Chronischer Stress begünstigt Ausbreitung von Krebszellen im Organismus

Stress fördert die Ausbreitung von Krebszellen im Körper. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Alexander Stindt
Test an Mäusen zeigt, das sich Stress stark auf die Ausbreitung von Krebs auswirkt
Schon seit langer Zeit wissen wir, dass Stress nicht förderlich für unsere Gesundheit ist. Darum raten Mediziner, dass wir Stress möglichst vermeiden sollen. Das ist aber nicht immer möglich, manche Menschen haben einfach viel Stress auf der Arbeit oder in ihrem Familienleben. Wissenschaftler warnen jetzt sogar davor, dass chronischer Stress Krebs dabei helfen könnte, sich schneller in unserem Körper auszubreiten.

Dauerhafter Stress ist nicht gut für Körper und Geist. Leider ist in der heutigen Gesellschaft Stress für die meisten Menschen kaum zu vermeiden. Durch solchen chronischen Stress können ernsthafte negative Folgen für unsere Gesundheit entstehen. Australische Forscher fanden in einer Untersuchung heraus, dass chronischer Stress sogar Krebs dabei hilft, sich schneller im menschlichen Körper auszubreiten. Die Wissenschaftler von der Monash University veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem Fachjournal „Nature Communications“.

Stress fördert die Ausbreitung von Krebszellen im Körper. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Stress fördert die Ausbreitung von Krebszellen im Körper. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Chronischer Dauerstress verändert das Lymphsystem
Wenn Mäuse chronischem Dauerstress ausgesetzt wurden, veränderte sich ihr Lymphsystem. Dadurch wird es für den Krebs einfacher, sich im Körper des Betroffenen zu verbreiten. Obwohl die Studie beim Menschen noch nicht repliziert wurde, ist sie trotzdem ein großer Schritt, um besser verstehen zu können, wie Stress und die Entwicklung von Krebs miteinander verbunden sind, sagen die Mediziner. Die Forscher haben bereits ein Medikament entwickelt, dass dabei hilft diesen Prozess aufzuhalten. Dieses wird derzeit bei Frauen mit Brustkrebs getestet.

Tumoren können sich besser verteilen und schneller wachsen
Niemand kann erwarten, dass an Krebs erkrankte Menschen nicht gestresst sind, solch eine Erkrankung ist wahrscheinlich einer der stressigsten Momente im Leben eines Patienten, erläutert Dr. Erica Sloan von der Monash University. Der zusätzliche Stress wirke sich zusätzlich negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Stress beeinflusst nicht nur unser allgemeines Wohlbefinden, chronischer Stress wirkt sich auch direkt auf unseren Körper aus und kann bewirken, dass Tumore sich besser verteilen und schneller wachsen, erläutern die Forscher. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich Krebs im ganzen Körper verbreitet. Durch die Blutgefäße oder durch das lymphatische System, erklären die Experten. Dieses Netzwerk ziehe Flüssigkeit aus unserem Gewebe und lasse sie wieder in den menschlichen Blutkreislauf abfließen. Wir wussten bereits, dass Stresshormone die Blutgefäßbildung erhöhen und so mehr potenzielle Fluchtwege für die Krebszellen entstehen, sagen die Wissenschaftler. Bis jetzt war allerdings nicht klar, ob Stresshormone auch das lymphatische System beeinflussen können.

Stresshormone verändern menschliche Lymphgefäße
Um herauszufinden, welche Auswirkungen Stress auf die Ausbreitung von Krebs hat, haben die Wissenschaftler einen Test an Mäusen vorgenommen. Diese Mäuse wurden unter extremen Stress gesetzt. Dieser war vergleichbar mit dauerhaftem chronischen Stress, der beispielsweise bei unserer Arbeit entstehen kann, erläutern die Mediziner. Die Forscher fanden heraus, dass sich bei den gestressten Mäusen Krebs mit einer höheren Rate verbreitet. Der Grund hierfür ist, dass das Stresshormon Adrenalin das sympathische Nervensystem (SNS) aktiviert. Dieser Vorgang wirkt sich auf die Rate der Lymphbildung aus, sagen die Forscher. Das Stresshormon ändert also tatsächlich physisch die Lymphgefäße. Diese entwässern die Tumore, so können sich die Krebszellen schneller auf andere Teile des Körpers ausbreiten. Somit entstehen nicht nur neue Wege, auf denen die Tumore sich ausbreiten können, auch die Geschwindigkeit der Ausbreitung erhöht sich, sagt Dr. Sloan.

Betablocker Propranolol könnte die Ausbreitung von Krebs verlangsamen
Aber es gibt auch eine gute Nachricht, die Forscher waren in der Lage einen Betablocker (Propranolol) zu verwenden, um diesen Vorgang zu stoppen. Und da Propranolol schon seit Jahren auf der ganzen Welt verwendet wurde, untersuchten die Forscher ältere Studien an Menschen. Sie suchten nach Anhaltspunkten dafür, dass Betablocker unwissentlich die Ausbreitung von Krebs verlangsamt hatten. Nachdem sie die Daten von fast 1.000 Brustkrebspatienten in Italien ausgewertet hatten, fanden sie ein paar ziemlich überzeugende Ergebnisse. Wenn die Patienten Betablockern nutzten, zeigten sich deutlich weniger Anzeichen von Bewegungen der Tumorzellen in den Lymphknoten, erläuterten die Experten. Somit konnten sich die Tumorzellen auch nicht so schnell auf die Lunge und andere Organe verbreiten.

Neue Studie an Menschen soll Klarheit bringen
Das unterstützt die Ergebnisse, die wir in den Versuchen mit den Testmäusen gemacht haben, sagt Dr. Sloan. Die Forscher werden jetzt eine Pilot-Studie in Melbourne durchführen. Dort soll eine Gruppe von Brustkrebs-Patientinnen mit dem Beta-Blocker Propranolol behandelt werden. Die Mediziner hoffen, dass diese Behandlung auch bei Menschen erfolgreich eingesetzt werden kann. Das wäre ein einfacher und billiger Weg, um das Risiko der Verbreitung von Krebs zu verringern, fügt der Mediziner hinzu.(as)

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