Studie: Gen schützt vor Grippe und anderen Viren

Astrid Goldmayer

Studie: Gen schützt vor Grippe und anderen Viruserkrankungen

27.03.2012

Das Gen IFITM3 schützt vor Grippe und anderen Viruserkrankungen. Das ergab jetzt eine im Fachblatt „Nature“ veröffentlichte Studie. Fehlt das Gen, entwickelt sich eine in der Regel harmlose Grippe bei Mäusen zu einer lebensbedrohlichen Form, ähnlich der Spanischen Grippe. Patienten, die wegen der Schweinegrippe H1N1/09 stationär aufgenommen werden mussten, wiesen laut Studie defekte Versionen des IFITM3-Gens auf.

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Ohne das Gen schwere Krankheitsverläufe der Grippe
IFITM3 sitzt auf dem Chromosom 11 und beinhaltet die genetische Information für das „interferon induced transmembrane protein 3“. Das Gen gehört zur Interferon-Reaktion auf Virusinfektionen. Bereits in früheren Studien konnte ein Zusammenhang zwischen dem IFITM3-Gen und der Abwehr von West-Nil-Fieber, Influenza A und Dengue hergestellt werden. Aaron Everitt vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge und seine Mitarbeiter führten nun erstmals systematische Untersuchungen der Rolle des Gens durch. Dafür wurde das IFITM3-Gen von Knockout-Mäusen gezielt ausgeschaltet. Die Wissenschaftler konnten daraufhin schwere Krankheitsverläufe bei den Tieren beobachten. Mäuse, die normalerweise nur leicht an einer Grippe erkrankten, wiesen nun starke Symptome einer Influenza auf. Zudem verloren sie mehr als 25 Prozent ihres Gewichts.

IFITM3-Gen ist nur eine von vielen Ursachen
Normalerweise eleminieren Mäuse das Virus innerhalb von zwei Tagen aus ihren Lungen. Die Knockout-Mäuse mit ausgeschaltetem IFITM3-Gen kämpften noch nach einer Woche mit ihrem Leben, obwohl die Infektion auch bei ihnen auf die Lunge beschränkt blieb. Everitts daraus resultierende Schlussfolgerungen besagen, dass das IFITM3-Gen eine entscheidende Rolle bei der Immunabwehr einnimmt. Um das zu bestätigen untersuchten die Wissenschaftler 53 Menschen, die aufgrund einer schweren Schweinegrippe stationär in Krankenhäusern behandelt wurden. Bei drei der untersuchten Patienten entdeckten sie eine Mutation, die zur Entstehung von verkürzten IFITM3-Proteinen führt. Eine derartige Mutation tritt normalerweise deutlich seltener bei nur einem von 400 Menschen auf. Everett schließt daraus, dass ein verändertes IFITM3-Gen für den schweren Verlauf der Grippe verantwortlich ist. Da die Mutation aber nur bei wenigen Patienten gefunden wurde, kann davon ausgegangen werden, dass es weitere Ursachen gibt. Die Wissenschaftler werden zukünftig nach weiteren Mutationen im Interferon-Stoffwechsel suchen müssen. Möglicherweise könnte die genetische Analyse irgendwann zur Diagnose von erhöhten Anfälligkeiten für Viruserkrankungen herangezogen werden. Betroffene könnten sich dann entsprechend impfen lassen. (ag)