Studie: Erstgeborene sind meist schlauer als die jüngeren Geschwister

Alexander Stindt
Mediziner suchen nach Gründen für eine erhöhte Intelligenz bei Erstgeborenen
Wovon hängt es eigentlich ab, wie intelligent unsere Kinder sind? Ein wichtiger Punkt scheint zu sein, ob das Kind das Erstgeborene ist oder ob es ältere Geschwister hat. Forscher fanden jetzt heraus, dass erstgeborene Kinder intelligenter als ihre jüngeren Geschwister sind.

Die Wissenschaftler von der Analysis Group und der University of Sydney stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Erstgeborene einen höheren IQ-Wert als ihre jüngeren Geschwister aufweisen. Dieser Effekt ist bereits im Alter von einem Jahr messbar. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of Human Resources“.

Manche Kinder lernen einfach schneller und effektiver als andere. Gerade bei Geschwistern werden solche Unterschiede meist offensichtlich. Mediziner stellten fest, dass erstgeborene Kinder intelligenter sind als ihre jüngeren Geschwister. Die Experten versuchten deshalb herauszufinden, was die Gründe für den festgestellten Effekt sind. (Bild: S.Kobold/fotolia.com)

Erhalten erstgeborene Kinder mehr Anregung und Unterstützung durch die Eltern?
Die aktuelle Entdeckung könnte eventuell dadurch erklärt werden, dass erstgeborene Kinder während ihrer frühen Jahre mehr geistige Anregung und Unterstützung beim Entwickeln von Denkfähigkeiten durch ihre Eltern erhalten, erklären die Forscher.

Ältere Geschwister verdienen meist mehr Geld und sind gebildeter
Das festgestellte Ergebnis könnte dazu beitragen zu erklären, warum viele Erstgeborene im späteren Leben eine bessere Bildung aufweisen und meist auch höhere Löhne bei ihrer Arbeit erhalten als ihre jüngeren Geschwister, mutmaßen die Mediziner.

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Studie berücksichtigt auch den familiären Hintergrund und wirtschaftliche Bedingungen
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von Kindern aus den USA, welche zuvor vom US Bureau of Labor Statistics bei der sogenannten National Longitudinal Survey of Youth gesammelt wurden. Insgesamt wurden fast 5.000 Kinder von ihrer Geburt bis zum Alter von 14 Jahren medizinisch überwacht. Dabei wurden auch besonders der familiären Hintergrund und die wirtschaftlichen Bedingungen der Familie beobachtet, erläutern die Experten. Dann wurden alle zwei Jahre die Fähigkeiten (beispielsweise Lesen und Vokabular) bewertet.

Mediziner untersuchen die Auswirkungen von Rauchen und Alkohol
Die Forscher setzten anschließend statistische Methoden bei den gewonnen Daten ein, um zu analysieren, wie bestimmtes Verhalten der Eltern (z. B. Rauchen und Alkoholgenuss) während der Schwangerschaft mit den IQ-Testergebnisse des Kindes zusammenhängt.

Eltern sorgen bei jüngeren Geschwistern für weniger geistige Anregung
Es wurde von den Experten festgestellt, dass viele Mütter während der Schwangerschaft bei den jüngeren Kindern quasi höhere Risiken auf sich nahmen. Außerdem sorgten die Eltern bei jüngeren Geschwistern für weniger geistige Anregung. Dazu gehörten beispielsweise Aktivitäten wie Lesen, handwerkliche Aufgaben und das Spielen und Erlernen von Musikinstrumenten. Jüngere Geschwister waren einfach seltener an solchen Aktivitäten beteiligt, fügen die Mediziner hinzu.

Verschiebung des elterlichen Verhaltens scheint die Ursache der Unterschiede zu sein
Unsere erzielten Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine breite Verschiebung im elterlichen Verhalten eine plausible Erklärung für die beobachteten Unterschiede bei vorhandener Bildung ist. Auch später besser bezahlte Jobs des Nachwuchses hängen scheinbar mit dieser Verschiebung zusammen, erklärt Autorin Dr. Ana Nuevo-Chiquero von der University of Edinburgh School of Economics. (as)