Studie: Frauen deutlich öfter krank als Männer

Der Krankenstand bei Frauen lag 2015 im Schnitt 14 Prozent höher als bei Männern. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)
Fabian Peters
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Erkrankungen
Frauen und Männer zeigen sehr unterschiedliche gesundheitliche Beschwerden, was sich auch in dem Krankenstand widerspiegelt, den die DAK-Gesundheit für ihren aktuellen Gesundheitsreport ausgewertet hat. Die „Studie zeigt größte Geschlechterunterschiede bei psychischen Erkrankungen, Krebs und Kreislauferkrankungen“, so die Mitteilung der DAK.

Bei zahlreichen Krankheiten wie beispielsweise Depressionen, Krebs oder Herzinfarkten zeigen sich laut Angaben der DAK große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dies wirke sich auch auf den Krankenstand aus, den die Krankenkasse für ihren aktuellen Gesundheitsreport ausgewertet hat. „Im Jahr 2015 fehlten Frauen zum Beispiel 14 Prozent häufiger im Job als ihre männlichen Kollegen“, berichtet die DAK. Insgesamt habe der allgemeine Krankenstand den höchsten Wert seit 16 Jahren erreicht, so eines der weiteren zentralen Ergebnisse des neuen DAK-Gesundheitsreports.

Der Krankenstand bei Frauen lag 2015 im Schnitt 14 Prozent höher als bei Männern. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)
Der Krankenstand bei Frauen lag 2015 im Schnitt 14 Prozent höher als bei Männern. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)

Erstmal umfassend Geschlechtsunterschiede beim Krankenstand ausgewertet
Für den aktuellen Report wurden laut Angaben der DAK „erstmals umfassend die Geschlechterunterschiede bei krankheitsbedingten Ausfalltagen und ihren Ursachen“ erfasst. Als Datenbasis diente der Krankenstand von rund 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten. Darüber hinaus hat das Forsa-Institut im Auftrag der DAK eine repräsentative Umfrage mit mehr als 5.000 Frauen und Männer im Alter von 18 und 65 Jahren durchgeführt. Bei der Datenauswertung wurde deutlich, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede deutlich größer sind, als bisher angenommen. Der Krankenstand bei den Frauen habe 14 Prozent höher gelegen als bei den Männern. Somit seien im Jahr 2015 an jedem Tag 44 von 1.000 weiblichen Beschäftigten krankgeschrieben gewesen, während dies bei den Männern auf 39 von 1.000 Berufstätigen zutraf.

Unterschied größer als angenommen
Des Weiteren wird anhand der Zahlen des aktuellen Gesundheitsreports deutlich, dass Frauen pro Krankschreibung zwar weniger Tage fehlten, dafür wurden sie jedoch deutlich häufiger krankgeschrieben. So erreichten die Frauen insgesamt 134,4 Krankheitsfällen je 100 Versicherte, während die Männer auf 115,8 Krankheitsfälle je 100 Versicherte kamen. „Unser Report zeigt, dass der viel zitierte kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern viel größer ist als gedacht“, betont Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Anhand der Ergebnisse des Reports werde sehr genau verdeutlicht, „wo die Einflussfaktoren beim Krankenstand liegen und wie hoch der jeweilige Anteil bei den Geschlechtern wirklich ist.“

Männer erkranken vermehrt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Aus dem Gesundheitsreport geht des Weiteren hervor, „dass Männer in allen Altersgruppen sehr viel öfter wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Job fehlten als Frauen (+ 65 Prozent mehr Fehltage)“, so die Mitteilung der DAK. Im Alter zwischen 45 und 64 Jahren erkranke fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung. Auch bei den Fehltagen infolge von Verletzungen lagen die Männer weit vor den Frauen. Sie zeigten fast doppelt so viele Fehltage (48 Prozent mehr) wie das weibliche Geschlecht. Dies führen die Autoren des Reports auf die höhere Risikobereitschaft sowie andere Tätigkeiten im Beruf zurück.

Frauen vermehrt mit psychischen Problemen
Bei den psychischen Erkrankungen zeigte sich indes eine deutlich höhere Betroffenheit der Frauen. Sie fehlten wesentlich häufiger wegen psychischer Erkrankungen als Männer (67 Prozent mehr Fehltage bei den Frauen). Insbesondere von Depressionen seien Frauen vermehrt betroffen. Auch aus diesem Grund ist die Psychopharmaka-Verschreibung bei ihnen wesentlich höher. Jede elfte Frau erhielt laut Angaben der DAK im vergangenen Jahr eine Verordnung für Antidepressiva, während dies lediglich für jeden zwanzigsten Mann gegolten habe.

Frauen fehlen deutlich länger wegen Krebserkrankungen
Am auffälligsten war der Geschlechterunterschied laut Angaben der DAK bei dem Krankenstand infolge von Krebserkrankungen. Hier hätten die Frauen 74 Prozent mehr Fehltage gezeigt als die Männer. Zwar sei das Risiko an Krebs zu erkranken bei Frauen und Männern insgesamt etwa gleich, doch treffe der Krebs Männer meist erst im höheren Alter – ab etwa 60 Jahren. Ausfälle im Erwerbsleben sind daher nur begrenzt festzustellen. Bei Frauen bildet jedoch Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung und dieser ist oft schon in jüngeren Jahren feststellbar, also noch zu Zeiten der Berufstätigkeit.

Laut Mitteilung der DAK hat auch der Job einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie häufig Frauen und Männer sich krankmelden. So zeige sich in vielen Branchen bei den Frauen ein höherer Krankenstand. Hierzu zählen beispielsweise die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen. Insgesamt zeigten die Männer nur in sehr wenigen Branchen einen höheren Krankenstand als die Frauen, berichtet die DAK. Dies gelte beispielsweise für den Gartenbau und die Naturwissenschaften, wo die Männer mehr Fehltage aufwiesen als die Frauen.

Unterschiedlicher Umgang mit Erkrankungen
Auffällig war in dem aktuellen Gesundheitsreport auch der geschlechtsspezifisch unterschiedliche Umgang mit Krankheiten. So suchten die Männer 2015 im Durchschnitt lediglich 4,2 Mal einen Arzt auf, während berufstätige Frauen durchschnittlich sieben Mal im Jahr zum Arzt gingen. „Selbst bei einer Betrachtung ohne Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingten Behandlungen wird deutlich, dass Frauen häufiger behandelt wurden“, berichtet die DAK. Für die geschlechtersensible Gesundheitsforschung seien die Ergebnisse des aktuellen Reports ein wichtiger Baustein, betont Petra Kolip, Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, in der Pressemitteilung der DAK.„Diese sehr konkreten Daten des DAK-Reports sind hilfreich, um möglichst passgenaue Maßnahmen ableiten zu können“, so Kolip weiter. (fp)

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