Studie: Fettleibigkeit steigert deutlich die Alzheimer-Risiken

Alexander Stindt
Wie wirkt sich Fettleibigkeit auf das Risiko zur Entwicklung von Alzheimer aus?
Die Vermeidung von Übergewicht im jungen und mittleren Alter kann uns offenbar vor der Entstehung von Alzheimer im späteren Leben schützen. Übergewicht und Fettleibigkeit gelten eigentlich eher als Risikofaktoren für Herzerkrankungen und Schlaganfälle, doch Forscher fanden jetzt heraus, dass fettleibige Menschen zudem eher erhöhten Werte von Amyloid aufwiesen. Dieses klebrige Protein bildet die sogenannten Plaques im Gehirn von Menschen mit Alzheimer.

Die Wissenschaftler der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Fettleibigkeit zu einem erhöhten Risiko für Alzheimer führen kann. Eine gesunde Alterung des Gehirns beruhe auf der Gesundheit des Herzens und der Blutgefäße im jungen Alter, erklären die Forscher. Übergewicht und Fettleibigkeit seien schlecht für das Herz und die Blutgefäß und aus diesem Grund erhöhe Fettleibigkeit auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“.

Seit langer Zeit warnen Mediziner vor den negativen Auswirkungen von Übergewicht und Fettleibigkeit. Bei einer aktuellen Studie wurde klar, dass Fettleibigkeit sogar das Risiko für Alzheimer verstärkt. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Experten untersuchen fettleibige Probanden mit Diabetes
Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie die Ablagerungen von Amyloid in den Gehirnen von Senioren. Die teilnehmenden Probanden hatten zuvor im mittleren Alter geraucht, wiesen einen hohen Blutdruck auf, waren fettleibig und litten unter Diabetes oder erhöhten Cholesterinspiegel, erklärt die Autorin Dr. Rebecca Gottesman von der Johns Hopkins University School of Medicine.

Welche Auswirkungen hat eine schlechte Gefäßgesundheit?
Die oben genannten Risikofaktoren können die Gesundheit der Blutgefäße einer Person negativ beeinflussen. Wenn die Gefäßgesundheit leidet, kann dies zu einer Verhärtung der Arterien und anderen Störungen führen, erläutern die Forscher. Die aktuelle Untersuchung deute darauf hin, dass die Gefäßgesundheit im mittleren Alter eine direkte Rolle bei der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit spielen kann, fügen die Autoren hinzu.

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Wie wirken sich die Risikofaktoren auf das Alzheimer-Risiko aus?
Wenn zwei oder mehr der Risikofaktoren vorhanden sind, verdreifacht sich das Risiko für große Ablagerungen von Amyloid. Experten vermuten, dass sogenanntes Amyloid zur Entstehung der Alzheimer-Krankheit führt. Bereits ein Risikofaktor alleine erhöhte die Wahrscheinlichkeit für Anhäufungen der Amyloid-Ablagerungen um 88 Prozent, schreiben die Experten in ihrer Studie.

Fettleibigkeit verdoppelt die Wahrscheinlichkeit für Ablagerungen von Amyloid
Adipositas ist ein besonders starker Risikofaktor für die Entstehung der Amyloid-Ablagerungen. Fettleibigkeit alleine verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, dass im späteren Leben Ablagerungen von Amyloid entstehen, sagen die Mediziner. Der alleinige Risikofaktor Fettleibigkeit sei sehr interessant, denn noch vor zwanzig Jahren war Fettleibigkeit kein großes Problem in der Gesellschaft. Dies deute darauf hin, dass in zwanzig Jahren das generelle Problem mit Alzheimer noch wesentlich schlimmer sein könnte, erläutern die Wissenschaftler.

Mediziner untersuchen knapp 350 Probanden
Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher die Daten von fast 350 Menschen. Die Herzgesundheit der Probanden wurde seit dem Jahr 1987 im Rahmen einer laufenden Studie verfolgt, erklären die Wissenschaftler. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag zu Beginn der Studie bei 52 Jahren. Sechzig Prozent der Probanden waren Frauen und 43 Prozent der Teilnehmer waren Afroamerikaner. Die durchschnittliche Dauer der Nachfolgeuntersuchungen betrug fast 24 Jahre, sagen die Mediziner.

Zwei Jahrzehnte später wurden die Probanden erneut untersucht
Als die Teilnehmer die Studie begannen, litt noch keiner von ihnen unter Demenz, berichten die Studienautoren. Zwei Jahrzehnte später wurden die Probanden dann gebeten, sich noch mal untersuchen zu lassen. Mediziner überprüften dabei die Gehirn-Scans auf Anzeichen von Amyloid. Die Forscher entdeckten eine Verbindung zwischen Herzrisikofaktoren und Amyloid im Gehirn. Die Beziehung variierte nicht bei verschiedenen ethnischen Gruppen oder bekannten genetischen Risikofaktoren für Alzheimer, fügen die Experten hinzu. Sogenannte Herz-Risikofaktoren, welche erst spät im Leben entstanden sind, wurden allerdings nicht mit Amyloid-Ablagerungen im Gehirn assoziiert.

Warum beeinflusst die Gesundheit der Blutgefäße das Risiko für Alzheimer?
Die aktuelle Studie zeigte keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Es gibt allerdings einige Theorien, warum die Gesundheit der Blutgefäße einer Person mit Alzheimer verbunden sein könnte. Blut und Wirbelsäulenflüssigkeit enthalten Amyloid. Manche Experten vermuten, dass ungesunde Blutgefäße das Amyloid aus dem Blutkreislauf in das Gehirngewebe abgeben könnten. Blutgefäße spielen auch eine Rolle beim Ausspülen von gebrochenen Amyloidpartikeln, welche im Gehirn eines Menschen auftreten. Wenn es Fehler bei der Zirkulation gibt, könnte dies die Ablagerungen von Amyloid in irgendeiner Weise beeinflussen, sagen die Forscher.

Aufrechterhaltung der Gesundheit ist eine lebenslange Verpflichtung
Gehärtete Arterien können zu Schlaganfällen aber offenbar auch zu Demenz und Alzheimer führen, erklärt Autorin Gottesman. Basierend auf den aktuellen Erkenntnissen rät die Expertin die Gehirngesundheit zu schützen, indem wir die Herzgesundheit verbessern. Um so früher damit begonnen wird, desto besser. „Warten Sie nicht erst bis Sie 60 Jahre oder älter sind, bevor Sie damit anfangen, auf Ihre Gesundheit zu achten. Die Aufrechterhaltung der Gesundheit muss eine lebenslange Verpflichtung sein“, mahnen die Autoren. (as)