Forschung: Frauen sind heute beim Sex experimentierfreudiger und selbstbewusster

Sebastian
Frauen sind im Vergleich zu früher beim Sex experimentierfreudiger und auch selbstbewusster geworden. Dies zeigt eine Langzeitstudie. Allerdings haben viele Frauen auch Probleme, zum Höhepunkt zu kommen. Einen vaginalen Orgasmus gibt es Wissenschaftlern zufolge ohnehin nicht.

Frauen sind heute viel offener in Fragen der Sexualität. Bild: detailblick-foto/fotolia

Junge Frauen sind beim Sex experimentierfreudiger geworden
Frauen sind heute beim Sex experimentierfreudiger als noch vor Jahren. Sie legen aber auch mehr Wert auf Treue in der Beziehung. Dies ist das Ergebnis einer deutschen Studie. Seit den 1960er Jahren hat die Langzeitstudie „Studentische Sexualität im Wandel“ des Instituts für Sexualforschung und forensische Psychiatrie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf untersucht, was Frauen sexuell erregt und wie sie am liebsten ihr Liebesleben gestalten. Ihr Fazit wurde nun im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ präsentiert. Demnach zeigt sich, dass junge Frauen mit ihrem Liebesleben heute viel selbstbewusster umgehen als noch vor 20 Jahren.

Fessel- und Rollenspiele
Den Angaben zufolge gaben rund 2.100 deutsche Studentinnen den Forschern bereitwillig Auskunft über ihre sexuellen Gewohnheiten, Fantasien und Wünsche. 44 Prozent der Befragten gaben an, sich mit ihrem Partner gerne erotische Filme anzuschauen. Im Jahr 1996 erklärten das nur 29 Prozent. Auch Sex-Spielzeuge sind heutzutage bei jungen Frauen beliebter. So gaben 38 Prozent der Studienteilnehmerinnen an, einen Dildo oder Vibrator zu benutzen, vor 20 Jahren taten dies lediglich elf Prozent. Rund 36 Prozent der Befragten gaben an, eine Schwäche für Fesselspiele zu haben, 1969 waren es gerade mal halb so viele. Außerdem zeigte sich, dass die Frau von heute Rollenspielen gegenüber aufgeschlossener ist: 20 Prozent finden es gut, diese Methode im Liebesleben zu praktizieren, vor 20 Jahren waren es elf Prozent. Dass solche Fantasien nicht wirklich ungewöhnlich sind, haben auch kanadische Wissenschaftler in einer Studie festgestellt. Im vergangenen Jahr berichteten sie darüber, welchen Sex-Fantasien noch normal sind und erklärten unter anderem, dass die Beliebtheit des Romans „Shades of Grey“ mit solchen Sex-Wünschen zu tun habe.

Fremdgehen ist für die meisten Frauen ein großes Tabu
Wie die Hamburger Studie zeigt, ist für den Großteil der Befragten Fremdgehen trotz aller Experimentier-Freude ein absolutes Tabu. 85 Prozent der Teilnehmerinnen haben angegeben, dass Treue das Wichtigste in einer Beziehung ist. In den 1980er Jahren nahmen es die Befragten nicht so genau. Damals gaben rund 36 Prozent an, schon untreu gewesen zu sein. Aktuell berichteten nur noch acht Prozent davon, ihren Partner schon mal betrogen zu haben. Beim Masturbieren sind junge Frauen aber offenbar noch immer scheu. Dem „Spiegel“ zufolge gaben nur 43 Prozent der 16 bis 19-jährigen Mädchen zu, sich schon einmal selbst befriedigt zu haben.

Jede vierte Frau hat Probleme zum Orgasmus zu kommen
Doch auch wenn Frauen heutzutage beim Sex mehr ausprobieren wollen, hat jede vierte von ihnen Probleme, zum Orgasmus gelangen. Diese Zahl benennt Kirsten von Sydow, die als psychologische Psychotherapeutin in Hamburg und als Professorin an der Psychologischen Hochschule Berlin arbeitet in ihrem Buch „Sexualität in Paarbeziehungen“, dass sie zusammen mit ihrer Kollegin Andrea Seiferth veröffentlicht hat. In einem Interview mit „Spiegel Online“ erklärte sie: „Wahrscheinlich liegt die echte Zahl sogar höher. Schuld hat Sigmund Freud und seine Legende vom angeblich „reifen vaginalen Orgasmus“, wonach Frauen allein durch Penetration zum Höhepunkt kommen sollen. Das ist bei manchen möglich, bei vielen aber nicht.“

Gibt es den vaginalen Orgasmus?
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich zahlreiche Untersuchungen mit dem Thema beschäftigt. Manche Experten meinen, einen vaginalen Orgasmus gibt es gar nicht. So hatte etwa der italienische Sexualwissenschaftler Dr. Vincenzo Puppo aus Bologna zusammen mit seiner Frau Giulia im Fachmagazin „Clinical Anatomy“ eine Studie veröffentlicht, deren Fazit lautet, dass es keine anatomische Struktur in einer Vagina gibt, die zu einem sexuellen Höhepunkt führen könnte. Daher seien Begriffe wie „vaginaler Orgasmus“ oder „G-Punkt“ nichts weiter als Fantasiegebilde. (ad)