Studie: Deutlich weniger Demenzfälle dank der richtigen Prävention

Nina Reese
Beseitigung von Risikofaktoren sollte schon in der Kindheit beginnen
Die medizinische Forschung hat in letzten Jahren große Fortschritte gemacht, dennoch sind degenerative Demenzerkrankungen wie z.B. Alzheimer bis heute nicht heilbar. Die Anzahl der weltweiten Fälle könne jedoch deutlich reduziert werden, wenn die Risikofaktoren von Kindheit an bekämpft würden. Dies berichtet ein internationales Forscher-Team aktuell im Fachmagazin „The Lancet“.

Demenzerkrankungne bis heute nicht heilbar
Bis heute lassen sich Demenzerkrankungen wie Alzheimer trotz dem medizinischen Fortschritt nicht heilen. Die derzeit verfügbaren Therapien können den Krankheitsprozess lediglich verlangsamen und Begleitsymptome lindern. Doch wie ein internationales Forscherteam in „The Lancet“ schreibt, ließen sich viele Demenz-Fälle weltweit verhindern, wenn von Kindheit an bestimmte Risikofaktoren eliminiert werden. Dazu gehören unter anderem mangelnde Bildung im Jugendalter (bis 15 Jahre) sowie Übergewicht und Bluthochdruck in späteren Jahren.

Demenzerkrankungen zeigen sich meist erst in fortgeschrittenem Alter. Viele Fälle könnten einer neuen Studie zufolge durch bestimmte Präventionsmaßnahmen verhindert werden. (Bild: Ocskay Mark/fotolia.com)

Veränderungen im Gehirn beginnen nicht erst im Alter
Die Wissenschaftler um Gill Livingston vom University College London (Großbritannien) untersuchten die Auswirkungen von insgesamt neun Gesundheits- und Lebensstilfaktoren, die zum Teil nur eine bestimmte Lebensphase betreffen, aber auch für das gesamte Leben gelten können. Neben den drei erwähnten zählen dazu Hörverlust, soziale Isolation, Depression, Diabetes, Rauchen und Bewegungsmangel. Würde all diesen Faktoren von Kindheit an konsequent entgegengewirkt, könnte dadurch ein Drittel der Fälle weltweit verhindert werden, so die Mitteilung des University College London.

„Obwohl Demenz im späteren Leben diagnostiziert wird, beginnen sich die Gehirnveränderungen in der Regel bereits Jahre vorher zu entwickeln. Risikofaktoren für die Entwicklung der Krankheit treten nicht nur im Alter, sondern während des ganzen Lebens auf“, so Studienleiter Gill Livingston.

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Längere Schulbildung reduziert das Erkrankungsrisiko
Im Jugendalter spiele demnach eine möglichst gute Schulbildung eine wichtige Rolle für die Prävention, da durch das Erlernen und Trainieren kognitiver Fähigkeiten die Belastbarkeit des Gehirns gestärkt wird. Würden weltweit alle Kinder bzw. Jugendlichen Zugang zu entsprechender Bildung bekommen, könnten den Experten nach acht Prozent der späteren Demenz-Fälle verhindert werden. Die Vermeidung eines Hör-Verlustes im mittleren Alter habe noch größere Auswirkungen auf die Reduzierung der Krankheitsfälle, so der Bericht.

Die Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass „die Zahlen [.] mit Vorsicht interpretiert werden“ sollten, da es nicht möglich sei, alle Risikofaktoren komplett zu eliminieren. Außerdem seien bei den Berechnungen andere potenzielle Risikofaktoren wie z.B. Alkoholkonsum oder Schlafmangel nicht einbezogen worden. Nicht desto trotz zeige die Studie, dass es möglich sei, gegen die unheilbare Demenz vorzugehen.

Zahl der Betroffenen bis 2050 fast drei Mal so hoch
Laut der jüngsten Schätzungen würden weltweit rund 47 Millionen Menschen mit Demenz leben. Die Zahl der Betroffenen werde sich bis 2050 jedoch auf 131 Millionen erhöhen und damit fast verdreifachen, so die Forscher. In den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei dabei der höchste Anstieg zu erwarten.

„Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von Umweltfaktoren aufmerksam“, kommentierte laut der „dpa“ Monique Breteler vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Allerdings sei der Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung nach noch zu klären, welche der Faktoren tatsächlich im kausalen Zusammenhang mit Demenz stehen.

Forscher sehen optimistisch in die Zukunft
„Wir glauben, dass ein breiterer Ansatz zur Prävention von Demenz, der diese sich ändernden Risikofaktoren widerspiegelt, unseren alternden Gesellschaften zugute kommen und dazu beitragen wird, die ansteigende Zahl von Demenzfällen weltweit zu verhindern“, so Professor Livingston.

Zustimmung kommt auch von Martin Prince vom Institut für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften am Londoner King’s College: „Die Forschergruppe empfiehlt ein nachvollziehbares Aktionspaket, das das globale Vorgehen gegen Demenz auf wissenschaftlicher Basis ergänzt“, so der Wissenschaftler in einem Kommentar zur Studie. (nr)