Studie: Durchschnitts-Männer sind heute schwächer als ihre Väter

Statt Muskeln sind heute kognitive Fähigkeiten gefragt. Dadurch leidet die Muskelkraft des gesamten Körpers. Bild: Sergey Nivens - fotolia
Sebastian
Männer haben heute weniger Kraft
Wie notwenig ist es heute, dass Männer übermäßig körperliche Kräfte besitzen? Büroarbeit, Hausarbeit und fürsorgliche Betreuung der Kinder – das alles sind heute Aufgaben (auch) von Männern. Eine Studie wollte es genauer wissen, und untersuchte die Greifkraft von Männern. In der Tat, die Evolution denkt mit.

Studie vergleicht Daten mit einer Untersuchung vor 30 Jahren
Männer sollen laut einer wissenschaftlichen Untersuchung der Winston-Salem State University im US-Bundesstaat North Carolina wesentlich schwäche Greifen können, als ihre direkten Vorfahren. Wie die zwei Studienleiterinnen im Fachaufsatz im Wissenschaftsmagazin „Journal of Hand Therapy“ erläuterten, „ist die Greifkraft der Anfang 30jährigen im Vergleich zu ihren Vätern um 20 Prozent gesunken“.

Statt Muskeln sind heute kognitive Fähigkeiten gefragt. Dadurch leidet die Muskelkraft des gesamten Körpers. Bild: Sergey Nivens - fotolia
Statt Muskeln sind heute kognitive Fähigkeiten gefragt. Dadurch leidet die Muskelkraft des gesamten Körpers. Bild: Sergey Nivens – fotolia

Im Studienaufbau wurden die Arme und Hände der Probanden mit Hilfe eines Dynamometers gemessen. Die 237 Teilnehmer wurden zuvor auf Herz und Nieren geprüft und befanden sich in der Altersklasse der 20 bis 34-Jährigen.

Zunächst wurde gemessen, wie die Teilnehmer mit der ganzen Hand zugreifen können- danach kam es auf die Stärke des Griffs an. Nun sollten die Frauen und Männer zeigen, wie stark zu kneifen sie können.

20 Prozent weniger Kraft
Die Resultate wurden nun mit den Erkenntnissen aus dem Jahre 1985 verglichen. Auch in dieser Studie wurde die Handkraft von Probanden gemessen. „Die Handkraft der männlichen Teilnehmer ist um 12 Kilogramm geringer, als die der Männer in den 80er Jahren“, schreiben die Forscher. „Beim Armdrücken kann der Durchschnittsmann von damals den Durchschnittsmann von heute gang klar schlagen.“ In Prozenten ausgedrückt sind das satte 20 Prozent weniger Kraft als noch vor 30 Jahren.

Nun könne man die Frage stellen, ob sich die Muskelkraft in einen anderen Körperteil verlagert hätte. Fain und Weatherford erläutern stattdessen, dass die Kraft in den Händen ein Indikator für die Muskelkraft des gesamten Körpers ist. Deshalb war der Händedruck des Mannes ein sicheres Zeichen für seine Manneskraft. Wer hingegen schlaff zugreift, hat auch im übrigen Körper eher weniger Muskelkraft. „Männer sind offenbar heute schwächer“, resümieren die Forscherinnen.

Frauen werden stärker
Im Gegensatz dazu sei die Muskelkraft im Vergleich zur damaligen Untersuchung bei den Frauen sogar etwas gestiegen. Frauen zwischen 30 und 34 Jahren können ebenso kraftvoll zupacken wie ihre Mütter. Damit schwindet die Überlegenheit des Mannes bei der Muskelkraft.

Ist das ein schlechtes Zeichen für schwächer werdende Männer? Es sei nicht angebracht von „besser“ oder „schlechter“ zu sprechen, meinen die Forscherinnen. Vielmehr „ist es eher ein Wandel“, betonen die Wissenschaftlerinnen. Heute sei die Fähigkeit des „kräftigen Zupackens in der postindustriellen Wissensgesellschaft kaum noch benötigt.“ Die Väter mussten bei ihrer Arbeit noch Kraftvolle Arbeiten verrichten, während die Söhne häufig nur noch die Finger zum Tippen am Computer benötigen. Aus diesem Grund würden auch die Muskeln in ihrer Kraft nachlassen.

Ganz anderes bei den Frauen. Während sie dem Credo „Selbst ist die Frau“ folgen, konnten sie ihre Kraft behalten oder sogar noch ausbauen. Das ist ebenfalls ein Zeichen der gesellschaftlichen Entwicklung, die sich auf in der Evolution bemerkbar macht.

Muskeln sind ein Jungbrunnen
Der Zustand der schwindenden Kraft kann allerdings auch gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. So wissen wir heute, dass die Muskelkraft ein Schlüssel für Dynamik und Beweglichkeit. Die Muskulatur kann dafür sorgen, dass wir selbst bis ins hohe Alter dynamisch und selbstständig bleiben, sagt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Es sei daher ratsam die Unbeweglichkeit im Berufsalltag mit sportlichem Ausgleich zu kompensieren. Jegliche Bewegung regt die Muskeln an. Egal ob es Dauerlauf, Schwimmen oder Kraftsport im Studio ist. (sb)

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