhöhten Risiko für Typ-2 Diabetes führt.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sind laut Aussage der Wissenschaftler übergewichtig und dies führe unter anderem dazu, „dass das Immunsystem chronisch aktiviert und damit gestresst wird.“ Da Forscherteam um Prof. Dr. Jens C. Brüning von der Uniklinik Köln hat in seiner aktuellen Studie untersucht, wie das Immunsystem auf Fettleibigkeit reagiert und wie Folgeerkrankungen entstehen. Dabei entdeckten sie bei übergewichtigen Patienten eine Untergruppe von Natürlichen Killer (NK)-Zellen des Immunsystems, welche das Risiko für Typ-2 Diabetes erhöht. Ihre Studienergebnisse haben die Forscher in dem renommierten Wissenschaftsjournal „Cell Metabolism“ veröffentlicht.

Bei Übergewicht ist das Immunsystem dauerhaft aktiviert, was zu einer erhöhten Insulinrestenz und ggf. zu Diabetes führt. (Bild: andriano_cz/fotolia.com)

Übergewicht aktiviert dauerhaft das Immunsystem
Infolge der zunehmenden Zahl übergewichtiger Menschen gibt es immer mehr Diabetes- und Schlaganfall-Patienten, berichten die Forscher. Hinzu komme, dass auch das Risiko für Krebserkrankungen wächst, da Übergewicht unter anderem das Immunsystem dauerhaft aktiviere. Dies zeige sich in der verstärken Expression einer speziellen Untergruppe von NK-Zellen bei übergewichtigen Menschen. Normalerweise seien NK Zellen dafür zuständig, virusbefallene oder bösartige Zellen zu bekämpfen.

Bestimmte Killerzellen führen zu erhöhter Insulinresistenz
Im Mausmodell stellten die Wissenschaftler fest, dass bei übergewichtigen Mäusen in einer kleinen Untergruppe von NK-Zellen andere Gene aktiv sind, als bei Tieren mit Normalgewicht, so die Mitteilung der Uniklinik Köln. Diese Adipositas-assoziierte NK-Zelluntergruppe ist laut Aussage der Forscher an der Regulation des Immunsystems beteiligt und verstärkt offenbar dessen chronische Aktivität. Dies führe wiederum zu einer erhöhten Insulinresistenz – der Vorstufe von Typ-2-Diabetes. Anhand menschlicher Blutproben konnten die Forscher zeigen, dass sich die Zusammensetzung der NK-Zellen auch bei schlanken und adipösen Menschen unterscheidet.

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Radikale Diäten verringern das Risiko
Die Wissenschaftler berichten, dass in Blutproben von fettleibigen Patienten die Killerzellen ein ähnliches Genexpressionsprofil aufweisen wie in fettleibigen Mäusen. Zudem habe sich die Anzahl der veränderten Killerzellen und das Risiko für Diabetes verringert, wenn sich die Adipositas-Patienten einer radikalen Diät unterzogen, bei der sie merklich abnahmen, berichtet Priv.-Doz. Dr. Sebastian Theurich, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung und Hämato-Onkologe an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln. „Heißt, die Anzahl dieser speziellen NK-Zelluntergruppe steht in einem Zusammenhang mit Übergewicht und chronischer Inflammation“, so Theurich weiter.

Ansatz für neue Behandlungsmethoden
Den Angaben der Forscher zufolge könnte die entdeckte Untergruppe von NK-Zellen auch „einen Angriffspunkt für neue Therapiemöglichkeiten darstellen, wenn es gelingt, diese Zellen gezielt auszuschalten.“ Im Mausmodell habe sich das Risiko für Diabetes deutlich reduziert, wenn die Tiere genetisch so manipuliert wurden, dass die Untergruppe der veränderten Killerzellen bei fettreicher Ernährung nicht mehr entstehen konnte. „Ohne diese speziellen Killerzellen nahmen die Mäuse trotz fettreichen Futters nicht weiter zu und entwickelten keine Insulinresistenz“, berichtet die Uniklinik Köln. (fp)