Studie: Frühere Erkennung von Alzheimer möglich

Nina Reese

Alzheimer kann schon früh erkannt werden

04.04.2013

Alzheimer – eine heimtückische Krankheit, die immer mehr Menschen im Alter betrifft, derzeit jedoch noch immer nicht heilbar ist, sondern höchstens durch Medikamente aufgeschoben werden kann. Nun haben Wissenschaftler des Bonner Universitätsklinikums und der Universität Göttingen neue Erkenntnisse zur Entstehung der Gehirn-Erkrankung gewonnen, die aktuell im Fachmagazin „Acta Neuropathologica“ veröffentlicht werden. Denn während bisher Alzheimer-Forscher davon ausgegangen waren, „dass sich schädliche Plaques von außen an die Nervenzellen anlagern und sie schließlich in den Untergang treiben“, entdeckten die Forscher in Mäusegehirnen gefährliche Ablagerungen direkt in den Nervenzellen, was darauf hindeuten könnte, dass „die Alzheimer-Erkrankung bereits beginnt, wenn von außen noch gar keine Plaques erkennbar sind“, so die Pressemitteilung der Uni Bonn.

Starker Anstieg von Alzheimer-Fällen bis 2050
Mehr als 1,3 Millionen Menschen leiden hierzulande an Demenz, in den meisten Fällen handelt es sich dabei um die Alzheimer-Krankheit, bei der Experten davon ausgehen, dass sich die Anzahl der Erkrankungen im Laufe der nächsten 40 Jahre verdoppeln wird. Als Ursache für die Erkrankung gilt wie bei vielen der sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen eeine irreparable Schädigung und Zerstörung von Gehirnzellen, wobei bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wodurch diese hervorgerufen wird.

Ursache für Zerstörung der Nervenzellen vermutlich Ablagerung
Ein möglicher Verursacher könnten den Experten nach Ablagerungen aus falsch gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden sein, die sich bereits lange vor den ersten klinischen Symptomen negativ auf die Funktion der Zellen auswirken würden. Dabei sei laut Prof. Dr. Jochen Walter von der Klinik für Neurologie des Bonner Universitätsklinikums aus vorangegangenen Untersuchungen hervorgegangen, dass Beta-Amyloid-Peptide mit Phosphatgruppe als besonders schädlich einzustufen seien, denn diese „verklumpen stärker und sind viel schwerer abbaubar als Peptide ohne Phosphatgruppe.“

Neue Untersuchung zeigt altersabhängige Ablagerungen bei Mäusen
In neuen Untersuchungen wurde nun gemeinsam mit Forschern von der Universität Göttingen bei an Alzheimer erkrankten Mäusen untersucht, inwieweit die Ablagerung dieser schwerer abbaubaren Beta-Amyloid-Peptide mit Phosphatgruppe vom Alter abhängt – denn von Plaques war bislang bekannt, dass die Ablagerung von außen stattfindet und die Nervenzellen sukzessive geschädigt werden. Vor diesem Hintergrund kamen die Forscher in ihrer aktuellen Studie zu dem überraschenden Ergebnis, „dass sich die besonders schädlichen Beta-Amyloid-Peptide mit Phosphatgruppe bei jungen, zwei Monate alten Tieren nicht außen, sondern direkt in den Nervenzellen ablagerten“, so Dr. Sathish Kumar aus der Arbeitsgruppe von Prof. Walter. Ab einem Alter von sechs Monaten änderte sich jedoch die Situation bei den Mäusen: So waren die Ablagerungen inner- und außerhalb der Nervenzellen zunächst etwa gleich stark ausgeprägt, bis sie sich dann ab einem Alter von zwölf Monaten vor allem außerhalb der Gehirnzellen befanden.

Erkrankung könnte möglicherweise früher als bisher erkannt werden
Die Erkenntnis, dass zu Beginn der Erkrankung die Ablagerungen direkt in den Nervenzellen stattfinden, zeige den Forschern nach, dass „die Alzheimer-Erkrankung bereits beginnt, wenn von außen noch gar keine Plaques erkennbar sind“, so Prof. Walter – eine sehr wichtige Feststellung, denn eine frühzeitige Diagnose und Behandlung könne helfen, Symptome wie Gedächtniseinbußen und Verhaltensauffälligkeiten so lange wie möglich unter Kontrolle zu halten. Des Weiteren werde vermutet, dass die Nervenzellen, die von den Ablagerungen der Peptide mit Phosphatgruppe betroffen sind, verantwortlich sein könnten für die Verschlimmerung der Erkrankung, denn „diese Gehirnzellen altern offenbar besonders rasch und scheinen als eine Art Keim zu dienen, aus dem sich später die Plaques außerhalb der Gehirnzellen bilden“, so die Universität Bonn.

Antikörper und spezielle Färbetechniken zur Identifizierung besonders schädlicher Plaques Um eine Unterscheidung zwischen den weniger schädlichen Peptiden ohne Phosphatgruppe und den besonders schädlichen Peptiden mit Phosphatgruppe treffen zu können, hatten die Forscher im Rahmen ihres Projekts spezifische Antikörper entwickelt, „die entweder zur phosphathaltigen oder zur phosphatfreien Variante der Beta-Amyloid-Peptide jeweils genau passten wie ein Schlüssel ins Schloss.“ In Verbindung mit speziellen Färbetechniken konnte aufgezeigt werden, wo genau sich in den Gehirnen der untersuchten Mäuse verschiedenen Alters phosphathaltige oder phosphatfreie Ablagerungen befanden.

Möglichkeit der Entwicklung von Biomarkern für bessere Erkennbarkeit
Ausgehend von den neuen Erkenntnissen könnten den Wissenschaftlern nach „nun Biomarker identifiziert werden, mit deren Hilfe der Beginn der Ablagerungen in den Nervenzellen als frühestes Stadium der Erkrankung besser erkennbar wird.“ Bis dahin sei es Dr. Sathish Kumar nach jedoch noch ein weiter Weg, denn zuerst müsse nachgewiesen werden, dass die Ergebnisse aus der Mäuse-Studie auf den Menschen übertragbar seien.

Vier Säulen der gesunden Lebensführung zur Vorbeugung von Alzheimer
Auch wenn die aktuelle Studie neue Hoffnung für Betroffene weckt – bis neue Alzheimer-Medikamente auf den Markt kommen könnten, kann es demnach noch eine Weile dauern. Doch auch wenn selbst die beste Lebensführung selbstverständlich nicht prinzipiell vor Krankheiten schützen kann, so gibt es doch einige Dinge, die jeder Einzelne tun kann, um das persönliche Risiko für Alterserkrankungen aktiv zu senken. In diesem Zusammenhang weisen Wissenschaftler immer wieder auf vier bekannten Säulen der gesunden Lebensführung hin, die für jeden Menschen gelten: gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, geistige Aktivität und ein reges soziales Leben. (nr)

Advertising