Studie: Durch Smartphones ausgelöster Schlafmangel fördert bei Jugendlichen Depressionen

Alexander Stindt

Können Smartphones und Tabletts Depression hervorrufen?

Smartphones und andere tragbare Geräte, wie beispielsweise Tabletts, sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Auch Kinder und Jugendliche nutzen solche Geräte. Forscher analysierten jetzt, ob eine übermäßige Bildschirmzeit bei Kindern und Jugendlichen zu psychischen Gesundheitsrisiken führt und an der Entstehung von Depressionen beteiligt ist. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass nicht nur soziale Störungen oder direkte Auswirkungen auf das Gehirn hauptverantwortlich für eine Depression sind, sondern auch der Schlafmangel durch das Surfen im Internet oder das Spielen von Apps hat einen erheblichen Einfluss.


Die Forscher der Stony Brook University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Nutzung von Smartphones und anderen tragbaren technischen Geräten bei Kindern und Jugendlichen zu einem Mangel an Schlaf führt, welcher die Entstehung einer Depression begünstigt. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie bei der Associated Professional Sleep Societies LLC’s annual conference, SLEEP 2018.

Entwickeln Kinder durch die übermäßige Nutzung von Tabletts und Smartphones Depressionen? (Bild: Natallia Vintsik/fotolia.com)

Fast jeder Menschen hat heutzutage ein Smartphone

Tragbare technische Geräte, wie Smartphones und Tabletts, sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Gerade unsere Kinder und Jugendlichen wachsen mit diesen Geräten auf, da stellt sich natürlich die Frage, ob die Verwendung dieser Geräte negative gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben kann.

Mediziner analysieren Daten von fast 3.000 Jungendlichen

Die bei der Studie analysierten Daten stammten aus einer Umfrage mit knapp 3.000 Teenagern, welche zwischen den Jahren 2014 und 2017 erhoben wurden. Bei der Umfrage wurden Teenager befragt, wie viel Zeit sie jeweils vor vier verschiedenen Arten von Bildschirmaktivitäten verbrachten. Diese umfassten: Fernsehen, Spielen, Nachrichten mit Freunden auf sogenannten Social-Networking-Sites austauschen und generelles Surfen im Internet. Außerdem wurden die Teilnehmer auch nach ihren Schlafgewohnheiten befragt. Irgendwelche Symptome von Depressionen wurden ebenfalls berücksichtigt, erläutern die Wissenschaftler.

Mehr Zeit vor dem Bildschirm erhöht das Risiko für Depressionen

Wie schon zuvor bei anderen Studien festgestellt wurde, war mehr Zeit vor dem Bildschirm mit einem größeren Risiko für die Entstehung von Depressionen verbunden. Die aktuelle Studie stellte aber zum ersten Mal eine Zusammenhang zwischen Schlafmangel durch die Nutzung von tragbaren technischen Geräten und depressiven Symptomen fest, erläutern die Autoren.

Technische Geräte beeinträchtigen qualitativ hochwertigen Schlaf

Wenn die Teenager viel Zeit vor dem Bildschirm ihre Computers, Fernsehers, Smartphones oder Tablets verbrachten, berichteten die gleichen Personen auch über weniger Schlaf, was zu stärkeren depressiven Symptomen führte, fügen die Mediziner hinzu. Höhere Raten von depressiven Symptomen bei Teenagern können teilweise durch die allgegenwärtige Verwendung von technischen Geräten erklärt werden, die einen qualitativ hochwertigen erholsamen Schlaf beeinträchtigen kann, erläutert Studienautorin Xian Stella Li von der Stony Brook University.

Welche Aktivitäten vor dem Bildschirm waren besonders schädlich?

Es gab jedoch Unterschiede zwischen den verschiedenen Aktivitäten vor dem Bildschirm. Die Kommunikation mit Freunden war weniger mit depressiven Gefühlen verbunden, als beispielsweise das Spielen von Apps oder Videospielen. Allein der Schlaf machte etwa 35 Prozent des Zusammenhangs zwischen Spielen und depressiven Symptomen aus, sagen die Mediziner. (Es sollte allerdings angemerkt werden, dass depressive Symptome nicht das gleiche sind wie eine ausgewachsene Depression.)

Warum führt die Zeit vor dem Bildschirm zu Depressionen?

Es ist keine Überraschung, dass unzureichender Schlaf schlecht für die geistige und körperliche Gesundheit ist, aber eine Verbindung zwischen der Bildschirmzeit und Depression bei Kindern war schwer zu analysieren, erklären die Mediziner. Einige Forscher haben beispielsweise vorgeschlagen, dass zu viel Bildschirmzeit Betroffene von anderen Menschen isoliert. Es gab aber auch Theorien, dass das helle Licht der Bildschirme das Gehirn beeinflusst. Es gibt auch einige Wissenschaftler, die argumentieren, dass Kinder nicht durch zu viel Fernsehen und Videospiele depressiv werden, sie sitzen viel mehr vor diesen Bildschirmen, weil sie bereits deprimiert sind. Die aktuelle Studie löst diese Debatte leider nicht. Aber es ist definitiv wahr, dass viele Menschen, besonders Teenager, nicht genug Schlaf bekommen. Einige Untersuchungen haben bereits ergeben, dass nur etwa zehn Prozent der Jugendlichen die empfohlenen acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht erhalten, erklären die Experten. (as)