Studie: Fischöl in der Schwangerschaft senkte Asthma-Risiken der Neugeborenen

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die gesundheitlichen Auswirkungen von Fisch-Öl-Kapseln
Die meisten Eltern versuchen einfach alles, um die Gesundheit ihres Neugeborenen zu stärken. Das kann mitunter leicht skurrile Auswirkungen haben. Nun fanden Forscher heraus, dass der mütterliche Konsum von Fischöl innerhalb der drei letzten Monate der Schwangerschaft bewirkt, dass das Risiko von Asthma oder einem anhaltenden Keuchen bei den Nachkommen reduziert wird.

Die Wissenschaftler der University of Copenhagen stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass eine Einnahme von Nahrungsergänzungskapseln mit Fischöl in den drei letzten Monaten der Schwangerschaft zu einem verbesserten Schutz vor Asthma für das Neugeborene führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“.

Viele Kinder auf der Welt leiden an Asthma. Mediziner stellten bei ihrer Forschung fest, dass die Aufnahme von Fischöl bei werdenden Müttern zu einem verringerten Risiko für Asthma bei deren Kindern führt. (Bild: bubutu/fotolia.com)

Mediziner untersuchen für die Studie 695 schwangere Frauen
Die aktuelle Studie untersuchte 695 schwangere Frauen. Die Experten versuchten dabei herauszufinden, ob eine Ergänzung der Nahrung durch Fischöl das Asthma-Risiko von Neugeborenen verringern kann.

Auswirkungen der Einnahme von Fisch-Öl-Kapseln
Insgesamt hatten die werdenden Mütter in der Placebo-Gruppe ein Risiko von etwa 23,7 Prozent, dass ihre Kinder unter Asthma leiden. Wenn die Schwangeren aber täglich Fisch-Öl-Kapseln zu sich nahmen, sank das Risiko auf 16,9 Prozent. Das ist eine Reduktion von 30,7 Prozent in den ersten drei Lebensjahren, erläutern die Experten.

Kinder von Frauen mit niedrigen EPA- und DHA-Werten scheinen den größten Nutzen zu haben
Der eigentliche Nutzen schien ausschließlich bei den Kindern zu liegen, deren Mütter eine niedrige Konzentrationen der beiden Hauptbestandteile von Fischöl zu sich nahmen, sagen die Experten. Diese waren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Unter den dänischen Frauen mit einem niedrigem EPA- und DHA-Wert erreichte die Rate von Asthma und Keuchen bei den Kindern 17,5 Prozent.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Asthmarate mehr als verdoppelt
Eines von fünf kleinen Kindern ist heute von Asthma und Keuchen betroffen, wobei sich in den letzten Jahrzehnten die Rate in den westlichen Ländern mehr als verdoppelt hat, erklären die Mediziner. Frühere Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass diese Zustände bei Babys häufiger vorkommen, wenn deren Mütter eine niedrige Konzentrationen der oben genannten Werte aufweisen, fügen die Wissenschaftler hinzu. Die neue groß angelegte Untersuchung ist die erste, welche analysiert, ob eine erhöhte Einnahme von Fischöl das Risiko tatsächlich senken kann.

Auch der Konsum von Fisch kann zu den gleichen Vorteilen führen
Frauen können alternativ auch einfach Fisch essen, um den gleichen Nutzen wie von Fischöl-Nahrungsergänzungen zu erhalten, berichten die Wissenschaftler. Sie müssen allerdings sehr gerne Fisch essen, um durch die Ernährung den gleichen Nutzen zu erhalten, so Hauptautor Dr. Hans Bisgaard von der Universität Kopenhagen. Die Ergebnisse müssen jetzt in anderen Teilen der Welt getestet werden, wo der allgemeine Fischverbrauch geringer ist, fügt der Experte hinzu.

Nebenwirkungen müssen dringend getestet werden
Die verabreichte Dosis von 2,4 Gramm war etwa 15 bis 20 mal so hoch wie die durchschnittliche US-Aufnahme aus Lebensmitteln, sagen die Mediziner. Bevor diese Erkenntnisse auf die klinische Praxis angewendet werden können, sei es daher unerlässlich sicherzustellen, dass diese hohe Dosis keine nachteiligen Auswirkungen auf Verhalten, Kognition oder andere langfristige Ergebnisse hat, betont Dr. Bisgaard.

Weitere Forschung sollte die Wirkung von geringeren Dosen überprüfen/strong>
Zukünftige Forschung sollte klären, ob niedrigere Dosen ähnlich wirksam sind und ob diese Ergebnisse auch in anderen Populationen repliziert werden können. Es sei möglich, dass eine niedrigere Dosis auch ausgereicht hätte, um den Effekt zu erzielen, erläutern die Autoren.

Fischölergänzung senkt auch das Risiko von Infektionen der unteren Atemwege
Die Fischölergänzung senkte auch das Risiko von Infektionen der unteren Atemwege, wobei die Rate von 39,1 Prozent bei Probanden mit Olivenöl-Placebo auf 31,7 Prozent bei Probanden mit einer Aufnahme von Fischöl reduziert wurde. Die Ergänzungen scheinen aber nicht das Risiko zu beeinflussen, mit dem Babys oder Kleinkinder Ekzeme auf der Haut oder eine allergische Reaktion auf Milch oder Produkte mit Eiern entwickeln, welche einen schweren Asthma-Anfall beeinflussen können, erklären die Experten.

Wie lange nahmen die werdenden Mütter Fisch-Öl-Kapseln ein?
Während der Studie begannen die Frauen mit der Einnahme von Fischöl- oder Olivenöl-Placebo-Kapseln in der 24. Woche der Schwangerschaft. Sie setzten die Aufnahme fort, bis eine Woche nach der Geburt.

Weitere Forschung ist nötig
Die Wissenschaftler berechneten, dass 14,6 Frauen behandelt werden müssten, um einen Fall von Asthma oder persistentem Keuchen zu verhindern. Unter Frauen mit den niedrigsten EPA- und DHA-Werten zu Beginn, müssten sogar nur 5,6 Frauen behandelt werden, sagen die Autoren. Sollten die Ergebnisse in anderen Populationen bestätigt werden, könnten die Ärzte testen, welche Neugeborenen am meisten von der Ergänzung durch Fischöl profitieren. Leider sei das Gesundheitssystem derzeit allerdings noch nicht auf diese Forschung ausgerichtet, sagt Autor Dr. Bisgaard. (as)